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                <title>SK Touristik - Kanada. Leidenschaftlich./Kanada Reise/Reiseberichte/Kanadafieber 3Artikel</title>
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        <description>Artikel aus der Kategorie Kanadafieber 3</description>
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                <title>Dempster Highway 0,00 €</title>
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                <pubDate>Wed, 12 Mar 2025 03:00:03 +0100</pubDate>
                <description>&lt;img src=&#039;https://www.kanadafieber.de/out/pictures/generated/product/1/700_490_75/dempster-ogilvie-i.jpg&#039; border=0 align=&#039;left&#039; hspace=5&gt;&lt;i&gt;Scoutingtrip im Juni 2015. Nordkanada im langen Licht der Mitternachtssonne. Über Whitehorse und Dawson City sind mein Reisegefährte Andy Schwaiger und ich nach Inuvik geflogen. Und nun soll es auf legendären Schotter gehen. Zwei Tage. 736 Kilometer. Vom Mackenzie-Delta in die Tombstone Mountains.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;i&gt;Text und Fotos:&lt;/i&gt; &lt;b&gt;Rainer Schoof &lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Natürlich reden wir über Schotter. 736 Kilometer Schotter. Aber eine echt gute Qualität. Ich erwische mich dabei, wie ich teilweise 120 km/h fahre, ohne es direkt zu bemerken. Die großen Straßenhobel sind hier kontinuierlich an der Arbeit. Drei oder vier mal sehen wir eines dieser Planierfahrzeuge auf unserem ersten Wegstück. Öfter als uns ein PKW entgegenkommt! Wir fahren durch das flache Deltaland. Flach, aber dennoch spektakulär. Nicht nur, weil man durch die Weite ein Gefühl für Wildnis und Einsamkeit bekommt. Nein, auch unerwartete Ausblicke überraschen uns an den schön angelegten Viewpoints, wie am Tithe geh vitai Viewpoint. Ein willkommener Spaziergang durch die Taiga hinauf auf einen Felsen, der eine spektakuläre Aussicht über den Mackenzie bietet. Das Mackenzie Delta ist ja ohnehin der Hammer. 80 Kilometer breit, knapp 250 Kilometer lang. Ein Irrgarten aus Flussarmen, Seen, Tümpeln, Inselchen, Sandbänken und Sumpflandschaften. Das Paradies für unzählige Vogelarten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nicht nur die Viewpoints und Recreational Areas sind hier auf dem Northwest-Territories-Teil des Dempster toll in Schuss. Auch die Campgrounds beeindrucken mich. Gar nicht wenig und alle gut! Der erste war der Jak Territorial Park bei Inuvik mit seinem Aussichtsturm mit Blick über die Delta-Wildnis. Es folgte der fast noch schöner angelegte Gwich&#039;in Territorial Park. Und jetzt begutachten wir kurz vor Erreichen des Mackenzie River schon den dritten Platz, den Vadzaih van tshik Territorial Campground. Auch wieder echt guter NWT-Standard. Bin überrascht - so viele gute Campgrounds in dieser ansonsten so einsamen und wilden Gegend des Delta-Flachlands hatte ich nicht erwartet. Also, die Camper und Wohnmobilreisenden sind hier definitiv besser versorgt als die PKW-Selbstfahrer ohne Zelt!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und dann führt uns der Dempster mitten in den Fluss. So scheint es wenigstens auf den ersten Blick, denn die Fähre über den Mackenzie River ist noch nicht da. Einfach so, ohne irgendeine Art von befestigter Uferrampe, legt sie wenig später direkt am lehmigen und nur leicht aufgeschotterten Flussufer an. Ein Frontladerbagger ist permanent im Einsatz, um die Uferstelle zur Auffahrt auf die Fährenrampe passierbar zu halten. Jawohl, immer wieder spannend so eine Flussüberquerung in der Wildnis. Wie diese hier zur Inuvaluit-Siedlung Tsiigehtchic, das ehemalige Arctic Red River. So denken wir. Umso überraschter sind wir, als der Fährmann, ein Inuvaluit, uns fragt, wo wir denn hinwollen. Na, über den Fluss - was sonst? Nach Tsiigehtchic, fragt er. Klar, sagen wir. Er nickt und winkt uns auf die Fähre. Dann kommt er nochmal ans Fenster. Oder ob wir nach Eagle Plains wollen. Ja, antworten wir. Auch das. Ist ja unser Tagesziel. Ok, dann Eagle Plains, sagt er. Noch interpretieren wir dies als reines Interesse an unserer Fahrtroute. Erst am anderen Ufer wird uns klar, dass wir uns tatsächlich hätten entscheiden müssen. Entweder Tsiigehtchic oder weiter auf dem Dempster. Von diesem gibt es keine Zuwegung in die Inuvaluit-Siedlung. Mist, gern hätten wir einen Blick auf Tsiigehtchic geworfen, die First Nations Siedlung, in der noch immer etwa 150 Ureinwohner im Wesentlichen vom Jagen, Fischen und Trappen leben. Aber irgendwie auch abgefahren. Hier kommen so wenig Autos an - auch wir sind das einzige Auto auf der Fähre - dass an Bord einfach gefragt wird, wo es hingehen soll. Und dann wird man halt dorthin gebracht. Und der nächste womöglich zum anderen Ufer. Flexibilität im Norden. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Runter von der Fähre und weiter nach Süden. Wir peilen mit dem Peel River den nächsten großen Strom an. Kurz vor dem Ufer schon wieder ein schön angelegter Campground, der Nitainlaii Territorial Park. Glück gehabt, an der Fähre gibt es diesmal keine Wahlmöglichkeit. Weit ist es nun nicht mehr bis Fort McPherson. Gut für uns, denn wir müssen sicherheitshalber tanken. Andy beschließt zudem, dass wir neues Beef Jerky brauchen und verschwindet in dem kleinen Supermarkt nebenan. Besser man fängt erst gar nicht mit dem getrockneten und doch so schmackhaften Rindfleisch an. Man wird schnell süchtig. Wie bei Chips - nur besser, also schlimmer.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fort McPherson ist im Prinzip ein reines indigenes Dorf. Weniger als 1000 Menschen leben hier. Berühmt ist der Friedhof, denn hier liegt die legendäre Lost Patrol begraben. Vor über 100 Jahren, im Dezember 1910, verließen Inspector Fitzgerald und drei weitere Mounties den Ort, um sich auf eine Patrouillenfahrt nach Dawson City zu begeben. 475 Meilen mit dem Hundeschlitten. Auf dem Rückweg verloren sie aufgrund extremer Kälte und hohem Schnee den Weg und starben an Hunger und Kälte. Der berühmte Corporal Dempster, der regelmäßig mit dem Hundeschlitten auf diesem alten Handelsweg unterwegs war und daher auch Namenspatron des heutigen Highways wurde, fand sie dann nur etwa 25 Meilen von Fort McPherson entfernt. Jeder hier im Norden kennt sie, die Geschichte der Lost Patrol. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weiter. Mit aufgefülltem Tank und neuen Jerky-Vorräten. Wir erreichen den Tetlit Geinjik Territorial Viewpoint. Ein kurzer Fußweg führt zu der Aussichtsplattform, die einen tollen Blick zurück über das flache Flussland zwischen Peel- und Mackenzie River eröffnet. Infotafeln erklären die Wanderung der riesigen Karibuherden durch dieses Gebiet. März und April sollen die besten Monate zur Beobachtung dieses Naturspektakels sein. Ich erinnere mich jedoch, dass die Mitreisenden unserer geführten Kleingruppenreise &quot;Alyeska&quot; auch in der zweiten Junihälfte noch dieses Spektakel auf dem Dempster erleben konnten. Man stelle sich vor: Tausende Karibus wandern über die Hügel dieser Wildnis - und über den Highway!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hinein in die Richardson Mountains, die nördlichen Ausläufer der Rocky Mountains. Jetzt wird es noch spektakulärer. Und immer noch so wild und einsam. Ganz mein Ding! Ich versuche, auf Fotos festzuhalten, wie unendlich weit dieser Highway wirkt und wie allein man hier eigentlich immer ist. Wenn wir anhalten, lassen wir das Auto häufig mitten auf der Straße stehen - es kommt ja sowieso keiner.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir verlassen die Northwest Territories und nehmen nun den Yukon-Teil des Dempster unter die Räder. Immer höher geht es in die Richardson Mountains hinein. Und hier hängen die Wolken dick drin. Das Wetter wird immer schlechter. Es regnet, teilweise heftig. Auf dem Highway stoßen wir nun hin und wieder auf Abschnitte, die so schlammig sind, dass ich den Allradantrieb zuschalte. Nicht wirklich, weil es notwendig wäre, sondern eher, um unsere Reisegeschwindigkeit nicht allzu sehr verringern zu müssen. Mistwetter, aber auch das hat was. Oben am Wright Pass kommt uns die Stimmung fast mystisch vor. Regen hin oder her - die Ausblicke sind grandios. Und wir werden für den Regen entschädigt. Ein Grizzly quert vor uns die Straße und trollt sich in die Bergtundra. Toll. Habe viele Grizzlies gesehen, aber in dieser Umgebung empfinde ich es als etwas Besonderes.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir erreichen den Polarkreis. Das Ende der Arktis. Auf zur letzten Schlammetappe. Es regnet wieder heftiger, doch unser Yukon XL bringt uns sicher durch die widrigen Straßenverhältnisse nach Eagle Plains. Das Eagle Plains Hotel ist ja quasi Eagle Plains. Mehr gibt es hier ja nicht. Nur noch den etwas erhöht gelegenen Camping-Parkplatz und die kleine Tankstelle. Beides gehört zum Hotel. Aber es gibt eine Bar - und ein Restaurant. Alles, was man braucht. Die Zimmer sind einfach, aber sauber. Ja, wir residieren heute im besten Haus am Platz! An der Bar bedient Evelyn aus München. Sie ist hier irgendwie hängengeblieben. Weil es ihr so gut gefallen hat. Und das tut es immer noch. Zwischendurch muss sie die Bar verlassen, um parallel die Hotelrezeption und draußen die Tankstelle zu besetzen. Wie gesagt, man muss flexibel sein im Norden. Auch mit uns, denn wir sind erst spät angekommen - kurz vor der letzten Runde. Vorsichtshalber bringt Evelyn daher gleich vier Flaschen kühles Yukon Gold an unseren Tisch. Dafür gibt&#039;s bei Andy und mir Pluspunkte! Und ein leckeres Essen bekommen wir auch noch. Und jetzt? Es ist doch noch so hell! Wir unternehmen noch einen kleinen Gang hinter das Hotel und genießen den wahnsinnigen Ausblick auf die Polarkreis-Wildnis. Von Kunden habe ich gehört, dass hier die Mitternachtssonne am schönsten sein soll. Die Sonne steht nicht permanent hoch am Himmel wie in Inuvik, sondern sie beginnt unterzugehen, um dann aber im tief rotgefärbten Horizont direkt wieder aufzugehen. Leider heute angesichts des Wetters nicht zu erwarten. Denke ich. Hätte ich gewusst, dass sich das Wetter über Nacht bessern und Andy mir am nächsten Morgen von genau diesem Spektakel vorschwärmen wird, dann hätte ich alles daran gesetzt, wach zu bleiben. Schade.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;So geht es am nächsten Morgen zumindest für mich ausgeruht auf eine vermeintlich noch spektakulärere Etappe des Dempster Highway. Tja, und auf dem Weg zum Auto treffe ich doch tatsächlich SK-Stammkunden. Beim Hinsehen zögere ich noch, aber sie erkennen mich direkt. Witzig - ich erinnere mich noch, wie ich ein halbes Jahr zuvor auf unserem Kanadatag in Münster ausführlich mit ihnen über ihre geplante Reise gesprochen habe. Und jetzt sieht man sich hier auf der einsamen Schotterpiste des Dempster wieder. Mitten im Nirgendwo! Sie fahren nach Norden und schnell werden ein paar aktuelle Infos ausgetauscht. Ich erkläre, wo wir gestern den Grizzly gesehen haben. Und auch das Biologen-Ehepaar aus dem Münsterland hat schon richtig Glück gehabt mit den Bären. Der Juni ist einfach Bärenzeit, auch im Yukon. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Immer mehr &quot;BOAH!&quot; auf unserer Fahrt. Und immer noch diese Einsamkeit! Kurz vor dem Abstieg von den Eagle Plains tauchen in der Ferne die nördlichen Ogilvie Mountains auf. Mächtig. Beeindruckend. Wie gemalt thronen sie da über dem endlosen, tiefgrünen Flusstal des Peel River. Immer wieder muss man sich vergegenwärtigen, dass da unten wirklich nichts ist außer Wildnis. Kein Haus, keine Siedlung. Vielleicht irgendwo die Überreste einer alten Trapperhütte. Ach, es ist schon ein Traum! Davon werde ich nie genug bekommen! Leider hüllen sich die entfernten Gipfel in eine Wolke, als wir den Ogilvie-Peel-Viewpoint erreichen. Aber schon wenig später verzieht sich die Wolke und wir bekommen doch noch unser Bild von dem Bergpanorama in der Ferne. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Dempster führt nun direkt hinunter zum Ufer des Peel River, um den Fluss eine ganze Weile zu begleiten. Eine herrliche Kulisse ganz für uns allein. Spontan wird mir klar, dass ich eine Kanutour auf dem Peel River auf meine Bucket List setzen muss. Dann hinein in die Ogilvie Mountains. Und wieder wechselt die Landschaft. Es wird karger, felsiger, steiniger. Gerölliger. Die Bäche links und rechts sind von Eisen und Schwefel rötlich gefärbt. Steile Geröllhänge wechseln mit unberührten Tundra-Hochtälern. Der Fotoapparat läuft heiß. Vom Ogilvie River zu unserer Linken führt der Dempster über den Windy Pass in das Tal des Blackstone River. Die Straße ist inzwischen hoch aufgeschottert. Sie soll nicht das gleiche Schicksal erleiden wie die Hänge rechts und links: Erosion durch das Antauen des Permafrostbodens. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Von den Blackstone Uplands erahnt man die erhabenen Tombstone Mountains. Im Herbst soll sich in dieser Gegend die mächtige Barren-Ground-Karibuherde aufhalten. SK-Kunden haben mir bereits von diesem Schauspiel berichtet und ich habe tolle Bilder gesehen. In diesem Ju­ni bleiben wir jedoch karibulos auf unserer Fahrt hoch zum North Fork Pass mit dem Blick auf den über 2000 Meter hohen Tombstone Mountain. Hier verläuft die Wasserscheide zwischen dem Polarmeer und dem Pazifik im Westen. Der Tombstone Park ist ohnehin beeindruckend. Andy erzählt mir die ganze Zeit, auf welchem Berg und auf welchem Kamm er eine Trekkingtour machen würde. Immer weiter werden diese Ideen gesponnen. Ja, so entstehen echte Individualreisen. Es ist förmlich zu spüren, wie viel Potenzial diese Gegend noch für Wanderer, Naturliebhaber und Entdecker hat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tja, und ehe wir uns versehen, haben wir dann schon die letzten Dempster-Kilometer unter den Rädern. Das Wetter ist super, es ist richtig heiß geworden und wir fahren entlang am Ufer des North Klondike River. Ja, Klondike. Der berühmte Klondike. Noch einmal Goldrausch- und Pionier-Feeling. Noch einmal tolle Wald- und Gebirgspanoramen. Der Yukon zeigt sich von seiner schönsten Seite. Wir erreichen den Klondike Highway - und damit das Ende des Dempster Highway. Nach rechts geht es nach Dawson City, nach links in Richtung Whitehorse. &lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Der Dempster Highway ist eine der schönsten Wildnisstraßen, die ich in Kanada je befahren habe. Ich glaube, dass wir Glück hatten, die Einwegroute in Südrichtung fahren zu können. Das ergab für unsere zwei Reisetage die beeindruckendere Dramaturgie. Aber auch in Nordrichtung - als Sackgassenroute mit doppelten Wegen - halte ich den Dempster für durchweg empfehlenswert. Für alle, die kein Problem mit Schotterpisten und ihren Risiken haben. Die Qualität des Straßenbelags war übrigens bis auf wenige Ausnahmen ausgesprochen gut. Viel besser als so manche Asphaltstraße. Tja, und dass nun gerade der letzte weiße Fleck auf meiner persönlichen Straßenkarte Kanadas noch so viel Neues und Unerwartetes bringt, empfinde ich als Glück. Sicher werde ich diesen Highway nochmal im Herbst fahren. Wenn die Tundra-Hochtäler feuerrot erglühen. Für dieses Mal bin ich jedoch froh, im Juni hier zu sein. Die Mitternachtssonne ist für mich das i-Tüpfelchen. Es ist besonders, wie unendlich lang der Tag und wie herrlich zeitlos man selbst wird. Wie die Endlosigkeit von Tageslicht, Natur, Weite und Menschenleere ein der Alltagswelt entrücktes Schauspiel inszenieren. Selbst in nur zwei Reisetagen.</description>
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                <title>Portrait: Ben Rankin 0,00 €</title>
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                <pubDate>Fri, 06 Jan 2023 12:23:20 +0100</pubDate>
                <description>&lt;img src=&#039;https://www.kanadafieber.de/out/pictures/generated/product/1/700_490_75/oh_benrankin1.jpg&#039; border=0 align=&#039;left&#039; hspace=5&gt;&lt;strong&gt;Der HERR DER PISTEN&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Es braucht Leidenschaft, um diesen Job gut zu machen. Und die hat Ben Rankin, der &quot;Pistenmann&quot; von Sunshine Village. Seit 27 Jahren fährt er die Hänge rauf und runter. Mit einer mächtigen Maschine und viel kanadischer Gelassenheit.&lt;br /&gt;
Text: Ole Helmhausen  Fotos: Ole Helmhausen und Rainer Schoof&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Was machst du, wenn du hier oben vor lauter Schnee nicht die Hand vor Augen siehst? Ben Rankin zögert keine Sekunde: &quot;Wenn man 27 Jahre hier hoch und runter gefahren ist, erkennt man die Piste daran, wie sie sich anfühlt!&quot; Das ist eine erstaunliche Aussage, schaut man sich die Größe von Bens Arbeitsplatz etwas näher an. Das Sunshine Ski Resort nahe Banff ist 1350 Hektar groß und hat über 100 Abfahrten mit einer Gesamtlänge von rund 200 Kilometern. Mit Höhen zwischen 2200 und 2700 Metern ist Sunshine nicht nur Albertas höchstes Skigebiet, sondern auch extrem schneereich. Gut zehn Meter der weißen Pracht werden hier pro Saison gemessen. Wie Ben also im Schneetreiben auf einer der 200 Pistenkilometer zuverlässig seinen Standort bestimmen kann, ist mir bestenfalls schleierhaft. &lt;br /&gt;
Ich treffe den jovialen Mittfünfziger mit dem freundlichen Lächeln unterhalb der Gondelstation des Sunshine Village. Er wird bei seiner Snowcat sein, meint einer seiner Kollegen und nickt zum Fuhrpark hinüber. Dort steht in Reih und Glied geparkt ein halbes Dutzend pieksauberer Pistenraupen. Vor einer steht der Mann, der mir als echtes Original beschrieben wurde, und begrüßt mich mit einem gewinnenden &quot;Hi, I&#039;m Ben!&quot;. Alles Weitere ergibt sich von selbst. Denn wer würde nicht gern wissen, was so eine Raupe alles kann und was ein Fahrer in einem hochalpinen Skigebiet wie Sunshine schon erlebt hat. &quot;Kannst dich hinters Steuer setzen&quot;, lädt Ben mich ein, und dabei ist der Stolz auf dieses technikstarrende Monster nicht zu überhören. Mein erster Gedanke: Den ergonomisch geformten Sitz hätte ich gern in meinem VW. Der zweite: Starke Kiste. Ganz schön starke Kiste! Ben sieht die Ehrfurcht in meinem Gesicht und grinst: &quot;Ist ein Pistenbully 400W von Kässbohrer. Aus deinem Heimatland!&quot; Dann rattert er die technischen Daten herunter: 370 PS, 10.000 Kilo Gewicht, 6 Zylinder Reihenmotor mit Turbolader und 9 Liter Hubraum, 25 Liter Diesel pro Betriebsstunde, 20 km/h Höchstgeschwindigkeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Genug Power, um bis zu vier Tonnen Schnee den Berg hochzuschieben und die Pisten schön zu machen. Wird es dennoch zu steil, tritt das knapp 1000 Meter lange Stahlseil an der Bugseilwinde in Aktion. &quot;Das vertäue ich am nächsten Baum und seile mich dann schneefräsend ab&quot;, grinst Ben und freut sich erneut über mein beeindrucktes Gesicht. 13 Tonnen Zuglast hält das Stahlseil theoretisch aus. Vier davon kann Ben per Joystick abrufen. Doch ich frage lieber, ob ihm das Seil schon mal gerissen ist. &quot;Yep. Auf dem Goat&#039;s Eye Mountain. Ich lag in meinem Pistenbully wie ein Astronaut beim Start seiner Rakete. Klang fies. Musste aussteigen und zu Fuß zurück nach Sunshine rutschen. Kein Spaß, so kurz vor Feierabend.&quot;&lt;br /&gt;
Ein normaler Arbeitstag mit dem motorisierten, 350.000 Dollar teuren Bergsteiger beginnt für Ben und seine Kollegen um 15 Uhr mit dem Treffen bei den Bergführern von Sunshine. Wie wird das Wetter? Gibt es neue lawinenträchtige Abschnitte? Wie hoch ist die Luftfeuchtigkeit? Besondere Vorkommnisse? Um 16.30 Uhr geht es dann mit insgesamt zehn Pistenbullys auf die drei Berge. Über Funk bleibt man in Kontakt und koordiniert die Pistenpräparierung. Um 24 Uhr ist man wieder zurück in Sunshine – wenn alles gut geht. Ich frage Ben, ob er schon einmal eine Lawine erlebt hat? &quot;Yep&quot;, die erneut kurze Antwort. Doch dieses Mal lächelt er nicht. &quot;War komisch. Eigentlich dramatisch. Der ganze Hang bewegte sich plötzlich. Ich bin dann auf der Lawine geritten. Oder gesurft, wie du willst. Dabei musste ich schneller sein als sie, um die Kontrolle über meine Maschine zu behalten. Am Ende machte der Motor schlapp und ich musste schon wieder zu Fuß zurück.&quot; Das Grinsen kehrt zurück in Bens Gesicht: &quot;Habe ganz schön geflucht. Hatte ja nichts zu trinken mit!&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Zum Abschied fährt mich Ben hinab zur Talstation. Toll, das Fahrgefühl. Nichts zu hören von den 370 Pferdestärken. Ben erzählt von den Füchsen, die jede Nacht an den Pistenrändern auf ihn warten. &quot;Die wissen, dass ich mit den Vibrationen im Boden die Mäuse aufscheuche. Schlaue Kerlchen, diese Füchse.&quot;</description>
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                <title>Wildes Vancouver Island 0,00 €</title>
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                <pubDate>Mon, 12 Feb 2018 13:49:25 +0100</pubDate>
                <description>&lt;img src=&#039;https://www.kanadafieber.de/out/pictures/generated/product/1/700_490_75/schcoofspaddeln.jpg&#039; border=0 align=&#039;left&#039; hspace=5&gt;&lt;p&gt;&lt;em&gt;Einen Tag eher als unsere Familien landen Markus und ich in Vancouver. Bevor unser Familienabenteuer beginnt, steht für uns das alljährliche &quot;Gipfeltreffen&quot; bei unserem Partner Traveland RV an. Jetzt aber erst einmal ab in den Shuttle zum Pacific Gateway Hotel. Schönes Hotel, gutes Zimmer. Und halt das Pier 73 - das beste Argument für dieses Hotel. Über den Boardwalk hinüber zum Wasser und dort auf die Rundum-Terrasse des kreisrunden Restaurants. Ein kühles Bier und, natürlich, meine geliebten Seafood Linguini. Durchschnaufen. Ankommen. Kanada einatmen. Und dann ab ins Bett!&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;Text:&lt;/em&gt;&lt;strong&gt; Rainer Schoof&amp;nbsp;&lt;/strong&gt; &lt;em&gt;Fotos:&lt;/em&gt; &lt;strong&gt;Rainer Schoof&lt;/strong&gt;, &lt;strong&gt;Mirjam Schoof&lt;/strong&gt; &lt;em&gt;und&lt;/em&gt; &lt;strong&gt;Markus Knüpp&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;br /&gt;
Natürlich rächt sich das frühe Zubettgehen! Um vier Uhr morgens ist für mich Schluss mit Schlafen. Ran ans iPad - ran an die Emails. Ob Markus auch schon wach ist? &quot;Frühstücken?&quot; meine knappe Mail an ihn. Minuten nach dem ebenso kurzen &quot;Yes&quot; zurück sitzen wir schon vor unseren &quot;Eggs sunny side up&quot;. Wir profitieren von der Airportnähe des Hotels. Klar, hier muss es schon ab fünf Uhr morgens Frühstück geben. Super für Jetlagger!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Schon um kurz nach sieben kommen wir bei Traveland in Langley an. Kein Problem für Monika Krüger - sie ist ohnehin ein echter &quot;Early Bird&quot;. Strahlend kommt die Rentals Managerin uns entgegen. &quot;Herzlich willkommen, Ihr beiden!&quot; Na, die ist ja richtig gut gelaunt! Ich frage, ob das tolle Wetter der Grund für ihr Strahlen sei. &quot;Das Wetter ist klasse&quot;, sagt sie, &quot;aber ich freue mich vor allem über den Start der Saison. Einfach toll, wenn die Wohnmobile nach und nach vor die Tür rollen. Wenn die vielen aufgeregten Leute hier ankommen und sich über ihre Autos freuen. Und es endlich Gesichter zu den Namen in den Reservierungen gibt. Ist für mich irgendwie greifbarer, realer.&quot; Gute Einstellung, denke ich, und folge ihr gespannt zu unseren beiden Navions. Wir inspizieren die Fahrzeuge und sind einmal mehr begeistert von pfiffigen Extras wie zum Beispiel Scheiben-Plissees im Cockpit. Viel besser als die üblichen Vorhänge: Man kann das Mobil blickdicht machen, ohne das Cockpit abzutrennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Unser Meeting mit Traveland-Inhaber Dale Howes, seinen beiden Söhnen Chris und Brad sowie Monika und Samuel von der Rentals-Abteilung wird produktiv. Für 2017 besprechen wir einiges Neues. Alle sind begeistert von meiner Idee, zukünftig E-Bikes nebst Träger als Extra für die Wohnmobilmiete anzubieten. Zufrieden machen Markus und ich uns auf den Weg zurück zum Pacific Gateway Hotel - in unseren beiden Navions!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Die Familien sind angekommen. Meine Frau Mirjam mit unseren Kindern Anna (9) und Felix (10) sowie Markus&#039; Frau Britta mit den beiden Kindern Julius (9) und Helena (12). Und kaum fahren die beiden Navions vor, starten dann auch die üblichen Diskussionen mit den kleinen Mitreisenden wie auf Knopf­druck: Wer schläft wo, mit wem und mit wem auf gar keinen Fall? Das muss erst geklärt werden. Dann kann es aber losgehen. Nach Tsawwassen, zum BC Ferries Terminal südlich von Vancouver. Wir bekommen einen Platz relativ weit vorn in der Wartereihe für Wohnmobile und es bleibt uns gerade noch genug Zeit, den Rest des Gepäcks in die Schränke zu organisieren und die Gaszufuhr abzudrehen (Sicherheitsvorschrift von BC Ferries), da geht es auch schon auf die Fähre. Schnell hinauf auf eines der vielen großen Decks, denn das Wetter ist herrlich. Einen Cappuccino dazu und dann wird genossen. Die Überfahrt ist ein Traum - durch die vorgelagerten Inseln hinüber nach Swartz Bay auf Vancouver Island - alles bei strahlendem Sonnenschein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Auf Vancouver Island sind es dann noch ein paar Kilometer bis Victoria. Als Campground haben wir heute den Westbay Marine Village reserviert. Aus zwei Gründen: Erstens waren wir bislang nie selbst hier. Und zweitens erfüllt der Platz die Idealvoraussetzungen direkt am Pazifik und trotzdem mitten in der Stadt zu liegen. Zwar konnten wir keinen von den wunderschönen Plätzen direkt am Wasser ergattern, aber wir sind sehr zufrieden. [Inzwischen erreichte uns die sehr bedauerliche Mitteilung, dass dieser Campground zum Februar 2017 seinen Betrieb einstellt. Wir hoffen allerdings noch, dass er von neuen Investoren übernommen und weiter betrieben wird.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Für heute Abend haben wir beim SK-Partner Eagle Wing das Sunset Whalewatching gebucht. Unsere Idealvorstellung: Orcas vor der untergehenden Sonne beobachten! Also, auf zum Wassertaxi. Sehen toll aus, diese kleinen Nussschalen, die regelmäßig die wichtigsten Anlegestellen rund um den Inner Harbour abklappern. Auch zum Fisherman&#039;s Wharf kann man sich schippern lassen. Eigentlich müsste man ja mehr Zeit einplanen für dieses kleine Viertel auf Stegen mit all seinen bunten, individuellen und kreativ dekorierten Floating Houses, den Cafés und &quot;Fish &amp; Chips&quot;-Buden. Aber auf einmal wird die Zeit dann doch knapp. Ich sehe schon Brad Soberg, den Inhaber von Eagle Wing, auf uns zukommen. Er wird heute unser Captain sein. Stolz zeigt er mir seine Boote, denen man ihre Geschwindigkeit regelrecht ansieht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Los geht&#039;s bei herrlichstem Wetter. Die Wale sind schon seit längerem nicht mehr in den Gewässern vor Victoria gesichtet worden. Aber vor der Olympic Peninsula, also vor Washington in US-Gewässern. Ziemlich weit weg - jetzt zahlt sich die Geschwindigkeit der Boote aus. Das Boot hüpft über die Wellen, die Kinder juchzen und die Eltern grinsen. Und dann sehen wir sie, die Orcas! Meine Lieblingswale. Ich freue mich! Es ist aufregend und beruhigend zugleich, sie durch den Pazifik ziehen zu sehen. Auf dem Rückweg fahren wir in die untergehende Sonne hinein und stoppen noch einmal mitten auf dem Pazifik, nur um den Sonnenuntergang zu bewundern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Zurück am Fisherman&#039;s Wharf gibt es erst einmal eine heiße Schokolade. Es ist spät. Ob wir überhaupt noch ein Restaurant finden? Schnell laufen wir zur Old Spaghetti Factory hinüber - und haben Glück: Der Grill ist aus aber Pasta wollen sie uns noch machen. Passt gut, denn wir wollten ja eh noch einmal Seafood Linguini essen. Sehr lecker, aber unsere beiden Jungs schaffen ihre Portionen nicht mehr. Jetlag, frische Luft und die ganze Orca-Aufregung - Felix und Julius schlafen über ihren Tellern ein. Also, schnell mit dem Taxi zurück zum Campground. Autotaxi - die Wassertaxis fahren schon lange nicht mehr. Ab ins Wohnmobil. Ab ins Bett. Die erste Nacht im Mobil. Ich stehe noch einen Moment draußen und bewundere den Sternenhimmel. Ein toller erster Tag auf Vancouver Island. So kann&#039;s weitergehen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Die erste Nacht im Wohnmobil war eine gute. Alle sind frisch und voller Tatendrang, als wir uns von Victoria verabschieden und uns auf den Weg machen. Über Nanaimo nach Coombs. Hier wollen wir Dave Petryk treffen. Dave ist der CEO von Tourism Vancouver Island, vor allem aber ein alter Freund von mir. Zum Lunch haben wir uns im Cuckoos at Coombs verabredet. Mann, ist Coombs explodiert! Natürlich gibt es den alten alternativen Laden mit den Ziegen auf dem Dach immer noch. Aber einfach an der Straße anhalten kann man mit dem Wohnmobil kaum noch. Kein Platz. Dafür gibt es jetzt ein ausgewiesenes &quot;RV and Bus Parking&quot;. Naja, die Kinder sind begeistert. Ich bin kein großer Freund von Trubel, aber mir gefällt das Restaurant, das Cuckoos. Sehr mediterran angehaucht, fast eher &quot;unkanadisch&quot;. Aber das Essen ist super. Es wird ein schöner Nachmittag. Dave freut sich sehr, dass wir unsere gesamte Reise Vancouver Island widmen. Er weiß, wie schnell diese Insel bei der individuellen Reiseplanung ins Hintertreffen gerät. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Irgendwann schaffen wir es, uns von der entspannten Sommerstimmung in Coombs loszureißen. Schließlich müssen wir ja noch weiter bis zur Westküste der Insel. Die Fahrt durch das kaum besiedelte Inland ist wunderschön. Gerade bei diesem Wetter! Wälder mit Riesenbäumen vor einsamen Seen. Kristallklare Flüsse, die sich ihren Weg durch im Sonnenlicht schimmernde Felsplateaus bahnen. Aber natürlich ist heute auch der Starttag in ein Long Weekend und so sparen wir uns den Gang durch den eigentlich so sehenswerten Wald von Cathedral Grove. Es stehen für meinen Geschmack zu viele Autos am Straßenrand. Und ein bisschen müssen wir auch auf die Zeit achten, denn ab Ucluelet haben wir noch 10 Kilometer grobe Wildnisstraße vor uns. Keiner von uns kennt den Mussel Beach Campground. Kunden haben ihn empfohlen und wir sind mächtig gespannt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Ab in den Busch. Hier ist nichts mehr, kein Zivilisationszeichen außer dem Weg selbst. Und der hat es in sich. 10 km/h werden empfohlen. Sehr viel mehr geht auch nicht, obwohl sich die Navions ja ganz gut auf Schotter machen. Wahrscheinlich gibt&#039;s diese Straße auch in besser, aber nach den vielen Sonnentagen ohne Feuchtigkeit sind die Schlaglöcher ziemlich ausgefahren. Dennoch rumpeln wir problemlos durch den Busch, bis sich der Regenwald vor uns auftut und den Blick auf einen breiten, einsamen Pazifikstrand freigibt. Der Mussel Beach Camground. Toll! Die wunderschönen Plätze halb im Wald und dennoch direkt am Strand waren zum Zeitpunkt unserer Buchung nicht mehr frei. Unsere beiden Sites auf dem offenen Gelände am Strand kommen uns aber nicht minderwertiger vor. Im Gegenteil - mitten am Pazifik, einigermaßen eben, mit Feuerstelle und Picknick Table. Die Kinder flitzen direkt los. Es ist gerade Ebbe und natürlich gibt es unglaublich viel zu entdecken. Muscheln, Krebse, farbenprächtige Seesterne - ein Kinderparadies. Dementsprechend erschöpft fallen sie dann auch ins Bett und wir Erwachsenen haben mal einen etwas längeren Abend für uns allein am Lagerfeuer. Mit Panoramablick auf den Pazifik! &lt;br /&gt;
Natürlich steht ein Ausflug in den Pacific Rim Nationalpark auf dem Programm. Nach Tofino. Zu unserem Partner Remote Passages. Tofino ist immer noch ein wirklich nettes kleines Örtchen. Wir sind an diesem Morgen ein bisschen spät dran, da es nur einen Parkplatz für Wohnmobile gibt, den wir erst finden müssen. Wohnmobile brauchen Platz und von dem gibt es nicht viel auf der schmalen Landzunge des Pacific Rim Parks, an dessen Spitze Tofino liegt. An einigen Strandparkplätzen haben wir schon das &quot;No RVs&quot;-Schild gesehen - nicht schön für uns, aber verständlich. Zu Fuß erreichen wir Bootshaus und Anleger von Remote Passages. Und dann geht es für uns wieder hinaus auf den Pazifik. Das Wetter spielt wieder mit. Und die Landschaft! Die Szenerie des Clayoquot Sound ist in ihrer Ursprünglichkeit so unfassbar schön, dass wenn ein Künstler sie malen würde, man das Bild am Ende für zu kitschig halten würde. Und so viel Leben um uns herum! Die Adler zählen wir schon gar nicht mehr. Aber jetzt kommen die Otter hinzu! Ein herrliches Bild so ein Tier auf dem Rücken dahintreiben zu sehen - schlafend oder mit einer Muschel in den Pfoten. Es ist wirklich erfreulich, dass sich die Population hier im Clayoqout Sound scheinbar erholt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Über Funk erfahren wir, dass ein Grauwal gesichtet wurde. Tatsächlich finden wir ihn. Und sehen ihn gut. Ich bin überrascht - grundsätzlich finde ich zwar, dass man von den Orcas mehr hat. Denn wenn man die einmal gefunden hat, sind sie da. Mehrere und fotogen immer auf- und abtauchend. Aber gerade mit den Kindern empfinde ich heute auch die Grauwalbeobachtung als unerwartet spannend, da der Grauwal auftaucht und dann wieder verschwunden ist. Die große Frage: Wo taucht er als nächstes auf? Zusammen scannen wir die Wasseroberfläche, versuchen zu erahnen, wo der Wal inzwischen hingetaucht sein könnte. Dann die große Überraschung, wenn es doch ganz woanders ist. Und die Freude desjenigen, der ihn entdeckt hat. Ein toller Trip.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Am Dockhouse von Remote Passages ist ganz schön was los. Unsere Gruppe geht vom Boot - die nächsten machen sich bereit. Die Whalewatcher genau wie die Schwarzbärenbeobachter und die Gruppe, die sich auf den Weg zu den heißen Quellen im Regenwald machen wird. Postiver Trubel - keine Hektik. Alle sind gespannt, freudig erregt. Niemand will etwas von den Einweisungen verpassen. So soll es sein - ich könnte direkt wieder losfahren. Aber ich will noch mit Inhaber Don Travers und seiner Frau Kathy sprechen. Beide sind sehr zufrieden mit ihrer Saison und freuen sich besonders über die vielen deutschen Kunden. Die Deutschen sind für sie Naturbegeisterte, die mit Vorwissen herkommen und trotzdem noch neugierig sind und vergleichsweise großes Interesse an dem gesamten Ökosystem zeigen. Im Detail lasse ich mir bei der Gelegenheit das ausgeklügelte Sicherheitssystem erklären: Das Head Office weiß immer auf den Meter genau, wo die Boote sind. Im Minutentakt gehen Positionsmeldungen ein. Bleibt eine aus, wird sofort der Funkkontakt zu dem Boot hergestellt. Kommt der nicht zustande, startet je nach Distanz ein Rettungsschnellboot oder ein Wasserflugzeug. Vorbildlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
Ein weiteres Abenteuer liegt hinter uns. Klar, die Kinder möchten jetzt wieder zurück zu unserem Campground am Mussel Beach. Doch heute setzen sich einmal die Eltern durch und wir fahren zum Long Beach. Einmal hinein in die sagenhafte Pazifikbrandung. Neben all den Surfern. Und ja, natürlich ist das Wasser kalt. Aber wir lassen uns alle nicht abhalten. Es macht zu viel Spaß, sich in die Wellen zu schmeißen. Ordentlich was los hier - klar, Long Weekend. Aber der Strand ist natürlich der Hammer. Man kann sich kaum einen schöneren vorstellen. Und so riesig ist er, dass sich alles gut verläuft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Auf der Rückfahrt möchte ich mir das neue Kwisitis Visitor Center anschauen. Wir nehmen den Abzweig zum Wickaninnish Beach und sind begeistert! Allein schon vom Strand der Florencia Bay. Traumhaft - und ganz leer. Hier hätten wir unseren Badestopp machen sollen! Und das Visitor Center beeindruckt. Ein mächtiges Holzhaus, das auf einem Felsen der Pazifikbrandung trotzt. Drinnen eine ansprechende Ausstellung über die Besiedlungsgeschichte dieses Teils von Vancouver Island und ein urgemütlicher Raum mit Sofas und Sesseln vor einer Panorama-Fensterfront. Sich hier niederlassen und stundenlang einfach nur auf die Schönheit hinausstarren. Aber jenseits mei­ner Versunkenheit warten zwei Kinder im Wohnmobil und wollen zurück zum Mussel Beach. &amp;nbsp;&lt;br /&gt;
Das Wetter ist immer noch hervorragend. Die Flut läuft gerade in den Mussel Beach hinein. Gut, denn wir wollen alle schwimmen gehen. Wenigstens einmal kurz untertauchen. Doch dann die große Überraschung: Das Wasser ist warm! 21 Grad an der Oberfläche misst Markus mit seiner Multifunktionsuhr. Die Neopren-Shorties haben wir umsonst angezogen. Es stimmt also: Als flacher, der offenen Pazifikküste abgewandter Gezeitenstrand kann der Mussel Beach das Meerwasser viel kräftiger erwärmen. Es wird ein echter Beach-Nachmittag. Abgerundet vom abendlichen Lagerfeuer am Strand. Mit frischem, selbstgefangenen Fisch auf dem Feuer und einem guten Wein. Also, wenn das so weitergeht, kann das Ganze zur echten Traumreise avancieren!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Der Folgetag ist der dritte von fünf Fahrtagen auf unserem Trip. Nach Campbell River an der Ostküste von Vancouver Island geht es - das ist überschaubar. Also, aus­schlafen und in Ruhe früh­stücken. Noch einmal den Mussel Beach genießen. Es ist Ebbe – das Wasser ist weit weg. Unweigerlich muss ich an die Schwarzbärentouren hier an der Westküste denken. Die suchen ja genau solche Situationen. Bereits vor Jahren wurde an der Westküste Vancouver Islands beobachtet, dass Schwarzbären genau über die Gezeiten Bescheid wissen. Zur Ebbe kommen sie an den Strand, um Steine im Watt umzudrehen auf der Suche nach Muscheln und Krebsen. Und während wir noch unseren Kaffee schlürfen, taucht nun wie aus dem Lehrbuch etwa 200 Meter vor uns ein Schwarzbär aus dem Regenwald auf – und fängt an Steine umzudrehen! Bemerkenswert, wie selbst­verständ­lich und entspannt hier alle damit umgehen. Ja, da ist ein Bär. Ja und? Der muss halt auch frühstücken. Die Szene hat etwas Friedliches. Der Bär bewegt sich völlig relaxed. Er checkt, was er checken will, und irgendwann trollt er sich wieder in den Wald. So viele Bärenbegegnungen hatte ich schon auf meinen Reisen durch Kanada. Viele sehr viel intensiver. Und doch ist das hier ein wichtiges Erlebnis für mich, da es in meinen Augen die Vorhersagbarkeit der Schwarzbären zur Ebbe belegt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Bye, bye, Mussel Beach. Bin sehr zufrieden. Das war mal wieder richtiges Scouting. Und jetzt geht es zurück zur Ostküste von Vancouver Island. An Cathedral Grove rauschen wir wieder vorbei. Aus dem gleichen Grund wie auf der Hinfahrt: alles voll. Klar: Montag, letzter Tag des Long Weekends. Alle sind auf dem Heimweg und nehmen noch die Attraktionen unterwegs mit. Das ließ sich schon vorher an den malerischen kleinen Fels-Canyons des Kennedy River erahnen. Einfach viel Volk unterwegs an solchen Tagen – also für kanadische Verhältnisse. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Wir lassen es heute langsam gehen und gönnen uns den Scenic Ocean Drive. Bei Comox steuere ich eine Tankstelle an. Ein Aha-Erlebnis, denn ich komme erstmalig in den Genuss des geringen Verbrauchs des Navions. Meine Güte! Da sagt man an der Kasse, dass sie bei der Vorab-Authorisierung der Kreditkarte mal 150 Dollar eingeben sollen – so, wie man es halt von nordamerikanischen Mobilen gewohnt ist – und dann wird auf einmal nur die Häl­fte dieses Betrags benötigt. Einfach großartig. Selbst für die nur etwa 1500 Kilometer unseres Trips wird die Ersparnis beträchtlich sein – das ist jetzt schon absehbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Wir passieren Campbell River und fahren weiter zu unserem heutigen Ziel, der Painter&#039;s Lodge. Ja, heute genehmigen wir uns eine Wohnmobilpause. Nicht, weil wir sie bräuchten, sondern vielmehr, weil dies einfach besser in unsere Planung passt. Denn heute Abend wollen wir noch im Campbell River mit den Lachsen schnorcheln und dann idealerweise in der Lodge dinieren. Und morgen um sechs Uhr früh wollen Markus und ich raus zum Fischen. Als wir an der Painter&#039;s Lodge vorfahren und die imposante Lobby mit Blick auf den Pazifik betreten, da freuen wir uns richtig. Hat doch was, jetzt auch einmal in einer schönen Lodge untergebracht zu sein! Natürlich haben wir uns Oceanview-Zimmer reserviert. Alle sind begeistert. Die Kinder stürmen sofort auf den Balkon und wir hinterher. Toller Blick. Und das Zimmer ist schön groß. Zwei große Betten – perfekt für vier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Ich höre schon erste Stimmen, dass man jetzt auch gut direkt hier bleiben könnte. Die Lodge sei cool und einen Pool gebe es auch. Aber wir wollen uns ja nicht in den Pool, sondern in den Campbell River stürzen! Die Fahrt von der Lodge zu Destiny River Adventures dauert nur ein paar Minuten und direkt vis-a-vis gibt es einen kostenlosen Parkplatz für die Mobile. Man hätte sich auch von der Lodge shuttlen lassen können, aber wir finden es ganz praktisch, die Wohnmobile zum Umziehen vor Ort zu haben. Eine freundliche Mitarbeiterin nimmt uns in Empfang und wir können schon einmal den Papierkram erledigen. Entspannt, denn direkt nebenan ist eine richtig gute Kaffeebar. Und das Wetter ist mal wieder der Hammer. Fast zu warm. Ich bin froh, dass wir eine Abendtour auf dem Campbell River vor uns haben. Bis ich die augenblickliche Temperatur des Campbell River erfahre: 10 Grad! Ich blicke auf meine Kinder. Ist das Vorhaben vielleicht doch zu ambitioniert? Wie auch immer, jetzt heißt es Augen zu und durch!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Jamie Turko, der Besitzer von Destiny River Adventures, fährt mit dem Tourbus, einem bemalten Schulbus, vor und begrüßt uns herzlich. Dann gibt er uns eine kurze Einweisung ins Equipment. Mit seiner Hilfe sammeln wir alles zusammen, was wir brauchen: Neoprenanzug, Schu­he, Handschuhe und Taucherbrille mit Schnorchel – alles muss passen. Dann geht es mit dem Bus hinauf zum Campbell River. Jamie hat einen Deal mit dem örtlichen Wasserkraftwerk: Er darf zum Einsteigen in den Fluss auf ein Gelände, das sonst nicht öffentlich zugänglich ist. Man ist also ganz für sich. So, jetzt alles wieder anpellen – ich bin direkt durchgeschwitzt bei der Hitze und sehne mich nach kaltem Wasser. Doch nun gibt es erst einmal die ausführliche Einführung. Über das, was wir sehen und erleben werden. Welche Lachse sind derzeit im Fluss? Welche Gefahren können uns begegnen? Große Steine in flachem Wasser oder am Grund verhakte Äste. Jamie macht das gut. Der „River-Man“ ist hier aufgewachsen. Das Hinabtreiben im Campbell River war sein Kindheits-Thrill. Das beeindruckt mich. Das sind die Hintergrundgeschichten, die man nur vor Ort mitbekommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Alle hinein in das Schlauchboot und rauf auf den Fluss. Man sieht schon die ersten Lachse springen! Allerdings rudert Jamie nur ein kurzes Stück über den Fluss zur anderen Uferseite. Dann sollen wir wieder an Land gehen. Auf einen Felsen hinauf, direkt über einer Flussvertiefung. Und jetzt? „JUMP“, brüllt Jamie – und wir springen! Die Kinder überlegen gar nicht. Ihnen fehlt die Relation zu 10 Grad Wassertemperatur. Wir Erwachsenen brauchen ein paar Sekunden, um uns zu überzeugen. Jamies Tourstart ist eine Rosskur. Einfach rein in das klare, kalte Wasser, das zwischen Anzug und Haut gelangen muss. Die dünne Wasserschicht erwärmt sich dann aber recht schnell und macht den kalten Fluss erträglich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Schnell wieder ins Raft und auf zur ersten richtigen Schnorchelstelle. Jamie gibt letzte Anweisungen. Ich stehe im flachen Wasser. Taucherbrille auf, Schnorchel im Mund, Action-Cam in der Hand und lasse mich fallen und mitten in den Fluss hineintreiben. Ein tolles Gefühl! Kopf ins Wasser – die Schwimmwesten halten uns zuverlässig an der Oberfläche. Ein ganz kurzer Moment der Gewöhnung. Und dann – WOW! Lachse! Hunderte. Quatsch, tausende. Ach, viel mehr! Es sind Pink Salmon, also die kleineren. Super, denn dadurch sind die Schwär­me größer. Ab und zu schießt mal ein großer silberner Torpedo dadurch – das ist dann ein Spring Salmon, ein großer Königslachs. Unglaublich beeindruckend! Erst der Thrill, die Tiere überhaupt zu sehen. Dann die Faszination der Menge an Lachsen, die zum Greifen nah unter und um einen herumschwimmt. Und dann die Bewunderung für die Schwarmformationen, die sich ganz fließend dadurch ergeben, dass man auf die Lachse zutreibt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Noch einmal, ja sicher! Am Ufer startet ein kleiner Trail, der uns zur Startstelle zurückführt – und wieder hinein in die Lachse! Man sieht auch Flusskrebse, die sich zahlreich über verendete Lachse am Flussgrund hermachen. Oder andere Fischarten wie Forellen und kleine Knurrhähne. Und draußen in den Bäumen sitzen Adler, Reiher und Gänsegeier! Selbst einen frischen Bärenhaufen finden wir mitten auf dem Uferweg. Und es gibt noch mehr tolle Schnorchelstellen, die wir mit dem Schlauchboot erreichen. „Letzte Möglichkeit, zurück ins Boot zu kommen, vor den Stromschnellen“, ruft Jamie irgenwann. Auf gar keinen Fall! Wir wollen durch die Stromschnellen schwimmen! Nicht alle – den Kindern ist nun doch etwas kalt. Aber Jamie kümmert sich: Er verteilt Decken und Mützen und pflückt am Ufer Brombeeren. Neue Energie. Herrlich die Stromschnellen. Aber aufpassen: Im flachen, schnellen Wasser ist schon mal ein Stein im Weg. Aber alles geht gut und wir haben einen Mordsspaß. &lt;br /&gt;
Der Fluss wird nun tiefer und man sieht kaum noch Lachse. Aber dafür Seehunde! Sie schwimmen um uns herum, sind neugierig. Tauchen teilweise wenige Meter vor uns auf und schauen uns an. Schade, dass wir schon fast am Ende der Tour sind. Die letzten Meter werden gepaddelt und die Seehunde begleiten uns. An einer Bootsrampe nahe der Mündung in den Pazifik landen wir an. Der Tourbus mit unseren Sachen wartet schon. Ausziehen, abtrocknen und hinein in die anderen Klamotten. Auf der kurzen Busfahrt zurück herrscht ein ordentlicher Ge­räusch­pegel. „Alter, hast Du das gesehen?“ ist einer der häufigsten Sätze, die ich von den inzwischen wieder aufgewärmten Kindern höre. Je­der hat mehr Lachse und größere Krebse gesehen und natürlich auch heftigere Stromschnellen erlebt. Genau, wie es sein soll. Was für ein Trip! Meine Erwartungen sind übertroffen.&lt;br /&gt;
Zurück an der Painter&#039;s Lodge. Mann, wie gut mir das Bier heute im gemütlichen Pub der Lodge schmeckt! Also, nicht wirklich im Pub, denn da dürfen die Kinder abends nicht mehr rein. Aber wir können die ebenso gemütliche Lounge nutzen und alles von der Pub-Karte bestellen. Die Vorhut bestellt Wings und Burger – der Rest ist noch schnell in den Zimmern heiß duschen. Ach, ist schon gut, dass wir heute hier untergekommen sind. Ein toller Abend mit Blick auf den Pazifik. Und es gibt immer noch so viel zu erzählen. Zwischendurch gesellen sich andere Lodge-Gäste zu uns und erkundigen sich interessiert nach unserem Abenteuer. Einige überzeugen wir – andere halten uns für verrückt, als sie von der Wassertemperatur des Campbell River hören. Den Kindern ist wieder warm und als ich meine Tochter Anna, die jüngste von allen, an diesem Abend nach der Punktezahl für das Erlebnis frage – wir haben da dieses familieninterne Punktesystem von 0 = „geht gar nicht“ bis 10 = „sensationell“ – strahlt sie mich an und sagt: „Zehn!”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Der frühe Vogel fängt den Fisch! Auf leisen Sohlen schleichen Markus und ich um 5.30 Uhr aus unseren Zimmern – die Familien schlafen noch tief und fest. Schnell die paar Schritte hinunter zum Dock. Am Adventure Center der Painter&#039;s Lodge herrscht schon ein geschäftiges Treiben. Wir sind nicht die Einzigen, die heute Morgen zum Angeln rauswollen. So einige Angler tummeln sich hier schon und werden nach und nach von den Dock-Managern ihren Fishing Guides zugewiesen. Und alle haben sie das Regenzeug der Lodge an. War es ein Fehler, das abzulehnen? OK, jetzt bloß nicht das Gesicht verlieren. „No, no, thanks – we don&#039;t need this!“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Greg ist unser Guide. Ein Senior – sieht gemütlich aus. Die haben ja häufig die größte Erfahrung mit den Fischgründen. Schnell in das kleine Boot und los geht&#039;s! Das Wetter sieht wirklich nach Regen aus. Und trotzdem ist es eine tolle Fahrt. Einfach grandios diese Landschaft. Und hier in den geschützten Gewässern zwischen Vancouver Island und dem Festland kann man mit den kleineren Whaler-Booten losfahren. Das macht einen solchen Trip vergleichsweise günstig. Eine wertvolle Erkenntnis. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Wir fahren gut 20 Minuten, dann macht Greg zwei Angeln startklar. „We&#039;re fishing!” Die Angelleinen sind im Wasser und wir genießen die traumhafte Szenerie hier in der Einsamkeit vor Quadra Island. Das Wasser hat eine grünliche Färbung und sieht einfach nur toll aus. Plötzlich zuckt es an Markus’ Leine. Er holt die Angel ein und fängt einen stattlichen Lachs. Doch es ist ein Königslachs und dafür ist er dann doch wieder zu klein. Dieser Lachs darf weiterleben. Nur wenige Minuten später dann aber der Ruck an meiner Angel. Auch ein Lachs. Auch zu klein? Nein, denn nun ist es ein Pink Salmon und für diese Art ein recht großes Exemplar. Ein Keeper. Unser Dinner ist gerettet! Markus macht den Sack zu, denn plötzlich zappelt noch ein Königslachs an seiner Leine. Diesmal ein großer. Super! Zurück am Dock nimmt Greg die Fische für uns aus. Schnell verstauen wir die Fische in unseren Wohnmobil-Gefrierfächern und gehen ins Lodge-Restaurant, wo wir unsere Familien bei bester Laune antreffen. Das Ausschlafen und das Panorama-Frühstück waren der Stimmung sichtlich zuträglich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Allemann in die Navions und weiter geht&#039;s. Nach Norden. Das Wetter wird besser. Und es wird immer menschenleerer. Es ist ja fast ein Witz, dass diese einsame Landstraße noch Highway genannt wird und tatsächlich die einzige Verbindungsstraße weit und breit ist! Herrlich, ich genieße die Fahrt – zunächst. Dann merke ich, dass ich nicht nicht mehr wirklich auf die Naturschönheiten konzentrieren kann und beginne, alles wie durch einen Tunnel zu sehen. Ganz plötzlich bin ich hundemüde! Das frühe Aufstehen, die frische Luft... Über Funk gebe ich Markus durch, dass ich an der nächsten Rest Area anhalte. „Danke“, höre ich nur aus dem Lautsprecher. Ihm geht es genauso. Und die Frauen wollen beide nicht fahren. Zwangspause. Eine halbe Stunde „Power-Napping“, dann geht es weiter gen Norden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Unser heutiges Ziel ist das Cluxewe Resort. Bin sehr gespannt, denn es ist ein Projekt der First Nations, das sich wirklich erfolgversprechend anhört. Ein Campground und Cabins am Pazifikufer – und alles soll sehr schön sein. So etwas bräuchten wir auf der Nordinsel! Wir passieren Port McNeill und erreichen die Schotter-Zufahrt zum Resort. Es geht ein Stück durch den Wald und dann tut sich eine große Lichtung direkt zum Pazifikufer auf. Wow, gar nicht mal so klein! Und traumschön direkt am Pazifik! Am kleinen Reception-Office halten wir und treffen auf Scott Mercs, den Resort Manager. Mit ihm habe ich so viel gemailt und telefoniert, dass er mir fast wie ein alter Freund vorkommt. Scott hat schon auf uns gewartet und freut sich sichtlich. Supertyp, denke ich – so einen braucht man für so ein Projekt! „Nein, nein”, sagt Scott, „hier am Hauptplatz bleibt ihr nicht. Fahrt mal hinten über die Landzunge weiter und versorgt Euch vorher da drüben mit ausreichend Feuerholz!” &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Gesagt, getan. Und dann erschlägt mich die Schönheit dieses Campgrounds. Das gibt es doch gar nicht! Stellplätze mitten am Pazifik – und das Ganze in einer Art Strandbucht mit Traumblick über die Strait zu einer vorgelagerten Insel. Millionen große Muscheln über den ganzen Strand verteilt. In den Baumwipfeln sehe ich auf Anhieb vier Weißkopf­seead­ler. Mann, das ist ein Traum hier! Besonders, wenn man einen der Waterfront-Plätze erwischt. Die gegenüberliegenden Sites haben teilweise keinen Strom. Wär mir egal, aber die Plätze am Wasser sind schon fantastisch. Ich habe Glück und erwische so einen Stellplatz. Die Kinder sind eh schon am Strand verschwunden. Es wird ein traumhafter Abend am Pazifikstrand des Cluxewe Resort. An dem Blick von unserem Stellplatz aus können wir uns nicht sattsehen. Und mit dem zwischenzeitlich angezündeten Lagerfeuer wird es nur noch schöner. Schnell den Lachs filetiert und drauf damit aufs Feuer. Viel besser geht es nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Fast genauso schön wird das ausgedehnte Strand-Frühstück am nächsten Morgen. Die Adler haben uns genau im Blick. Vielleicht bleibt nachher ja doch irgendetwas Schmackhaftes liegen. Auf zum nächsten Abenteuer. Im etwa 30 Kilometer entfernten Telegraph Cove. Wir sind Scotts Ratschlag gefolgt und haben uns ein Taxi bestellt. Klappt perfekt. Die Taxifahrt dauert gerade einmal 20 Mi­nuten. Ich freue mich, endlich mal wieder das bunte Stegdörfchen besuchen zu können. Und irgendwie hat sich kaum etwas verändert in Telegraph Cove. Das gefällt mir. Wir schlendern über den Boardwalk. Und prompt läuft mir Howard Pattinson über den Weg. Howard ist der Besitzer von Tide Rip Tours, unserem hiesigen Partner für Grizzlybeobachtungen. Die Saison läuft super, erzählt er mir. Bis in den September hinein ist er aus-&lt;br /&gt;
gebucht. „Aber alle SK-Kunden haben ihren Platz auf dem Boot sicher“, beeilt er sich zu sagen, vielleicht nachdem er meine hochgezogene Augenbraue bemerkt hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Weiter auf dem Boardwalk bis zum skandinavisch-roten Holzhaus, in dem das Office von Stubbs Island Whalewatching untergebracht ist. Während ich uns am Counter eigentlich nur schnell anmelden will, entdeckt der Rest das Lädchen von Stubbs. Na su­per, da kann ja endlich mal wieder was gekauft werden. Dringendst werden nun Wale als Stofftier benötigt. Und T-Shirts braucht man ja sowieso. Auch an Mitbringsel für Freundinnen muss gedacht werden. Selbst für den Hund daheim wird ein Spielzeugwal mitgenommen. Ein Wunder, dass uns bis zum Start der Whalewatching-Tour noch genug Zeit für ein frühes Dinner im Killerwhale Cafe bleibt. Die Fischsuppe (Seafood Chowder) ist immer noch eine der besten auf der Insel! Wir sitzen draußen im Schatten eines Sonnenschirms und blicken auf die kleine Marina. Immer wieder kommen Fischerbötchen herein. Fische werden auf die Stege gewuchtet und an Filetier­tischen ausgenommen. Otter und Möwen haben das schon lange mitbekommen und schielen auf ihren Anteil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Die M.V. Lukwa von Stubbs Island Whalewatching ist startklar. Captain Roger McDonald begrüßt alle Gäste persönlich an der Gangway der großen Yacht. Es ist kurz vor sechs am Abend, als wir die geschützte Bucht von Telegraph Cove verlassen und ich glaube, man kann sich keine bessere Zeit und vor allem kein schöneres Wetter für so einen Trip vorstellen. Und kaum hat die Yacht Fahrt aufgenommen, muss die Geschwindigkeit auch schon wieder gedrosselt werden. Buckelwale! An unterschiedlichen Stellen ist immer mal wieder der kräftige Blas der großen Wale zu sehen. Toll. Wenig später gesellen sich Delfine hinzu. Und das alles vor der wunderschönen Kulisse der Johnstone Strait, diesem Geflecht aus kleinen, unbewohnten Inseln. Für einen Tag wie heute wären Orcas natürlich die Krönung! Das beschließt auch Captain Roger. Der ehemalige Bürgermeister von Campbell River nimmt Fahrt auf in Richtung Süden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Orcas! Wir haben Glück. Immer wieder ergreifend das Schauspiel der auf- und abtauchenden Schwerter. Und die Landschaft liefert den Hintergrund und gleichzeitig einen zuverlässigen Größen- und Entfernungsbezug. Denn hier in der Johnstone Strait ist man ja immer irgendwie in Ufernähe. Das Auge kann jederzeit alles in bekannte Relationen setzen. Und so erstaunt mich einmal mehr, wie nah am Ufer die Orcas teilweise ihre Bahnen ziehen, als ich fasziniert dem großen Bullen &quot;Surf&quot; hinterherblicke. Auch die Rückfahrt nach Telegraph Cove in den Sonnenuntergang hinein ist spektakulär. Zurück am Campground fallen die Kinder in die Wohnmobilbetten. Schon wieder eine ganze Menge Erlebnis und viel Sauerstoff für einen einzigen Tag! Auch für mich wird der Gedanke an meinen Alkoven immer attraktiver. Aber ein bisschen harren wir noch aus hier draußen. Es ist einfach zu schön am knisternden Feuer vor dem Muschelstrand und den seicht hereinrollenden Pazifikwellen. Unser Freund Mike Willie kommt noch vorbei. Der Inhaber von Seawolf Adventures lebt ja hier. Mit ihm werden wir morgen unterwegs sein. Und Mike will früh los. Ok, kein Problem für uns. Dann aber jetzt gute Nacht!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Etwas ist anders am nächsten Morgen. Als ich aufstehe und meinen Blick über den Strand schweifen lasse, werde ich fast ein bisschen missmutig. Verwöhnt waren wir in den letzten Tagen von dem sensationellen Wetter. Und wenn es dann schlagartig kühl, neblig und regnerisch ist, dann holt einen das von einem sehr hohen Niveau herunter. Nee, irgendwie läuft es heute nicht rund. Wir sind sowieso schon viel zu spät und das Packen dauert und dauert. Verschiedene Sachen werden nicht gefunden, die Kinder sind launisch und irgendwie ist alles sehr langsam und konfliktträchtig heute. Auch in einem Traumurlaub gibt es solche Situationen. Aber wir kämpfen uns dadurch und staunen schließlich, was so alles vor dem Wohnmobil zum Mitnehmen aufgetürmt wird. Aber gut, es ist ja nicht nur für die Tagestour mit Mike. Danach soll es ja direkt für fünf Tage ins Orca Camp gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Mit Sack und Pack treffen wir am Dock von Port McNeill ein. Am anderen Ende des Docks sehe ich schon Mike, wie er Kisten über die Planken wuchtet. Aha, er hat also auch noch einiges dabei. Ich blicke auf unsere Gruppe und auf das ganze Gepäck. &quot;Wir passen nie alle auf das Boot mit unseren ganzen Sachen&quot;, höre ich meine Frau prompt sagen. &quot;Ach, das passt schon&quot;, versuche ich überzeugt zu klingen. Aber dann bin ich wirklich positiv überrascht. Mikes Boot ist ein Traum in strahlend gelb mit stabilem Aluminium-Untergrund. Super zum Anlanden an allen möglichen Ufersituationen. Zwei große Markenmotoren im Heck - ein richtiges gutes Schiff. So ähnlich wie das, mit dem wir in Tofino mit Remote Passages rausgefahren sind. Unser ganzes Gepäck findet im Bug Platz und jeder findet einen Sitzplatz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Während wir aus dem Hafen tuckern, stelle ich mich neben Mike und bespreche die Wettersituation mit ihm. Der Wind ist noch nicht so stark, aber der leichte Regen hat die Wolken richtig runtergedrückt. Die Sicht ist bescheiden. Mike meint, wir sollten lieber noch etwas warten, bevor wir entscheiden, ob wir die große Überfahrt ans Festland zu den Grizzlies wagen. Ob uns Alert Bay interessieren würde. Klar! Ich war noch nie in der kleinen Inselsiedlung der First Nations und wollte sie schon immer mal sehen. Mike nickt zufrieden und gibt Gas. Die etwa zwanzigminüte Bootsfahrt ist zum ersten Mal für uns völlig unspektakulär. Alles grau in grau. Dann gleiten wir in die geschützte Hafenbucht von Alert Bay. Mike steuert ein altes Dock an. Das soll Alert Bay sein? Nein, nur der Reservat-Teil, erklärt Mike. Drüben - er deutet nach rechts - ist der allgemeine Teil von Alert Bay. Da gehen dann auch Kreuzfahrtschiffe vor Anker. Aber hier am Reservats-Dock sind wir ganz allein - authentisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Am Ufer wandern wir ein Stück bergauf. Für ein First Nations Reservat eigentlich recht aufgeräumt. Mike will mit uns zum U&#039;mista Cultural Center. Finde ich gut. Habe schon viel von der Galerie gehört. Ich trete ein und bin überrascht. Auf dem kurzen Weg hierher haben wir keine Menschenseele gesehen, aber hier ist richtig was los. Angestellte und Besucher wuseln durch den Eingangsraum, in dem es natürlich auch Souvenirs zu erstehen gibt. Aber alles sehr ansprechend. Wenig Kitsch. Mike macht mich darauf aufmerksam, dass ich weder fotografieren noch filmen darf. Wenn ich allerdings das Fotomaterial dazu benutzen würde, um diesen Ort bekannter zu machen und es im Zweifelsfall auch abtreten würde, könne man sich eine Ausnahmegenehmigung erteilen lassen. Gesagt, getan. Völlig problemlos - vielleicht, weil Mike dabei ist. Den kennen sie hier alle und er wird von allen mit sehr viel Respekt behandelt. Er selbst will uns durch die Galerie führen. Super! Auch für die Kinder viel attraktiver, schließlich kennen sie Mike ja nun schon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Und die Führung mit Mike wird ein Hit. Auf sehr eindrucksvolle und vor allem verständliche Weise vermittelt er Kultur und Denke der First Nations der Westküste. Bei allem heute noch gelebten Ge­mein­sinn der First Nations, erklärt Mike, gab und gibt es unter den einzelnen Stämmen eine Art Rangfolge, proportional zu Ansehen und Einfluss. Die Kinder hängen an Mikes Lippen bzw. an meinen, da ich das Meiste übersetzen muss. Auch ich könnte Mike stundenlang zuhören, wenn er zum Beispiel über die Wichtigkeit der Potlatches erzählt, die rituellen Feste, die so entscheidend für Ansehen und Stammesstatus waren. Besonders beeindruckt sind wir von dem angegliederten Longhouse mit den vielen großen und kunstvollen Ritual­masken. Zu jeder einzelnen kann Mike eine Geschichte erzählen. Und dann singt er! Ja, Mike ist ein bekannter First-Nations-Sänger auf Vancouver Island. Mitten in der Halle liegt ein massiver Zedernstamm - die Trommel. Die Holzklöppel stehen daneben. Das ist was für die Kinder - Mike macht&#039;s vor und alle machen mit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Immer noch beeindruckt von dieser Erfahrung wandern wir wieder hinunter zum Dock. Das Wetter - wie könnte es anders sein - ist schlagartig wieder schön. Noch ein paar Wolken, aber ansonsten schon viel blauer Himmel und Sonne. Auch der alte Steg ist nun belebter. Einige indianische Fischerboote haben angelegt, Kisten werden über den Steg getragen und Mike wird direkt angesprochen. Man kennt sich, ist vielleicht sogar über ein paar Ecken verwandt. Vier große Sockeye-Lachse werden ganz beiläufig zu uns an Bord gereicht. &quot;Frisch gefangen&quot;, raunt Mike mir zu. Aber was Mike von seinen Freunden über das Wetter gehört hat, hört sich nicht so gut an. Der Wetter-Funkkanal bestätigt es uns noch einmal: In der großen Strait sieht es gar nicht so schlecht aus. Nichts, was Mike seinem Boot nicht zutrauen würde. Also, die Überfahrt zum Festland zu den Grizzlies wäre grundsätzlich kein Problem und Mike möchte am liebsten direkt los. Aber die Vorhersage für die Charlotte Strait sieht ganz anders aus. Hier soll es später mächtig Wind geben, was das sichere Anlanden am Strand des Orca Camps verhindern könnte. Das gibt den Ausschlag, denn da müssen wir ja heute Nachmittag hin. Und schließlich ha­ben wir auch die Kinder dabei. Also, keine Überfahrt zum Festland - keine Grizzlies. Das erste geplante Abenteuer auf unserer Tour, das nicht vollständig klappt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&quot;Aber wenigstens ein ordentliches Lachs-BBQ machen wir vorher noch, oder?&quot; Klar, Mike. Auf jeden Fall! Mike schmeißt den Motor an und gibt Gas. Hmm - wo ist denn der Wind? Naja, die werden alle schon wissen, wovon sie reden. Die Fahrt ist wieder ein Traum. Delfine, Buckelwale und die kleine Insel, die Mike ansteuert. An Land sind die Kinder direkt weg und erkunden. Alles sicher hier, da es nur eine kleine Insel ist. Pumas oder Bären gibt es hier nicht. Ich mache ein Feuer, während Mike sein Lachs-BBQ vorbereitet. Sehr interessant und doch so einfach. Mike nimmt einen angespaltenen Stiel - wie von einem Besen - und klemmt kleine Zedernholzstäbe hinein. Zwischen die wird dann der Lachs gespannt. Pfiffig. Zum Schluss reibt Mike den Stiel noch mit Lachsblut ein. Dies verhindere das Anbrennen des Stiels. Minuten später duftet es schon herrlich! Und wenig später bittet Mike zu Tisch. Auf Treibholz am Strand. Mitten in der Wildnis. Und so lecker! Ich blicke auf das Bild vor mir. Das Feuer, zufriedene Esser, der Sandstrand, die Bucht mit Mikes Boot, dahinter der Pazifik und die nächste Insel. Wow.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Auf zum nächsten Abenteuer. Die See ist nun tatsächlich ruppig, aber Mike bringt uns sicher zum Orca Camp an der Robson Bight. Er selbst kann nicht mit an Land kommen. Wind und Wellen zwingen ihn zur direkten Umkehr. Puh - gut, dass wir nicht doch erst die Überfahrt zum Festland gemacht haben. Der Wind wird immer stärker. Wir rufen Mike noch unseren Dank hinterher und winken zum Abschied. Jetzt sind wir im Orca Camp! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Mein Kumpel Andy ist schon da. Er betreibt das Orca Camp und hat seine beiden Töchter mitgebracht, die Zwillingsschwestern Sarah und Tiffany. Und seinen Freund Franz mit dessen Tochter. Franz kommt jedes Jahr aus Bayern, um das Orca Camp mit aufzubauen und für die neue Saison fit zu machen. Tja, und dann ist unser alter Freund Bruce Maclean mit dabei - zusammen mit seiner Frau Nancy. Mit dem Besitzer des legendären Pubs &quot;Sasquatch Inn&quot; verbindet mich eine inzwischen fast dreißgjährige Freundschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Gesellschaft macht das Orca Camp zum Highlight unseres Trips. Aber ebenso der Ort selbst. Noch bevor ich meinen Rucksack ins Zelt geschmissen habe, zieht schon eine ganze Schule Orcas am Strand vorbei. Zum Greifen nah. Abenteuer nonstop. Für vier Nächte haben wir den Komfort des Wohnmobils gegen das Zelt im Regenwald getauscht und werden es keine Sekunde bereuen. Nebelschwaden am Morgen über dem Pazifik, durch die dann irgendwann schnaufend die Orcas pflügen, während man selbst staunend am Ufer steht - mit einem heißen Kaffee in der Hand. Kajak-Exkursionen in unberührte Küstenwildnis, Lunchpausen an einsamen Inselstränden, unzählige Tierbeobachtungen. Und als Krönung Begegnungen mit den Orcas auf Augenhöhe. Ein unglaubliches Gefühl, wenn die wunderschönen schwarz-weißen Körper unter dem eigenen Kajak dahingleiten. Abends dann das Lagerfeuer und der Blick auf die gegenüberliegende Insel mit ihren bewaldeten Bergen im Abendrot. Dazwischen die auf- und abtauchenden Schwerter der Orcas, die sich von uns in die Nacht verabschieden. Eigentlich alles kaum zu glauben. Einiges von der Großartigkeit dieses Erlebnisses wird einem wohl erst klar, wenn man mit etwas Abstand an das Erlebte zurückdenkt. Denn erlebt haben wir hier viel. Zu viel für zwei, drei Absätze. Und mehr als genug für eine eigene Geschichte. Und doch kommt unser letzter Vormittag im Camp schneller als gedacht. Das Wassertaxi legt am Strand an und wir laden unser Gepäck auf. Gerade sind wir mit dem Boot losgefahren und haben uns schon damit abgefunden, unsere scharz-weißen Freunde nicht mehr zu sehen, da tauchen sie noch einmal auf - unsere Orcas! Sie schwimmen direkt am Boot vorbei. Wie zum Abschied. Wie einzigartig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Zurück am Strand des Cluxewe Resort lassen wir den Tag im Restaurant des Resorts in großer Runde ausklingen. Mike und Scott sind auch noch vorbeigekommen. Von ihnen kam der Tipp, dass hier in dieser kleinen Hütte das vielleicht beste Restaurant der Nordinsel zu finden sei. Kann ich nur bestätigen. Tolles Essen, ein begabter Koch mit Entertainer-Qualitäten und ein Super-Service. Klein und fein. Und klar, feuchtfröhlich wird&#039;s auch. Zwar darf das Restaurant (noch) keinen Alkohol ausschenken, aber man darf sein eigenes Bier und seinen eigenen Wein mitbringen. So langsam beginnen wir Abschied zu nehmen. Vom Orca Camp, vom Cluxewe Resort und vom nördlichen Vancouver Island.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Frühmorgens treten wir den Heimweg an. Von Nanaimo geht es mit BC Ferries nach Horseshoe Bay. Idealer wäre die Passage vom Duke Point Ferry Terminal bei Nanaimo hinüber nach Tsawwassen (südlich von Vancouver) gewesen, um den hauptsächlichen Stadtverkehr auf der Weiterfahrt ins Fraser Valley zu umgehen. Aber diese Fähre haben wir verpasst. &quot;It is what it is&quot;, würde Andy sagen. Direkt nach dem Anlegen düsen wir über den Trans-Canada-Highway an Vancouver vorbei. Unser letztes Ziel wäre eigentlich der Fort Langley Campground gewesen. Aber Traveland-Monika und ihr Mann Harie haben uns zu sich nach Hause zum &quot;Brazilian BBQ&quot; eingeladen. Das kennen wir schon von früheren Reisen und können nicht widerstehen! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Am letzten Morgen geben wir unsere treuen Navions schweren Herzens bei Traveland zurück und lassen uns zum Vancouver Airport bringen. Unser Gepäck lassen wir hier einschließen. Mit dem Skytrain fahren wir kostenlos die zwei Stationen bis zum neuen McArthur-Glenn-Outlet-Center. Markus und ich hatten das unseren Frauen und Töchtern versprochen. Das Outlet Center ist wirklich schön angelegt. Soweit ich als Mann das beurteilen kann, findet man hier alles, was man so an Marken benötigen könnte. Vor allem aber auch einen empfehlenswerten Coffee Place im Zentrum der Anlage. Alle Jäger sind am Ende mit ihren Schnäppchen zufrieden und endlich kann ich mich erschöpft in meinen Flugzeugsitz fallen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Wir sind am Ende eines großartigen Trips angelangt. Vieles wird uns in seiner Einmaligkeit wohl erst im Laufe der Zeit bewusst werden. Mir selbst bewiesen habe ich mir aber bereits jetzt, dass es Vancouver Island mehr als wert ist, alleiniges Ziel einer Kanadareise zu sein. Und dass zwei intensive Wochen einer längeren Reise in nichts nachstehen müssen. Ich bin sicher, dass wir alle in ein paar Jahren nicht mehr genau wissen, ob wir 20, 16 oder 12 Tage unterwegs waren. Vergessen werden wir aber nicht, dass wir mit Lachsen geschnorchelt und mit Orcas gepaddelt sind. Das bleibt - für immer. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;</description>
                <guid isPermaLink="true">https://www.kanadafieber.de/Nordamerika-Reiseberichte/Wildes-Vancouver-Island.html</guid>
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                <title>SHE CANada HE CANada 0,00 €</title>
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                <pubDate>Mon, 12 Feb 2018 13:49:25 +0100</pubDate>
                <description>&lt;img src=&#039;https://www.kanadafieber.de/out/pictures/generated/product/1/700_490_75/shehecanada(1).jpg&#039; border=0 align=&#039;left&#039; hspace=5&gt;&lt;p&gt;&lt;strong&gt;SHE CAN&lt;/strong&gt;&lt;em&gt;ada&lt;/em&gt;, &lt;strong&gt;HE CAN&lt;/strong&gt;&lt;em&gt;ada&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Text: Rainer Schoof&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;SHE CAN&lt;/strong&gt;&lt;em&gt;ada:&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Der erste Supermarkteinkauf für den Wohnmobilurlaub. &quot;Meine Güte, ist das eine riesige Auswahl&quot;, ist sie erst einmal erschlagen. &quot;Da weiß man ja gar nicht, wo man anfangen soll. Ich muss einen Plan machen&quot;, denkt sie. Sie blickt ihn an, glaubt prompt in seinem Gesicht Verzweiflung zu erkennen und hört ihn ein verdattertes &quot;Ok...&quot; hervorpressen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Sie teilen sich auf, um Zeit zu sparen. Sie will die wichtigen Dinge des alltäglichen Lebens besorgen. Er soll sich um den Rest kümmern. Ihr ist klar, dass damit auch das tägliche Essen in ihre Verantwortung fällt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Schnell fällt ihr die thematische Anordnung, die logische Bestückung und die genaue Beschriftung der Regale auf. Das macht ihr das systematische Vorgehen leicht. Jeder Gang baut auf dem vorherigen auf. Schnell sind die wichtigsten Dinge gefunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;In ihrem Einkaufswagen landen Brot, Butter, Milch, Müsli, Marmelade, Honig, Aufschnitt, Kaffee, Kaffeefilter, Nudeln, Kartoffeln, Pfeffer, Salz, Mineralwasser, Müllbeutel, Frischhaltefolie, Spülmittel sowie sicherheitshalber ein paar Ersatz-Spüllappen und Trockentücher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Vor der Kasse trifft sie ihn wieder und ist beeindruckt, dass sie nichts doppelt gekauft haben. &quot;Teamwork&quot;, denkt sie, &quot;aber schon gut, dass ich mich um das Wichtige gekümmert habe. Das wär sonst schiefgegangen.&quot; Ihr Blick schweift noch einmal über seinen Wagen. &quot;Wofür einen Extra-Topf, wenn die Wohnmobilschränke voll mit Töpfen sind?&quot;, schüttelt sie innerlich den Kopf. &quot;Egal. Ist Urlaub&quot;, denkt sie, sieht ihn zufrieden lächeln und fühlt sich bestätigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;strong&gt;HE CAN&lt;/strong&gt;&lt;em&gt;ada:&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Der erste Supermarkteinkauf für den Wohnmobilurlaub. &quot;Wow, hier gibt es ja alles&quot;, ist sein Jagdtrieb sofort geweckt. &quot;Da werden wir schon finden, was wir brauchen&quot;, freut er sich in Gedanken. Die erste mögliche Beute ist schon entdeckt. Er lächelt verzückt, als sein Blick die Fleischtheke ins Visier nimmt. &quot;OK&quot;, sagt er frohlockend. Und denkt: &quot;Attacke!&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Sie teilen sich auf, um Zeit zu sparen. Er soll sich um das Wichtige zum Leben kümmern. Sie will irgendetwas Anderes besorgen. Ihm war von vornherein klar, dass das tägliche Essen in seine Verantwortung fällt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Instinktiv realisiert er, dass kein System hinter der Warenanordnung in diesem Supermarkt steckt. Das erschwert die Suche. Viele Gänge müssen mehrfach beschritten werden. Er fokussiert seinen Blick und konzentriert sich auf das Wesentliche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;In seinem Einkaufswagen landen drei Kilo Rinderhack, zwei T-Bone-Steaks, ein frisch gegrilltes Brathähnchen, ein Bündel Feuerholz, Arbeitshandschuhe, Feuerzeug, Anzünder, Grillzange, Grillrost, ein großer Stahltopf für das Lagerfeuer und sicherheits­halber noch zwei T-Bone-Steaks.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Vor der Kasse trifft er sie wieder und ist beeindruckt, wie viel sie dann doch noch gekauft hat. &quot;Teamwork&quot;, denkt er, &quot;aber schon gut, dass ich mich um das Wichtige gekümmert habe. Das wär sonst schiefgegangen.&quot; Sein Blick schweift noch eimal über ihren Wagen. &quot;Wofür Lappen und Trockenücher, wenn die Wohnmobilschränke voll damit sind?&quot;, schüttelt er innerlich den Kopf. &quot;Egal. Ist Urlaub&quot;, denkt er, sieht sie zufrieden lächeln und fühlt sich bestätigt. &lt;/p&gt;</description>
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                <title>Schöffel in den Rockies 0,00 €</title>
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                <pubDate>Wed, 09 Oct 2019 10:58:16 +0200</pubDate>
                <description>&lt;img src=&#039;https://www.kanadafieber.de/out/pictures/generated/product/1/700_490_75/bergamo_7900_herren_0040.jpg&#039; border=0 align=&#039;left&#039; hspace=5&gt;&lt;em&gt;Es ist Mitte März 2016 und mir kommt es so vor, als wären wir gerade erst von unserem letzten Schöffel-Trip Ende September zurückgekehrt. Und doch fühlt es sich neu und anders an. Kein Wunder - uns erwartet ja auch etwas völlig anderes. Etwas Großartiges: Die kanadischen Rocky Mountains im Spätwinter. Und meine Lieblingsskigebiete Lake Louise und Sunshine Village!&lt;br /&gt;
Text:&lt;/em&gt; &lt;strong&gt;Rainer Schoof&lt;/strong&gt;   &lt;em&gt;Fotos:&lt;/em&gt; &lt;strong&gt;Michael Müller (KME/Schöffel) &lt;/strong&gt;&lt;em&gt;und&lt;/em&gt; &lt;strong&gt;Rainer Schoof&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
Der Nonstop-Flug 845 der Air Canada nach Calgary ist pünktlich, ruhig und angenehm. Was will man mehr? Das Beste ist jedoch die frühe Ankunftszeit in der Präriestadt, von der man die Rocky Mountains schon sehen kann. Landung um kurz nach eins mittags und um zwei stehe ich schon am Mietwagen-Schalter. Zeitdruck habe ich auch, klar. Aber irgendwie zieht es mich auch einfach nur in die Berge und ich bin froh, dass mir die frühe Ankunft eine erste Hotelnacht in der Stadt erspart. Im Gegenteil - bis nach Lake Louise will ich noch kommen. Sollte kein Problem sein, denn das Tageslicht wird mir für die gesamte Fahrt erhalten bleiben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;So, jetzt steht es also unmittelbar bevor - das zweite Schöffel-Shooting in Kanada. Es ist Mitte März 2016 und mir kommt es so vor, als wären wir gerade erst von unserem letzten Schöffel-Trip Ende September zurückgekehrt. Und doch fühlt es sich wieder komplett neu und anders an. Kein Wunder - uns erwartet ja auch etwas völlig anderes. Zwar machen wir geografisch da weiter, wo wir im Herbst aufgehört haben - in den Rockies rund um Lake Louise und Banff - aber jetzt reden wir natürlich vom Winter. Genauer: von den kanadischen Rocky Mountains im Winter! Meine Ski habe ich dabei - es kann losgehen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Natürlich ist auch mein Freund Andy Schwaiger wieder mit von der Partie. Seinen Kleinbus, der uns im Sommer bei unseren Kleingruppenreisen so treue Dienste leistete, hat er schon am Airport vorgefahren und gut gelaunt empfängt er mich am Passagierausgang. Zusammen mit Ole Helmhausen, unserem Reisejournalisten. Der ist natürlich auch wieder dabei. Kurz nach mir kommt auch die Schöffel-Crew mit ihren Unmengen an Gepäck aus dem Zollbereich heraus. Großes Hallo, dann alle in den Bus. Nur Ole und ich steigen in den ausgeliehenen SUV. Und los geht es in Richtung Rockies. Am Anfang die übliche Orientierungsphase im Mietwagen. &quot;Wo geht denn hier das Radio an und wie stellt man die Temperatur ein?&quot; Am Airport hat&#039;s gerade gereicht, um schnell das iPad-Mini mit Halterung an die Windschutzscheibe zu klatschen und die Tomtom-Navigations-App ans Laufen zu bringen. Doch die lotst uns dann zuverlässig durch das anfängliche Gewirr von Highway-Auf- und Abfahrten, bis wir auf dem Transcanada Highway in Richtung Westen unterwegs sind - und erst einmal aufatmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Und dann - aahhh! Die Rockies! Immer wieder einmalig, wie sie sich genauso plötzlich wie majestätisch aus der Weite der Prärie erheben. Wie eine gigantische Wand, die klar zum Ausdruck bringt: Hier ist Schluss mit Flachland! Kurze Zeit später ist man dann schon mittendrin in diesem beeindruckenden Gebirge. Vorbei an Canmore - Mann, das ist schon wieder gewachsen, neue Hotels sieht man schon von der Straße aus - geht es hinein in den Banff Nationalpark. Ein kurzer Stopp in Banff am Büro von Banff-Lake-Louise Tourism (BLLT). Hierhin hat Schöffel die Bekleidung vorausgeschickt, die in den nächsten Tagen abgelichtet werden soll. Ryan Elliot, unser Mann vor Ort von BLLT, erwartet uns schon und führt uns zu der Schöffel-Lieferung. Was? Neun große Alukisten? Nie und nimmer bekommen wir die in unseren Kofferraum! &quot;Kein Problem&quot;, grinst Ryan. &quot;Ich komme mit. Mein Kofferraum ist ganz leer.&quot; Glück gehabt. Aber so kennen wir es ja von den Kanadiern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Auf nach Lake Louise! Ein Traum die Fahrt durch das Bow Valley, am Westufer des Bow River entlang. Der Fluss fließt, aber rechts und links am Ufer sind noch dicke Eisschollen aufeinander geschoben. Dieses Wildnis-Bild vor der Kulisse des imposanten Castle Mountain - einfach nur großartig! Unterhalb des Lake Louise steuern wir im gleichnamigen Örtchen das Lake Louise Inn an, unsere Unterkunft für die nächsten drei Nächte. Einchecken, Sachen ins Zimmer werfen, duschen und dann runter in den Pub. Ein leckeres kanadisches Bier und den ersten Bison-Burger des Jahres. Alles ist gut!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Ryan ist zum Dinner geblieben. Er wird das Shooting hier im Banff Nationalpark in Etappen begleiten. Gelegenheit zu einer ersten kurzen Lagebesprechung. Ins Skigebiet von Lake Louise soll es morgen gehen. Zum Location-Scouting. Hört sich nach viel Skifahren an. Super! Jetzt ist wirklich alles gut! Todmüde, aber mit großer Vorfreude auf den nächsten Tag falle ich in mein Bett. Könnte schwören, dass ich schon schlafe, bevor mein Kopf das Kissen berührt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Der neue Tag und das Skigebiet Lake Louise warten auf uns! Aber zunächst das richtig gute Frühstücks-Buffet im Lake Louise Inn. Es gibt leckeren Schinken - ja, über so etwas kann ich mich in Kanada immer noch freuen. Überhaupt wurde es mal wieder Zeit, dass ich hier ins Lake Louise Inn komme. Meiner Meinung nach ist und bleibt es im Winter das ideale Hotel für alle Skifahrer, die wissen, dass sie sich auf Lake Louise und die herrlichen Back Bowls konzentrieren wollen und nicht zwangsläufig den Luxus eines Fairmont Hotels brauchen. Sprich, die Zimmer sind typische, nordamerikanische Hotelzimmer: nicht zu klein, sauber, no frills. Pool und Whirlpool gibt&#039;s noch. Für uns passt&#039;s super. Auch wegen der Lage: Kein Hotel in Lake Louise liegt näher am Skigebiet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Gestärkt geht es los. Ski Lake Louise - wir kommen!  Richtig gut schaut&#039;s aus mit dem Wetter. Zu unserer Überraschung wollen Ryan und Chef-Fotograf Michael Müller Andy und mich gar nicht dabei haben bei ihrem Location-Scouting. Mit Filmer Mario Entero und dem Skirennläufer Benni Raich wollen sie los. Benni hat eine eigene Partnerschaft mit Schöffel und ist relativ spontan mit auf diesen Trip gekommen. Freut uns natürlich - bringt Glanz in die Hütte! Für heute, erklärt uns Ryan, sind wir jedoch nicht als komplette Filmcrew angemeldet und daher möchte er das Scouting-Team klein halten. &lt;br /&gt;
&quot;All right&quot;, sagt Andy zu mir. &quot;We&#039;re on our own - even better!&quot; Denn Andy kennt das Skigebiet wie seine Westentasche - und vor allem die Back Bowls. Die vielen kleinen, steilen Felskamine, in die man teilweise leicht hineinspringen muss und in denen noch so viel Powder auf uns wartet. Herrlich! Ich muss zugeben, ich hatte fast vergessen, wie schön dieses Skigebiet mit all seinen Möglichkeiten rechts und links der Piste ist! Die Temperaturen sind unter null - also herrlicher Schnee auch auf den breiten, präparierten Pisten. Aber der eigentliche Reiz von Lake Louise liegt im Gelände. Das Außergewöhnliche ist ja gerade, dass innerhalb des Gesamtskigebiets alles freigegeben und dennoch lawinenkontrolliert ist. &quot;What you see is what you ski&quot; - gerade für Europäer ein eher unbekanntes Konzept. Wirklich etwas Besonderes!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Immer und immer wieder schmeißen wir uns in die kleinen Schluchten hinein - wir können einfach nicht genug bekommen! Und das, obwohl sich der Himmel zuzieht und man teilweise in dem leicht zerfahrenen Pulverschnee gar nicht mehr so genau sieht, wo man eigentlich hinfährt. Aber es ist traumhaft und wir genießen die leeren Hänge in vollen Zügen. Zum Lunch fahren wir runter in die Day Lodge von Lake Louise - ein großes, atmosphärisches Rundholzgebäude mit allen Annehmlichkeiten. Vom Skiverleih unten über das Kantinen-Restaurant in der Mitte bis zum japanischen Restaurant und dem gemütlichen Pub oben. Wir entscheiden uns für oben rechts, den Pub - eh klar. Ein zünftiges Canadian und Chicken Wings. Wir sind ja schließlich in Kanada!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Der Nachmittag wird genauso schön. Immer wieder beeindruckt mich, dass der Schnee überhaupt nicht an Qualität verliert! Schließlich müssen wir jedoch vor der immer schlechter werdenden Sicht kapitulieren. Macht nichts. Wir fühlen uns reif für die Annehmlichkeiten des Hotels. Sind richtig kaputt. Ein Start nach Maß für das Skifahren in den kanadischen Rockies!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Ach, daran kann man sich gewöhnen: morgens Frühstücksbuffet und dann die fünfminütige Fahrt Skigebiet. Und über Nacht hat es geschneit! Andy und ich können es kaum erwarten loszukommen. Am Resort habe ich Gelegenheit, mich mit Benni Raich zu unterhalten. Ist ja schon ein beeindruckender Skiläufer! Und auch er ist vom Skifahren in Kanada begeistert. Die Weltcup-Abfahrt in Lake Louise gehört zu seinen absoluten Lieblings-Rennstrecken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Andy und ich helfen, das Basiscamp für die Schöffel-Crew in der Lodge auf der Rückseite des Hauptbergs einzurichten. Alles muss auf Skiern hingetragen werden. Abenteuerlich - vielleicht sogar unvernünftig. Niemals würde ich unter normalen Umständen mit solchen Lasten auf dem Rücken auf die Bretter gehen. Andy grinst mich nur an, als wir uns beide schnaufend mit großen Lastenrucksäcken aus dem Sessellift schleppen. &quot;It is what it is, my friend!&quot; An der Lodge müssen dann die &quot;Models&quot; - keine Profis, sondern Locals aus Banff - angekleidet, geschminkt und eingewiesen werden. Hektik - fast Chaos. Doch dann läuft plötzlich alles nach einem für Andy und mich unsichtbaren, aber offenbar routiniertem Schema ab. Diese Crew macht so etwas nicht zum ersten Mal. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Zeit für uns, die vielen anderen Geländeabfahrten auszutesten. Bis zum Mittag. Dann schauen wir nochmal bei der Schöffel-Crew vorbei. Das Wetter ist nicht optimal. Aber sie haben sich in den Kopf gesetzt, im &quot;Elevator&quot; zu fotografieren. Ein Tiefschneehang, den man erst komplett ersteigen muss. Das geht nur über einen steilen Grat - und heute auch nur, weil die Ski Patrol dabei ist. Wir sehen die kleine Gruppe um Benni Raich und Fotograf Michael nur noch in der Ferne den Grat hinaufsteigen. Sieht irgendwie unwirklich aus und erinnert mich in diesem diffusen Licht an die alten Bilder der Goldrauschpioniere am Anstieg des legendären Chilkoot Trail.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Sie sind schon zu weit oben -?wir können nicht mehr hinterher. Also, noch ein paar Abfahrten für uns! Bei der letzten Waldabfahrt brauchen wir so lange, um auf unmöglichen Wegen durch den Wald zu stochern, dass wir fast die letzte Sesselliftauffahrt zurück hinüber zur Frontseite verpassen. Naja, eigentlich haben wir sie schon verpasst. Aber der junge Mann am Lift lacht nur, als er uns sieht, klappt die bereits hochgestellte Sitzfläche wieder herunter und bedeutet uns einzusteigen. „No worries. Have fun up there!“ Auch das ist Skifahren in Kanada.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Das Skigebiet Sunshine Village steht am nächsten Morgen auf dem Programm. Etwas früher aufstehen, denn wir müssen noch auschecken. Heute ziehen wir um nach Banff. Und die Fahrt von Lake Louise zum Skigebiet dauert eine knappe halbe Stunde. Mit seinen großen und weiten Abfahrtsflächen ist Sunshine Village ein Paradies für den Pistenfahrer. Das Upper Village ist zudem das einzige On-Mountain-Resort in den Nationalparks. Ski in, ski out: Richtig einladend sieht das Sunshine Village Inn aus mit seinen komfortablen Loftzimmern, deren Balkone hinüber zu den Liften blicken. Ein neuer Plan reift in mir: Das mache ich nochmal mit der Familie. Drei, vier Tage hier oben – das muss ein Traum sein. Denn die Infrastruktur ist überzeugend. Zwar muss man mit der Gondel hochfahren – es gibt keine Straßenzufahrt im Winter – aber dann hat man ja alles, was man braucht. Nicht nur das Hotel mit all seinen Annehmlichkeiten, sondern zur attraktiven Abwechslung auch das Old Trapper Restaurant gegenüber, das auf eine ganz eigene sympathische Weise Western-Atmosphäre mit dem Flair einer österreichischen Skihütte verbindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Andy und ich treffen die Crew oben auf dem Berg. Der letzte halbe Tag mit Benni Raich. Außerplanmäßig musste unser Skirennläufer morgens noch einmal mit auf den Berg, denn die Szenerie, in der Cheffotograf Michael seine Bilder macht, ist einfach nur spektakulär an einem solchen Tag mit blauem Himmel und einer atemberaubenden Fernsicht. Auch wenn es nur noch wenige Stunden bis zu seinem Rückflug ab Calgary sind, hat Benni die Ruhe weg und meistert Michaels Anweisungen routiniert. Souverän steht er auf den Ski oder schnallt die Bretter ab, um sie fotogen den Hang hinauf zu tragen. Sieht alles super aus. Ich ziehe meine Handschuhe aus, um selbst ein bisschen mit dem Handy zu filmen und spüre schon nach einer Minute meine Finger nicht mehr. Es ist -12 Grad  –?das ist schon eine Ansage! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Aber der Schnee ist ein Traum! Für Andy und mich zumindest. Auch hier finden wir noch einiges an Tiefschnee und spannendem Gelände. Klar, mit Lake Louise ist Sunshine in Sachen Gelände sicher nicht zu vergleichen. Da hat Lake Louise mehr zu bieten. Mehr Variation – nicht unbedingt Extremeres. Denn den „Geländeknaller“ schlechthin gibt es hier in Sunshine. „Delirium Dive“ – nomen est omen: ein langgezogenes Kanonenrohr auf der Bergrückseite. Die steilste unpräparierte Geländeabfahrt in einem Skigebiet weltweit. Auf einem Schild am hinführenden Sessellift lesen wir, dass „The Dive“ heute für ein paar Stunden geöffnet wird – gerade so, dass es für uns nicht reinpasst. Schade, aber halb so schlimm. Noch stäubender Schnee auf den Pisten, recht tiefer und dennoch leichter Schnee im Gelände, ein paar schöne Buckel – alles gut. Gefällt uns. Und schafft uns. Denn für Sunshine gilt das Gleiche wie für Lake Louise: Skifahren, Skifahren, Skifahren. Kein Verschnaufen an den Liften – einfach immer weiter. Das Gebiet ist groß, variationsreich und dennoch aufgrund der kesselähnlichen Form sehr orientierungsfreundlich. Gefällt mir. Auf einer in den Rockies startenden Skireise würde ich dieses Skigebiet als Start wählen. Zum Einschwingen – und für erste Geländeexkursionen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Bis drei Uhr nachmittags lassen wir es krachen. Dann sind wir platt und begeben uns auf die Talabfahrt. Die Crew ist auch fertig. Auf nach Banff. In die Banff Caribou Lodge, eines meiner Lieblingshotels in Banff. Andy und ich erzählen von unseren Tiefschneeabfahrten. Fotograf Michael rollt mit den Augen. Er ist im Augenblick nicht so zufrieden. Als Perfektionist war ihm der Schnee nicht tief und jungfräulich genug. Er hätte sich für die Aufnahmen mit Benni Raich richtig meterhoch aufwirbelnde Schneewolken gewünscht. Wir sehen erste Bilder und sind begeistert! Ist doch super – aber uns fehlt dann vielleicht doch das professionelle fotografische Auge. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Morgens Frühstück im Keg – wieder ein tolles Buffet. In dem Steakrestaurant hatten wir gestern bereits bei einem ernstzunehmenden Rib Eye den Tag ausklingen lassen. Für die Crew um Fotograf Michael geht es zum Location Scouting für die Non-Ski-Bilder. Im Bow Valley des Banff Nationalparks – alles leicht zu finden. So entscheidet Michael, allein mit kleinem Team zu fahren. Also noch ein Skivormittag für Andy und mich! Passt gut, denn heute hat sich Bart Donelly, der Director Travel Trade von Travel Alberta, zum Frühstück zu uns gesellt. Unter der Woche lebt Bart in Calgary – für die Winter-Wochenenden hat er sein Haus in Banff behalten. Na, das ist doch mal Lifestyle! Und heute ist er extra einen Tag eher ins Wochenende gestartet, um uns zu treffen. Er möchte mit uns Ski fahren. Also gut, wenn ich gezwungen werde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Sunshine it is again. Heute erkunden wir die Off-Piste-Kamine am Goateye Mountain. Toll – vielleicht doch nicht ganz so weit weg vom Geländeangebot in Lake Louise. Bart ist ein sehr guter Skiläufer und es macht Spaß, sich mit ihm und Andy in die Steilhänge zu stürzen, in denen wir immer wieder herrliche Pulverschneetaschen finden. Keine übermäßigen Mengen, aber so, dass es Spaß macht. Und wenn man dann einmal einen jungfräulichen Kamin entdeckt hat, wird man fast ein bisschen misstrauisch. Warum sind hier noch keine Spuren? Lauern da Felsen unter der Schneedecke? Naja, irgendwann muss einer los und es herausbekommen. Wir wechseln uns ab – jeder ist mal dran. Und alles geht gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Zum Nachmittag verschlechtert sich das Wetter. Immer wieder dichte Nebelbänke. Und wärmer ist es auch nicht geworden. Ein guter, anstrengender Skivormittag reicht uns heute. Ab auf die Talabfahrt. Andy muss mit seinem Bus noch auf einen Teil der Filmcrew warten. Filmer Mario ist heute mit kleinem Team auf den Berg gefahren, um Close-ups und technische Aufnahmen zu machen –?zum Beispiel von Jackenreißverschlüssen. Bart und ich fahren zurück nach Banff. Lunch im Keg und dann einfach mal das Hotel genießen. Ich bin echt gern in der Banff Caribou Lodge – für mich die perfekte Mischung aus Komfort und gehobenem Understatement. Und irgendwie echt kanadisch. Tolle Holzapplikationen, die beeindruckende Kamin-Lounge – da kommt man schon beim Hineingehen in die richtige Stimmung. Die Zimmer sind vielleicht etwas kleiner als anderswo, aber dafür sind sie geschmackvoll eingerichtet. Und ein Trumpf ist das KEG mitten im Hotel. Wer die Steaks der KEG-Kette kennt, weiß das:?ein gutes Restaurant, ohne dass alberne Preise aufgerufen würden. Zufrieden und entspannt gehe ich hinauf in mein Zimmer. Und freue mich, denn auf dem Nachttisch hat mir das Zimmermädchen eine Dank-Nachricht geschrieben. Sie hat sich über mein Trinkgeld gefreut. Und so etwas freut mich dann wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Gerade will ich mich auf mein Bett legen, da klingelt das Telefon. Ein aufgeregter Stefan Ritschel – auch der Schöffel-Marketingmann ist natürlich wieder mit von der Partie – erklärt mir, dass es Probleme mit einem der Models gibt. Cristiano aus Italien hat von seinem Zwischenstop in Toronto angerufen. Ihm sei die Einreise nach Kanada verwehrt worden und er müsse zurück nach Deutschland. Ein Schock im Team, insbesondere beim Planungsstab: Krisensitzung, Erarbeitung von Plan B und C. Lokale Model-Agenturen werden kontaktiert. Ich informiere die Air Canada und das SK-Büro in Deutschland und bitte um Hilfe beim Herausfinden, was eigentlich genau passiert ist. Eine ordentliche Maschinerie setzt sich in Gang. Dann klingelt das Telefon von Stefan. Cristiano ist dran. Es sei alles nur ein Scherz gewesen. Er komme nachher aus Calgary mit einem der vielen Shuttles hergefahren. Also, ich muss mich erst einmal setzen. Kaum zu glauben, das Schöffel-Team lacht schon wieder. „Typisch Cristiano“, wird mehrfach geschmunzelt. Mir ist im Augenblick nicht wirklich nach Schmunzeln zumute. Kopfschüttelnd beginne ich überall Entwarnung zu geben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Damit aber nicht genug. Fotograf Michael hat den Wetterbericht studiert und drängt auf eine Planänderung. Er will nicht mehr drei Tage, sondern nur noch morgen in Banff bleiben, um stattdessen zwei Tage früher nach Südalberta zu fahren. Ein bisschen habe ich schon auf so etwas gewartet. Jetzt ist es also soweit: alles spontan umbuchen. So sind sie, die Fotoshootings. Aber was soll ich sagen? Michael hat ja recht. In den nächsten drei Ta­gen soll es Superwetter geben, danach eher durchwachsen sein. Und in Südalberta wollen wir die Weite der Prärie vor der Silhouette der Rockies auf die Bilder bringen. Dafür braucht man Fernsicht, ergo: gutes Wetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;An die Arbeit, Reiseveranstalter! Den leichten Panikanfall schnell unterdrücken. Aber gerade in solchen Situationen hat man gelegentlich auch mal Glück. Alle meine Umbuchungen funktionieren. Erleichtert mache ich mich zum Dinner auf. Heute geht es ins „Balkan“ an der Banff Avenue. Dort ist heute „Greek Night“ – mit Bauchtanz-Vorführung. Bauchtanz und griechisch in Kanada – im Ernst? Also, mein Fall ist diese Art von Entertainmentgastronomie nicht, aber vielen im Team scheint es zu gefallen. Nach dem Essen der angenehme Spaziergang in der klaren, kalten Abendluft auf der Banff Avenue zurück zur Caribou Lodge. Der Blick diese Straße hinab ist einfach immer wieder spektakulär – egal zu welcher Tageszeit. Ich stelle mich mitten auf die Straße, um ein paar Fotos zu schießen – wahrscheinlich zum x-ten mal...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Und irgendwie kann man an der einladenden Bar des Keg abends auch nicht vorbeigehen. Nightcap-Time. Cristiano ist inzwischen angekommen und gesellt sich dazu. Schuldbewusst beeilt er sich, die Getränkerunde zu bezahlen. Naja, da hat er dann wohl noch einmal die Kurve gekriegt. Sympathisch ist er ja – und genau wie alle anderen schaffe auch ich es nicht, ihm länger böse zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Aufbruch am nächsten Morgen in der Dämmerung. Wir nehmen die allererste Gondel. Michael will das bestmögliche Licht haben - &quot;Action Fotos&quot; stehen heute auf dem Programm. Der Himmel strahlt! Ryan hat eine Ex-Kollegin mitgebracht. Martha ist 40, Skilehrerin in Banff und sieht umwerfend aus. Kein Wunder also, dass sie kurzerhand von der Schöffel-Crew für diesen Tag als Model engagiert wird. Model Cristiano ist auch mit von der Partie. Er ist für die sogenannten &quot;Beauties&quot; vorgesehen. Sprich: Er muss gut aussehen, nicht wirklich Skifahren. Die Stimmung ist super – und die Shooting Location auf der Piste perfekt vorbereitet. Ryan managed professionell mit dem Walkie Talkie das zeitgenaue Losfahren der Models. Alle sind happy. &quot;Super-Schuss&quot;, hören wir oft von Michael.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Andy und ich beobachten zufrieden das produktive Treiben, bis uns klar wird, dass es schon wieder nichts mehr zu tun für uns gibt. Außer Skifahren - wie schlimm! Doch Augenblick mal: Zeit zum Skifahren in Sunshine Village und Super-Wetter - diese Kombination schreit doch nach dem &quot;Delirium Dive&quot;! Die legendäre Off-Piste-Abfahrt muss doch dann heute für uns auf dem Plan stehen! Schnell erkundigen wir uns am Lift: In ein bis zwei Stunden soll &quot;The Dive&quot; öffnen. Na, also! Schnell leihen wir uns bei der Schöffel-Crew die erforderliche Ausrüstung zusammen. Ohne Lawinenpiepser und Rucksack mit Schaufel darf man nicht rein. Und mindestens ein ebenso ausgerüsteter Begleiter muss dabei sein. Aber wir sind ja zu zweit und die Ausrüstung haben wir zusammen. Delirium Dive – here we come! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Ich bin beeindruckt. In dieser Form habe ich so etwas noch nie mitgemacht. Oben vom Ausstieg des Sessellifts sind es nur ein paar Meter hinüber zum Eingang. Nein, nicht der Start der Abfahrt. Im Gegenteil – von hier aus muss man erst einmal hochlaufen. Zunächst durch das Tor, an dem das Gerät angebracht ist, das zuverlässig überprüft und mit einem Signalton quittiert, dass wir mit Lawinenpiepsern ausgestattet sind. Dann die endlosen kleinen und steilen in den Schnee gehauenen Stufen den Berg hinauf. Etwa 10-15 Minuten. Ohne Pause, denn hinter dir sind ja schon die nächsten – und keiner will sich die Blöße geben, hier auf den ersten Metern schon Verschnaufen zu müssen. Ich natürlich auch nicht! Also hoch, und oben verschnaufen. Der Blick die Abfahrt hinab flößt Respekt ein. Steil! Hammersteil! Vor allem der Einstieg – mehr kann man eh nicht sehen. Ein paar Freerider-Profis, die hier offensichtlich nicht zum ersten Mal sind, springen über die Abbruchkante und stäuben den Abhang hinunter. Cool! Alle anderen brauchen aber länger. Es gibt mehrere Einstiege – man kann auch noch ewig weiter über den Grat laufen, um noch ein gutes Stück höher einzusteigen. Eine Treppe führt ein Stück hinunter – dort unten soll der Einstieg bedeutend einfacher sein. Also nix für uns. Hallo? Wir werden uns doch jetzt und hier keine Blöße geben! Von einem Local erfahre ich, dass man halt einfach reinspringen soll. Je nachdem welche Route man bei der Abfahrt wählt, gibt es nachher unter Umständen eh keine andere Option als &quot;Mandatory Air&quot;, erfahre ich. &quot;Mandatory Air&quot; – also springen. Über Felsen oder Wächten. Puhh. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Ach, was soll&#039;s! Auf geht&#039;s! Ich suche mir einen Einstieg, der so ein Mittelding zwischen Springen und Reinrutschen darstellt. Skifahrer kennen das: Die Art von Einstieg, bei der man sich vor dem Losfahren die ersten drei, vier Schwünge genau überlegen muss. Man weiß vorher, dass der Ablauf genau passen muss. Eine Möglichkeit zum Stoppen gibt es nicht. Die einzige Alternative heißt Sturz. Andy versucht es ein Stück weiter rechts von mir. Ein Meter, zwei Meter hinab – und dann sehe ich ihn nicht mehr. Aber auch unten in der Abfahrt taucht er nicht auf. &quot;Andy? Alles ok?&quot;, rufe ich über den Felsen. Es dauert einen Moment, dann höre ich ein Gegrummel von unten: &quot;Ja, ja. Alles ok. Muss nur eben meine Ski wieder zusammensuchen – fahr nicht hierher!&quot; Nicht sonderlich ermutigend, aber nun ist der Anfang gemacht. Ein paar Zentimeter rutsche ich noch rein – man fängt an, mit sich selbst zu feilschen. Komm, noch ein paar Zentimeter weiter. Und noch ein bisschen. Aber dann ist es soweit – der erste Schwung muss gemacht werden. Und es ist wie immer: So lange man sich vorher mit Abwägungen und Überlegungen aufgehalten hat, so schnell hat man es dann auch schon hinter sich. Die vier Schwünge, die ich mir vorgenommen hatte, klappen einigermaßen und ich stehe fast genau dort im Hang, wo ich auch stehen wollte. Andy wartet schon. Etwas weiter eine junge Frau, die sich im Augenblick nicht weiter zu trauen scheint. Aber bei ihr ist alles ok, versichern wir uns. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Und dann geht&#039;s ab! Ich brake den Hang hinunter. Der Schnee scheint sich mit mir zu bewegen - er fließt mit mir hinunter. Ganz natürlich irgendwie - nicht wie eine Lawine. Und dabei stäubt es. Traumhaft. Einfach nur herrlich! Also, da haben sich die Mühen des Hinaufkraxelns doch jetzt schon gelohnt! Super – und auch gar nicht so schwierig die Abfahrt. Finde ich. Der Einstieg hatte Schlimmeres vermuten lassen. Es macht einfach nur Spaß! Andy und ich meistern das Kanonenrohr juchzend – also völlig ohne Probleme. Dann die flache Wedelwiese – technisch anspruchslos aber ein herrlicher Spaß bei dem Tiefschnee. Bis ich dann herausfinde, warum hier noch gar keine andere Spur zu sehen ist. Ein Schlag von unten in die Beine, es kracht, die Ski bleiben stehen und ich fliege durch die Luft. „Mandatory Air“, muss ich später denken. Ich lande mit dem Gesicht im Tiefschnee. Mein Gehirn braucht etwas, um zu verstehen, was gerade passiert ist. Ein Ski von mir hat einen unter dem Schnee verborgenen Felsen erwischt und ist auf der Felskante stehengeblieben. Das konnte mein zierlicher Körper so schnell nicht mitmachen – er setzte seinen Weg talwärts fort. Ohne Ski an den Füßen. &quot;Mandatory Air&quot;. Aber alle Knochen sind heilgeblieben und nach einigen Minuten habe ich auch alle meine Sachen wieder zusammengesammelt. Und dann höre ich nur Andy’s &quot;Bad news, Buddy&quot;. Meine Ski sind Vollschrott. Komplett durchgebrochen. Seit meinem dritten Lebensjahr stehe ich auf den Brettern – so etwas ist mir noch nie passiert.?Warum musste ich nur meine eigenen Ski mitnehmen? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Irgendwie bringe ich den Dive hinter mich. Auf dem kaputten Ski – wie auch sonst? Selbst die Talabfahrt schaffe ich noch, allerdings mehr schlecht als recht, denn ich merke, dass der Ski mir nun gar nicht mehr gehorcht. Ehrlich gesagt bin ich sogar so unvernünftig und fahre noch einmal mit dem Sessellift zum Einlass des Delirium Dive hinauf. Denn Andy will ihn noch einmal fahren. Und ich will unbedingt ein Foto mit dem zerbrochenen Ski vor dem „Delirium Dive“-Schild haben. „Right on“, lacht der Ski Patroler am Eingangstor. „I guess that’s why they call them the Rocky Mountains!“ Ja, ja – wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Aber eine heiße Dusche im Hotelzimmer und ein kühles Bier im Keg später kann ich dann auch wieder mit den anderen über mein Missgeschick lachen. &lt;br /&gt;
Denn alle anderen sind sehr zufrieden mit diesem Tag. Alles ist im Kasten, was Fotograf Michael und Videograf Mario sich vorgenommen haben. Die Stimmung ist ausgelassen. Ein sehr versöhnlicher Abschluss unseres Ski- und Outdoor-Shootings in Lake Louise und Banff. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Ja, natürlich – das Shooting ist ja noch gar nicht zu Ende. Morgen geht es über den Cowboy Trail nach Südalberta. So viel kann ich schon verraten:?Uns erwartet etwas völlig anderes als in den Vortagen. Anderes und Überraschendes. Vieles, mit dem ich gar nicht gerechnet habe und was mich derart beeindruckt hat, dass es seine eigene Geschichte verdient. Aber hier und jetzt heißt es erst einmal Abschied nehmen von dem einmaligen Erlebnis des Skifahrens in den kanadischen Rocky Mountains. Von den Skigebieten Lake Louise und Sunshine Village. Einmal mehr ist mir klar geworden, wie wenig man dieses Erlebnis mit dem Skifahren in Europa vergleichen kann. Es ist und bleibt etwas Besonderes. Etwas, nach dem man süchtig werden kann. Und ich glaube, bei mir ist es soweit. Der März hat’s gemacht. Die Locals haben es mir schon immer gesagt – März und April sind Rohdiamanten für Skifahrer in den kanadischen Rockies. Jetzt weiß ich, dass das stimmt! Gut, getrauert habe ich auch noch – um meinen geliebten Ski. Aber auch nicht wirklich lange, denn irgendwann kam mir der Gedanke:?„Mensch, ist das nicht ein würdiges Ende für diesen tollen Ski? In den Rockies. In Sunshine. Auf dem Delirium Dive!“ Und so habe ich den Ski mit nach Hause genommen und an die Wand gehängt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;</description>
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                <title>Magische Orte: Orca Camp 0,00 €</title>
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                <pubDate>Mon, 12 Feb 2018 13:49:25 +0100</pubDate>
                <description>&lt;img src=&#039;https://www.kanadafieber.de/out/pictures/generated/product/1/700_490_75/allekajak.jpg&#039; border=0 align=&#039;left&#039; hspace=5&gt;&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Magische Orte&lt;br /&gt;
Orca Camp&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;Das Motorboot aus Port McNeill hüpft über die Wellen. Der Wind peitscht den Pazifik auf, so dass wir Mühe haben sicher anzulanden. Doch schon wenige Stunden später wird es still an dem unbewohnten Regenwaldstrand im Norden von Vancouver Island. Ich kann es kaum glauben - wir sind im Orca Camp! So viele Jahre schon planen Andy und ich diesen Trip. Bisher hat es nie geklappt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Text: Rainer Schoof&amp;nbsp;&amp;nbsp; Fotos: Rainer Schoof, Mirjam Schoof und Markus Knüpp&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Saison im Orca Camp ist kurz. Und es war jahrelang immer das Gleiche: Entweder hatte ich keine Zeit oder mein Freund Andy hat es irgendwie nicht geschafft. Aber jetzt ist der Moment gekommen. Wir sind tatsächlich beide gleichzeitig im Orca Camp! Und das nun sogar mit un­seren Familien. Meine Frau Mirjam und unsere beiden Kinder Felix (10) und Anna (9) sind dabei. Genau wie mein Kollege Markus mit Frau Britta und den Kindern Helena (12) und Julius (9). Andy hat seine beiden Töchter mitgebracht, die Teenager-Zwillingsschwestern Sarah und Tiffany. Andys Frau Daniela konnte leider nicht mitkommen, dafür ist aber Andys Kumpel Franz mit seiner Tochter dabei. Franz kommt jedes Jahr aus München, um das Orca Camp mit Andy aufzubauen und für die neue Saison fitzumachen. Und schließlich ist unser alter Freund Bruce Maclean mit von der Partie - zusammen mit seiner Frau Nancy. Mit dem Besitzer des Sasquatch Inn​verbindet mich eine inzwischen fast 30-jährige Freundschaft. Wir haben ihn ins Orca Camp eingeladen. Als Geschenk zu seinem 60. Geburtstag. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Das Camp ist voll, alle sind da und wir lassen uns von Andy durch den Regenwald zu unseren Zelten führen. Erst einmal in aller Ruhe &quot;einziehen&quot;. Denkste! Gerade habe ich meinen Rucksack vor dem großen Familienzelt abgestellt, da höre ich schon diesen gepressten Luftstoß - wie aus einer Pressluftpistole. Ich blicke Andy an und der grinst: &quot;Orcas! Das übliche Willkommens-Komitee! Na lauft schon - Orcas sind wichtiger als Gepäck!&quot; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Schnell die paar Schritte runter zum Strand - und tatsächlich - eine ganze Schule Orcas zieht vorbei. Zum Greifen nah. Unfassbar, direkt am Strand vorbei! Ich bin so perplex, dass ich fast vergesse, diesen Moment auf Film festzuhalten. Was für ein Start ins Orca Camp!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Die erste Orca-Aufregung ist verdaut und wir schaffen es doch noch, bei Tageslicht unsere Zelte zu beziehen. Die sind bequemer, als ich dachte. Klar, Zelt ist Zelt, wenn die Qualität stimmt. Doch mir ist wichtig, dass man zwei Ausgänge, genügend Belüftungsoptionen und einen einigermaßen großen Vorraum hat. In allen Punkten Daumen hoch für die Zelte des Camps. Bleibt die Frage, wie man sich bettet - und da bin ich nun wirklich positiv überrascht. Zunächst sind alle Zelte zentral auf jeweils eigenen Holzplattformen errichtet. Mitten im abschüssigen Regenwald liegt man in seinem Zelt also völlig eben. Zusätzlich befindet sich unter dem Zeltboden eine aus Einzelelementen zusammengefügte Gummimatte, so dass man gut und vor allem schmerzfrei auch auf den Knien im Zelt herumkriechen kann. Darauf liegt die breite Thermarest-Matte - definitiv die dickste, die ich je gesehen habe. Zusammen mit dem Schlafsack, der problemlos auch als Decke verwendet werden kann, und der angenehmen Stoffauflage der Matte ergibt das eine bequeme Schlafstätte. Gar nicht so weit weg vom Bett! Hmm, so detaillierte Gedanken habe ich mir doch früher nicht gemacht. Werde ich alt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Auf dem Feuer grillt schon der frische Wildlachs neben saftigen Maiskolben, als wir uns abends alle am Strand einfinden. Es wird ein kulinarischer Genuss, aber die wichtigste Zutat ist die Szenerie um uns herum: Wir sind ganz allein. Mitten in der Wildnis. Am Rande des Regenwalds. An einem einsamen Pazifikstrand. Die Sonne geht unter, der Mond geht auf - und wir blicken über unser knisterndes Feuer hinweg auf den Pazifik. Wie soll einem das Essen da nicht schmecken? Und wer will es uns verdenken, dass wir schon an diesem Abend mehr Bierdosen aus dem kleinen Bach - &quot;Beer Creek&quot; genannt - herausfischen, als eigentlich für heute vorgesehen waren? Ich blicke vom Regenwald über den Strand auf das Wasser. Dann ins Feuer. Das ist Kanada für mich!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Morgens im Regenwald. Ich wache auf und alles um mich herum ist still. Irgendwo oberhalb am Hang höre ich ein leises Schnarchen aus einem der anderen Zelte - ich selbst kann es ja nicht mehr sein. Reißverschluss auf und einen ersten Schritt hinaus. Angenehm, dass man nicht in irgendetwas Unerwartetes oder Nasses tritt, sondern auf die ebene Holzplattform. Dann der Blick in den tiefgrünen Wald: Wow - unwirklich. Echt Wildnis. Mein Blick schweift hinüber zu unseren Handtüchern auf der Wäscheleine. Auch meine Schuhe, mit denen ich gestern beim Anlanden ins Wasser gehüpft bin, hatte ich zum Trocknen aufgehängt. Ein schneller Griff bringt Gewissheit: Alles klatschnass - hier im Regenwald trocknet nichts. Es regnet zwar nicht, aber trocken ist es auch nicht. Überall spürt man die Feuchtigkeit. Ich blicke hinunter zum Pazifik. Es sieht noch recht nebelig da unten aus. Klar, die Feuchtigkeit. Da muss man jetzt noch nicht runter, so mein noch leicht schläfriger, erster Gedanke. Doch plötzlich wieder dieser kurze Schuss aus der Druckluftpistole: &quot;Ccchhhhhouu!&quot; Schnell, zum Strand! Orcas! Am frühen Morgen! Mystisch im Morgennebel - und wieder ganz nah! Direkt am Kelp, das nur wenige Meter vor dem Strandufer treibt. Guten Morgen, Kanada!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Die Orcas ziehen vorbei und verschwinden im Morgennebel - sonst hätte ich mich wohl nur schwer von dem Anblick trennen können. So aber stapfe ich am Strand weiter in Richtung &quot;Beach Café&quot;. Die große, laubenartige und komplett über­dachte Plattform ist quasi der Aufenthaltsraum des Orca Camps, wo sich neben zwei großen Picknicktischen auch alles an Küchenausrüstung und Vorräten befindet. Letztere sind natürlich in großen, verschließbaren Stahlbehältern untergebracht. Bären, Pumas und auch die kleineren Tiere sollen nicht lernen, dass es einem hier zu leicht gemacht wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Andy ist schon auf und werkelt in der Küche. Schnell steige ich die Treppe hinauf, begrüße ihn und frage, ob ich helfen kann. Nein, nein. Alles schon fast fertig. Der Kaffee schon seit einer Stunde. Kaffee! Was für ein Zauberwort! &quot;Warte&quot;, sagt Andy. &quot;Ich mache dir schnell einen richtigen Orca Camp Coffee.&quot; Er füllt dampfenden Kaffee aus einer Thermoskanne in eine Tasse - und einen guten Schuss Irish Cream. Würde ich normalerweise nie zu mir nehmen, so einen süßlich-cremigen Likör. Hier aber schmeckt es mir. Richtig gut. Es passt irgendwie perfekt in diesen Morgen. Wir sind angekommen im Orca Camp. Ich merke, wie ich langsam runterfahre. Zufrieden setze ich mich an einen der Tische, schnappe mir mein iPad und schreibe an meinem Reisebericht. Und langsam tauchen auch die anderen auf. Alle haben gut geschlafen. Der &quot;Orca Camp Coffee&quot; avanciert zum Renner bei den Erwachsenen. Niemand hat Hummeln im Hintern. Und so passen dann auch Andys &quot;Gröstl&quot; (er ist ja Tiroler) mit Eiern, Speck, Bratkartoffeln und den Resten von gestern hervorragend in diesen völlig terminfreien Vormittag. Man könnte fast meinen das hier wäre Urlaub.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Der Vormittag ist weit fortgeschritten, aber jetzt hat es die Sonne geschafft, sich durch den Nebel zu brennen. Viel blauer Himmel - es wird warm. So, jetzt aber raus aufs Wasser! Wir tragen die Kajaks über den Strand und Andy gibt uns eine kurze Einführung. Im Wesentlichen handelt es sich um Tipps, wie man am elegantesten in die Kajaks reinkommt und die Spritzdecken befestigt. Denn der Rest ist selbsterklärend. Bin beeindruckt, wie stabil die Boote im Wasser liegen. Viele Kanadareisen im - in meinen Augen stabilen - Kanadier-Kanu habe ich hinter mir, aber dieses Boot ist eindeutig noch weniger anfällig für Wasserbewegungen. &quot;So muss das auch sein&quot;, erklärt Andy. &quot;Seakayaks müssen schließlich ozeantauglich sein.&quot; Und los! In nordwestlicher Richtung paddeln wir am Ufer entlang. Alle sollen sich erst einmal an die Boote und an die Bedienung des Heckruders gewöhnen. Es klappt bei allen und wir kommen schnell voran. Adler, Seehunde, Seelöwen und Delfine - es gibt viel zu sehen. Einer der Seelöwen ist sogar richtig neugierig. Immer wieder taucht er direkt vor uns auf und schaut uns an. Tolle Tiere! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Lunchpause. Dafür haben wir ja schließlich die Sandwiches vorbereitet. Obwohl sich nach Andys Frühstück niemand vorstellen konnte, heute noch mal etwas essen zu können. Aber die frische Pazifikluft macht&#039;s! Es ist Ebbe und wir sitzen genüsslich in der Sonne auf einem großen Treibholzstamm an einem Wildnis-Strand. Das Wasser läuft langsam herein. Immer wieder müssen wir die Kajaks am Ufer ein Stück höher ziehen. &quot;Reicht für heute&quot;, sagt Andy. Klar, wir sind spät losgekommen und Andy meint, dass wir für den Rückweg länger brauchen. Den Wind und die Gezeitenströmung haben wir nun gegen uns. Dann also heute noch etwas Sport! Mit meinem fast elfjährigen Sohn Felix habe ich inzwischen einen super Rhythmus gefunden. Pfeilschnell gleiten wir durchs Wasser, so dass ich bereits nach wenigen Minuten von hinten mehrfach den offiziellen Antrag meiner Tochter höre: &quot;Papa, morgen fahre ich mit dir!&quot; Etwa eine Stunde später sind wir zurück am langen Strand des Orca Camps - im Fünfminutentakt landet ein Kajak nach dem anderen an. Das Aussteigen ist für mich kein Problem mehr, denn meine seit gestern nicht mehr getrockneten Schuhe habe ich inzwischen zu &quot;Kajakschuhen&quot; ernannt. Die können nass bleiben. Ich steige einfach ins Wasser. Hoch mit den Booten in die dafür vorgesehenen Racks. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Und dann? Entspannen. Und genießen. Die Kinder erforschen den Strand und die Damen lockt das &quot;Wobbly Bear SPA&quot; - die einmalige Zederndusche mitten im Regenwald. Mit tatkräftiger Unterstützung von Franz hat Andy sich den permanent wasserführenden und uns als &quot;Beer Creek&quot; lieb und teuer gewordenen Bach zunutze gemacht und eine Wasserleitung zu einem mit Propangas betriebenen Durchlauferhitzer gelegt. Dieser versorgt zwei herrlich breitstrahlige Duschen - heißt dieser Duschtyp nicht sogar &quot;Rainforest&quot;? - die in zwei getrennten Kabinen in einem aus Zedernholz errichteten Duschhaus angebracht sind. Das heiße Wasser kommt sofort. Es riecht schon so herrlich nach Zeder, wenn man reinkommt. Und beim Duschen fängt das Zedernholz richtig an zu duften. Die Damen sind so begeistert, dass sie tatsächlich auch die Herren der Schöpfung zum Duschen animieren. Bemerkenswert, hat man doch gerade schon sehr bequem beim Bier am Feuer gesessen und den Ausblick genossen. Da ist Mann naturgegeben träge. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Abends verwandelt sich das &quot;Looking-Fire&quot; schnell wieder in ein &quot;Cooking Fire&quot; und wird einmal mehr professionell bestückt. Im Beach Café werden auf der mit Gas betriebenen Koch- und Bratstation die Beilagen zubereitet. Nach dem Essen sitzen wir satt und zufrieden an die massiven Treibholzstämme gelehnt und blicken auf den Pazifik. Ja, und dann ziehen auch noch die Orcas an uns vorbei. Ich weiß, kaum zu glauben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Déjà-vu am nächsten Regenwaldmorgen. Kein schlechtes Wetter, aber neblig unten am Pazifik. Und feucht. Wieder nichts getrocknet an der Leine. Einziger Unterschied: Ich sehe keine Orcas, als ich hinunter zum Strand stapfe. Aber ich sehe Andy hinten am Feuer sitzen und mache mich auf dem Weg zu ihm. Gerade bin ich 50 Meter weit gekommen, da kommt er doch, der Druckluftpistolenschuss: &quot;Chhhou!&quot; Die Orcas tauchen wieder nah am Kelp. Ein Traum. Gewöhne ich mich etwa schon daran? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Heute sind wir schneller - genau wie die Sonne, die es heute früher durch den Hochnebel schafft. Rein in die Kajaks, raus aufs Wasser. Und es wird wieder ein Traumtag. Herrliches Wetter, viele Tiere und spannende Wildniserkundungen. Und natürlich die Lunchpause an einem einsamen Strand. Ich blinzle in die Sonne und merke, wie ich langsam wegdämmere. Doch dann Andys Ruf: &quot;Los geht&#039;s, die Orcas kommen!&quot; Auf dem Whalewatcher-Funkkanal 7 hat er mitgeschnitten, dass die Wale aus Südrichtung zu uns unterwegs sind. Wenn wir jetzt schnell rauspaddeln, müssten wir sie treffen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Was dann passiert, werde ich wohl nicht mehr vergessen. Ich sehe die Orcas. Sie schwimmen direkt auf mich zu. Plötzlich tauchen die Schwerter knappe 10 Meter vor dem Kajak auf. Meine neunjährige Tochter Anna im Kajaksitz vor mir ist noch näher dran. &quot;Paddel aus dem Wasser und ganz ruhig&quot;, rufe ich ihr zu. Sie sagt kein Wort, befolgt meine Weisung sofort. &quot;Anna, die Orcas werden gleich unter uns hertauchen. Aber da passiert nichts - bleib ganz ruhig.&quot; Ich funktioniere, höre mich diese Worte sagen, aber glaube ich sie auch? Anna bleibt ruhig. Später werde ich stolz auf sie sein, aber jetzt habe ich dafür keine Zeit. Es raubt mir den Atem, als die wunderschönen schwarz-weißen Körper vor und unter unserem Kajak hertauchen. Ich verbocke in der Aufregung das Filmen. Verzückungsschreie um mich herum. &quot;This is it, man&quot;, höre ich meinen Freund Bruce rufen. Die Wale sind an Anna und mir vorbei. Ganz fasziniert beobachten wir, wie nah sie an den anderen Kajaks vorbeitauchen. Keine fünf Minuten hat dieses unglaubliche Erlebnis gedauert. Und doch hat es sich eingeprägt. Während ich diese Zeilen schreibe, merke ich erst, wie sehr mich das alles auch jetzt noch bewegt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch ein wunderschöner Abend. Noch ein abendlicher Orca-Besuch. Wir können unser Glück nicht fassen. Und doch erwartet uns am nächsten Morgen noch ein Highlight: Die Überquerung der Strait. Wir schaffen es alle zusammen in einer guten halben Stunde. Ich bin begeistert von der gegenüberliegenden Seite. Kleine Inselchen, Kanäle, viele Kelp-Wälder. Man wird zum Entdecker und ist einmal mehr völlig allein hier draußen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Fast könnte man die Orcas vergessen, so schön ist es. Aber wir haben ja Kanal 7 - und die Orcas melden sich! Auf geht’s - alles schon Routine. Doch die Orcas sind diesmal weiter weg. Sie ziehen ihre Bahnen wieder auf der Campseite der Strait. Schon erstaunlich. Ginge es nur um die Orcas, müsste man wohl einfach nur am Strand des Orca Camps sitzen bleiben, auf die Wale warten und dann schnell raus mit den Kajaks. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Egal, jetzt erst einmal schnell wieder über die Strait! Tja, und dann kommt uns doch tatsächlich inmitten dieser Wildnis ein Schleppboot dazwischen. Der Schlepper ist klein, aber das Seil, an dem er zieht, ist lang. Und am Ende des Seils hängt ein riesiges, mit Frachtgut beladenes Floß. &quot;Keine Chance&quot;, ruft Andy uns zu. &quot;Die können ja nicht stoppen.&quot; Also müssen wir stoppen - mitten in der Strait. In gebührendem Abstand verharren wir auf dem Wasser, bis das Gespann an uns vorübergezogen ist. Artig bedankt sich der Captain des Schleppers über Funk. Schnell queren wir auf Höhe der Robson Bight, blicken direkt in das Schutzgebiet. Und da sind sie, die Orcas. Weiter von uns entfernt als gestern, aber nicht minder beeindruckend. In Sachen Fotos bin ich nun allerdings verwöhnt, lasse die Kamera stecken und genieße nur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Die anderen paddeln weiter zum Ufer, während Felix und ich in unserem Kajak noch relativ weit draußen auf der Strait vor uns hin drömmeln. Es ist einfach nur traumhaft bei diesem Wetter. Wir bestaunen die Größe eines riesiges Kreuzfahrtschiffs aus Alaska, das auf seinem Weg nach Süden in der Ferne vorbeizieht. Es kommen sogar ein paar Wellen bei uns an. Macht Spaß! Auf und ab und auf und ab. Ein bisschen Geschaukel in der Sonne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber Moment mal! Das Schiff ist lange vorbei. Das können gar nicht mehr seine Wellen sein. Wind kommt auf und die Wellen werden größer. Schnell drehe ich das Kajak mit der Spitze in Richtung Zielufer und versuche, es gleichzeitig auch im rechten Winkel zu den Wellenkämmen zu halten. Jetzt sind die Wellen so hoch, dass wir nach jedem Kamm in richtige Wellentäler hineinfallen und für einen Augenblick nichts mehr von unserer Umwelt sehen. &quot;Gefahr!&quot; signalisieren mir meine Sinne. Alles in meinem Körper spannt sich an. Schnell versuche ich, meinen Sohn für die plötzliche Gefahr zu sensibilisieren, ohne es nach anfliegender Panik klingen zu lassen. Aber Felix macht das genauso konzentriert wie gestern seine kleine Schwester. Ich merke, dass ich es schaffe, das Kajak in Position zu halten. Meine Anspannung verfliegt. Nein, jetzt genießen wir sogar den Moment und reiten auf den Wellen! Klar, die Wellen laufen nicht gerade auf das Ufer zu. Wir müssen dem Schrägweg der Wellen folgen, aber das ist uns egal. Es macht plötzlich so einen Spaß! Auf jedem Wellenkamm schießen wir regelrecht nach vorn. Zwischendurch juchzen wir vor Freude. Wir erreichen die ruhigen Ufergewässer, wo Andy schon auf uns wartet. &quot;You guys had fun? I saw you riding the waves!&quot; Felix und ich grinsen nur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Und dann sind wir auch schon wieder am Orca Camp und lassen die Erlebnisse Revue passieren. Natürlich bei einem tollen Essen. Natürlich am prasselnden Strandlagerfeuer. Und natürlich wieder mit dem Schuss aus der Druckluftpistole: &quot;Cchhou!&quot; Diesmal etwas leiser. Etwa 150 Meter weit draußen ziehen die Orcas am Camp vorbei. &quot;Well, go for it!&quot;, sagt Andy. &quot;Nö&quot;, sagt meine Frau, &quot;genug für heute.&quot; Und mein Sohn stimmt ihr zu. Dann aber der Auftritt meiner Tochter Anna, die von ganz oben aus dem Beach Café angerannt kommt und brüllt: &quot;Papa! ICH will mit dir rauspaddeln!&quot; Ich kann meine Freude kaum verbergen. Das kleine Mädchen hat einen anstrengenden und aufregenden Tag hinter sich, war mitten beim Kartenspiel mit den anderen Kindern und es ist spät am Abend. Aber genau jetzt will sie da raus mit mir. Zu den Orcas! Spritzdecke anlegen? Ach, Zeitverschwendung! Dann werden wir halt nass. Markus hat übrigens das gleiche Glück mit seiner Tochter Helena - die Mädels halt! Und als eingespielte Teams sind wir inzwischen richtig schnell mit unseren Kajaks. Aber irgendwann müssen wir uns eingestehen, dass die Orcas einfach schneller sind als wir. Auf weniger als 50 Meter kommen wir nicht heran. Wir kehren um und paddeln gemütlich zurück. &quot;Ach, war aber trotzdem schön&quot;, trällert meine Tochter von vorn. Und Papa strahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Unser letzter Morgen im Orca Camp. Regenwald, Stille, Morgennebel unten am Pazifik. Das Feuer knistert, der letzte Orca Camp Coffee, ein bisschen schreiben. Wir haben noch ein paar Stunden Zeit, bevor uns das Water Taxi abholt und zurück nach Port McNeill bringt. Zeit, das Erlebte ein wenig einzuordnen. Ich bin so sicher wie nie zuvor, hier einen ganz besonderen Platz gefunden zu haben. Das Orca Camp ist ein magischer Ort. Vielleicht einzigartig auf dieser Erde. Das Erlebte gebietet Ehrfurcht, zwingt zur Demut und hat doch so großes Suchtpotenzial. Klar muss ich wiederkommen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Das Wassertaxi legt an und wir laden unser Gepäck auf. Das war&#039;s - das Abenteuer Orca Camp. Gerade sind wir mit dem Boot losgefahren, da tauchen sie noch einmal auf. Unsere Orcas! Sie schwimmen direkt am Heck vorbei. Wie zum Abschied. Wie einzigartig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Das letzte Wort soll mein Freund Andy haben. Kein offizielles Schlusswort zu dieser Reisegeschichte. Nur ein paar Email-Zeilen, die Andy mir schrieb, nachdem er meinen Orca-Camp-Bericht auf Facebook gelesen hatte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Hi Rainer, ich freue mich sehr, dass du meine Begeisterung fürs Camp teilst. Ich war in diesem Spätsommer ja noch einmal mit den Kindern dort. Und dann noch einmal zum Abbau. Da hatte ich die ersten zwei Tage nichts als Wind und Regen. Dafür war es danach umso herrlicher. Anbei zwei Fotos. Das erste war der letzte Sonnenaufgang im Orca Camp für diese Saison. Da hatte ich meinen Orca Camp Kaffee in der Hand und die Welt war in perfekter Ordnung! Beim zweiten Foto mache ich einen auf Ansel Adams (wegen schwarz-weiß). Das war der Trip mit den Kindern. Es war mucksmäuschenstill, ein herrlicher Morgen nach starkem Regen. Und auf einmal das Plätschern von hunderten Delfinen, die fünf Minuten lang direkt an unseren Kajaks vorbeizogen. Die jagten einen Heringsschwarm und über ihnen kreisten die Seemöwen und Weisskopfseeadler. You are right, it’s MAGICAL! Your friend, Andy &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Mehr Bilder, Videos und Infos zum Reisebericht unter:&lt;br /&gt;
Suchwort Orca Camp auf sktouristik.de&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;</description>
                <guid isPermaLink="true">https://www.kanadafieber.de/Nordamerika-Reiseberichte/Magische-Orte-Orca-Camp.html</guid>
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                <title>Ostkanada im Wohnmobil 0,00 €</title>
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                <pubDate>Mon, 12 Feb 2018 13:49:25 +0100</pubDate>
                <description>&lt;img src=&#039;https://www.kanadafieber.de/out/pictures/generated/product/1/700_490_75/ikk-niagara.jpg&#039; border=0 align=&#039;left&#039; hspace=5&gt;&lt;i&gt;Kunden-Reisebericht&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Ostkanada im Wohnmobil&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;i&gt;Die letzte Kanadareise in den Westen liegt vier Jahre zurück. Jetzt ist der Osten dran. Von Toronto soll es über Manitoulin Island, Ottawa, Montreal, Québec und Halifax bis nach Neufundland gehen. Vier Jahre haben wir gespart und etliche Monate an der Route gefeilt. Und jetzt geht es endlich los. &lt;br /&gt;Text und Fotos: Ivonne Keitel-Köhler&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Lucy hat Flugangst. Sie krallt sich beim Start an unsere Hände und wirkt ganz angespannt. Als wir dann unsere Reisehöhe erreicht haben und sich doch kein Vogel­­­schwarm in den Triebwerken verfangen hat, atmet sie hörbar auf und lässt sich den Rest des Fluges über vom Kinoprogramm ablenken. Wir landen wohlbehalten in Toronto, schnappen unser Gepäck und finden auch den Shuttleservice zu unserem Hotel. Die erste Hürde ist genommen. Wir sind da und können es noch gar nicht so richtig glauben. Da hat man sich monatelang auf diese Reise gefreut und alles vorbereitet und jetzt sind wir tatsächlich in Toronto!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir übernehmen unser Wohnmobil von Fraserway. Es bie­tet für uns drei genug Schlafmöglichkeiten und hat einen Slide-Out. Das Fahrzeug ist sieben Meter lang, über drei Meter hoch und hat ordentlich PS unter der Motorhaube. Nach einer gründlichen Einweisung vor Ort kann es endlich losgehen. Es liegen knapp 3200 Kilometer vor uns. Nach rund drei Kilometern ist die Fahrt allerdings erst einmal zu Ende. Wir müssen umkehren. Was ist passiert? Wir wurden an einer Ampelkreuzung von einem abbiegenden Truck touchiert. Dadurch ist unser Außenspiegel gerissen. Das war vielleicht ein komisches Gefühl, so kurz nach unserer Abfahrt wieder auf dem Hof des Vermieters vorzufahren. So, als hätte man was Wichtiges vergessen. Zum Glück war ein Rückspiegel auf Lager und konnte schnell eingebaut werden. Aber jetzt geht es los!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir fahren gelassen durch den Stau der sechs- bis achtspurigen Autobahn vor Toronto und bestaunen die Autoschlange. Ich finde vor allem die Trucks so faszinierend. Sven steuert unser Wohnmobil souverän durch diesen wahnsinnigen Verkehr. Ich bewundere ihn dafür. Und irgendwann erreichen wir den ersten Campground. Wir sind erschöpft und müde und wollen nur noch ins Bett fallen. Jetzt müssen wir aufpassen, dass die Stimmung nicht kippt. Der Jetlag macht sich bemerkbar.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Die Niagarafälle. &lt;br /&gt;Gigantisch, beeindruckend!&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am nächsten Morgen der erste Höhepunkt unserer Reise: die Niagarafälle. Wir fahren mit dem Bus. Die Haltestelle liegt idealerweise direkt am Campground. Das Wetter lässt sich nicht in die Karten schauen. Es ist nicht kalt, aber auch nicht wirklich warm. Eher diesig und trüb. Hoffen wir das Beste. Die Fahrt dauert ca. 30 Minuten. Und dann sehen wir sie, die Niagarafälle. Gigantisch, beeindruckend! Sven zückt die Kamera und will fotografieren. Da zeigt das Ding einen leeren Akku an und nichts geht mehr. Obwohl der Akku am Morgen noch voll war. Das darf jetzt nicht wahr sein, oder? Sven ist ver­zwei­felt und flucht. Da kommt mir eine Idee. Ich spreche einfach einen kanadischen Touristen an, der eine große Kamera um den Hals hängen hat. Ich schildere ihm die Situation und bitte ihn, uns zu fotografieren und die Bilder später per Mail an uns zu schicken. Luke, unser Retter, ist sofort einverstanden und wir treten zum Foto­shoo­ting an. Und Luke hält Wort und schickt uns die tollen Fotos, die belegen, dass wir an den Niagarafällen waren. Leider hält das Wetter nicht durch. Der Himmel wird immer grauer und es regnet. Wir werden pitschnass. Und in dem 4D Kino im Informationszentrum direkt bei den Niagarafällen händigt man uns zwar einen Regenumhang aus, aber der kann die Wassermassen, die während des Films auf uns herabregnen, nicht wirklich abhalten. Wir verlassen das Zentrum mit nassen Hosenbeinen und Schuhen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jetzt geht es durch einen Tunnel, um hinter die Fälle zu schauen. Es ist einfach nur fantastisch. Die Gischt spritzt einem schon von weitem ins Gesicht. Dann ein Lichtblick. Die Sonne lugt zwischen den Wolken hervor. Schnell zum Boot, das ganz dicht an die Fälle heranfährt. Wenn wir schonmal hier sind, dann machen wir auch das ganze Programm. Wieder reicht man uns ein Regencape. Wir stehen auf dem Boot und irgendetwas ist komisch. Warum spritzt es so stark? Ist das schon die Gischt der Fälle? Aber hier an der Anlegestelle? Nein, es regnet wieder. Genauer gesagt schüttet es wie aus Eimern. Und die Gischt tut dann ihr Übriges. Ich wünschte, im Badeanzug auf das Boot gestiegen zu sein. Es ist beeindruckend, so dicht an die Fälle heranzufahren, das Tosen zu hören und die unglaubliche Kraft des Wassers zu spüren. Wir verlassen das Boot wieder und sind jetzt nass bis auf die Knochen. Bis uns der nächste Bus zum Campground zurückbringt, trocknen wir uns in der Toilette notdürftig unter dem Händetrockner und warten dann in einem Souvenirshop auf die Abfahrt. Mit dem Wohnmobil geht es später weiter zum nächsten Campground, wo wir am Abend erschöpft aber glücklich ins Bett fallen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am nächsten Morgen geht es mit der Fähre nach Manitoulin Island. Die Insel liegt im Huronsee und gehört zur kanadischen Provinz Ontario. Sie ist mit ihren 2766 km² die größte in einem See gelegene Insel der Erde. Mir kommt es vor, als würden wir über ein großes Meer fahren und nicht über einen See. Auf Manitoulin Island gibt es schöne kleine Städtchen und noch viele weitere große und kleinere Seen. Diese Wasservielfalt kann man sich gar nicht vorstellen. Das muss man einfach sehen. Die Menschen sind überall sehr freundlich und hilfsbereit. So kommen wir mit unseren wenigen Englischkenntnissen gut zurecht. Das Wetter ist angenehm. Die Sonne scheint, ab und an weht ein Lüftchen, und wir hoffen, den Regen hinter uns gelassen zu haben. Sven und Lucy springen in den Manitou Lake, der direkt an unserem Campground liegt. Am Abend entzünden wir unser erstes Lagerfeuer und es gibt Würstchen und Marshmallows.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir fahren weiter zum Talon Lake; 300 Kilometer westlich von Ottawa. Heute übernehme ich das Steuer. Der Verkehr ist angenehm. Keine Hektik. Ich habe den Eindruck, dass sich 95 Prozent der Fahrer an die vorgegebene Höchstgeschwindigkeit halten. Sie könnten locker überholen, tun es aber nicht. Ich schätze mal, dass die Strafen hier in Kanada um einiges saftiger sind als in Deutschland, oder? Unser Campground liegt wieder direkt am See. Ich komme mit Dave, der den Campground leitet, ins Gespräch. Spontan lädt er uns zu einer Bootstour für den nächsten Morgen ein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Pünktlich erscheinen wir also am nächsten Tag auf der Bildfläche. Dave freut sich und es geht los. Die Sonne lacht und es weht ein leichter Wind. Das Wasser ist blau und klar. Wenn ich Dave richtig verstanden habe, ist der Talon Lake 16 Quadratkilometer groß und 65 Meter tief. Der See ist von Wald umgeben. Hier leben Wölfe, Füch­se, Elche und Schwarzbären. Und natürlich jede Menge Vögel. Leider erspähen wir kein wildes Tier am Ufer, so sehr wir unsere Augen auch anstrengen. Aber wir genießen die wunderschöne Natur. Dank Dave haben wir einen wunderschönen Flecken Erde gesehen. Von alleine wären wir dort nie hingekommen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir suchen seit zwei Tagen nach den blauen Tabs für die Toilette. Die Tabs zersetzen die Fäkalien und sorgen so für gute Luft. Ich fürchte, ich habe sie versehentlich weggeworfen. Also müssen neue her. Im Geschäft lassen sich solche Tabs nicht finden. So entscheiden wir uns für ein braunes Pulver, das hoffentlich denselben Zweck erfüllt. Auf der Packung steht was von RV. Wir sind zuversichtlich. Wir stellen fest, dass sich so kleine Pannen wie ein roter Faden durch unsere Reise ziehen. Als da wären der gerissene Außenspiegel, der leere Akku, die verschwundenen Tabs. Aber vermutlich sind solche Pannen wie das Salz in der Suppe. Ohne fehlt irgendwas. Man darf gespannt sein, was noch so kommt.&lt;br /&gt;Mittlerweile sind wir auf einem Campground vor den Toren Ottawas. Hier stürzen wir uns auf das WIFI und senden Nachrichten nach Hause. Lucy ist für jede WLAN-Minute dankbar. Sie kann ohne YouTube nicht leben. Den heutigen Tag gehen wir ruhig an. Unsere Stellplatznachbarn laden uns am Abend an ihr Lagerfeuer ein. Jeder bringt etwas mit. Der Himmel über uns ist tiefschwarz, die Sterne funkeln, Grillen zirpen, ringsum ist Wald. Das Feuer knistert und es fliegen Funken in die Nacht davon. Am Lagerfeuer nebenan wird Gitarre gespielt und gesungen. Das ist Kanada. Dieser Abend ist einfach perfekt. Wir plaudern entspannt mit Gudrun und Grant. Lucy sitzt total entspannt in ihrem Campingstuhl, hält Marshmallows ins Feuer und erzählt, wie wir in Deutschland leben und wie es in der Schule ist. Jetzt kann sie ihre Englischkenntnisse live anwenden und erlebt in der Praxis, dass es sich lohnt, diese Fremdsprache zu lernen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir entscheiden, mit dem Bus nach Ottawa zu fahren. Man sagte uns, wir würden 15 Minuten bis zur Haltestelle laufen. Man sagte uns aber nicht, dass es keinen Fußweg gibt und es an der Kreuzung nicht ganz einfach sein würde, die Fußgängerampel zu erreichen. Das haben wir dann alles unterwegs festgestellt. Und aus den 15 Minuten Fußweg werden schnell 40 Minuten. Mein lieber Scholli. Aber wir haben es geschafft und den Bus erreicht. Wir wollen uns das Parlament anschauen und es dauert ewig, bis wir vor Ort durch die Sicherheitskontrollen gelangen. Überall steht Polizei. Da wir keine drei Stunden bis zur nächsten englischen Führung warten wollen, entscheiden wir uns für die französische. Wir murmeln ab und an ein &quot;oh&quot; und ein &quot;oui&quot; oder auch ein &quot;merci&quot;. Aber irgendwie haben die Leute wohl doch gemerkt, dass wir kein Wort verstehen und schon sind wir wieder in ein Gespräch verwickelt. Wo kommt ihr her, wo geht die Reise hin und an der Info gibt es bestimmt Material auf Deutsch für uns. Herrlich. Das Parlamentsgebäude ist ein beeindruckender Bau. Vor allem die Bibliothek ist sehenswert. Als wir das Gebäude verlassen, schüttet es wie aus Eimern. Mal wieder. Wir werden pitschnass. Das kennen wir ja schon. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Habe ich schon erwähnt, dass ich die alten Trucks so liebe? Die mit den riesigen Auspuffrohren links und rechts neben der Fahrerkabine. Die sehen einfach so genial aus – und die Schulbusse erst! Und ich liebe die Briefkästen, die am Straßenrand stehen, so wie man es aus den nordamerikanischen Filmen kennt. Manche Briefkästen sehen aus wie kleine Häuser. Like it so much!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir lassen Montréal links liegen und fahren dafür einen Tag später mit dem Bus nach Québec City rein. Québec hat eine wunderschöne Altstadt mit tollen Gassen. Hier macht das Shoppen Spaß. Lucy und mir haben es vor allem die Traumfänger angetan. Und hier in Québec steht dieses berühmte Hotel, dass Chateau Frontenac. Es musste schon ganz oft als Postkartenmotiv herhalten. Klar, dass es auch unsere Fotokulisse wird.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auf unserer Weiterfahrt zum nächsten Campground machen wir Halt in Wendake, einem Vorort von Québec. Dort besuchen wir ein First Nations Museum. Da wir um diese Zeit die einzigen Gäste sind, erhalten wir quasi eine private Führung und zu unserer Freude ist diese auf Englisch. Wir verstehen nicht alles, dafür reichen unsere spärlichen Englischkenntnisse einfach nicht aus. Dennoch erschließt sich einem irgendwie der Sinn des Gesagten. Die Frau, die uns führt, gehört zu den First Nations. Sie gibt uns eine Kostprobe ihrer Stammessprache. Es ist faszinierend, dies zu hören und wie flüssig die Worte aus ihrem Munde kommen. Sie zeigt uns ein Kanu, welches von ihrem Großvater noch traditionell in Handarbeit gefertigt wurde. Nach der Führung im Museum geht sie mit uns in ein sogenanntes Longhouse. Ein Haus, in dem vor vielen Jahren die First Nations lebten. Es ist ca. 25 bis 30 Meter lang, hat 3 Feuerstellen und überall liegen Tierfelle. In einem Haus wohnten damals drei bis sechs Familien eines Clans. In einem Dorf lebten etwa 2000 Menschen, verteilt auf etwa 18 bis 20 Häuser. Das Dorf war von einem Schutzwall aus mehreren tausend dünnen Pfählen, die nach oben hin spitz wurden, umgeben. So sollte es vor wilden Tieren und anderen Feinden geschützt werden. Wir sind begeistert, das Dorf so originalgetreu zu sehen. Dieser Ausflug hat sich gelohnt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sechs Kilometer östlich liegt der Canyon St. Anne, eine malerische Schlucht mit Wasserfällen. Hier machen wir Halt und laufen eine Stunde lang auf Pfaden und Brücken durch und über den Canyon. Die Landschaft ist einfach fantastisch. Weiter geht es in Richtung New Brunswick. Dafür setzen wir mit der Fähre über den St. Lorenzstrom. Die Überfahrt dauert 90 Minuten und kostet uns 130 Euro! Uns hat es bald hinten rum gehauen. Der Preis wird nach Personenzahl und Fahrzeuglänge berechnet. Das wurde vor Ort mit Maßband abgemessen. Unser Wohnmobil ist 7,20 Meter lang. Das wissen wir jetzt quasi ganz genau. Überhaupt sind Benzin, Lebensmittel und Eintrittspreise hohe Kostenfaktoren. Das sollte man wissen und kalkulieren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In Hartland, New Brunswick, bestaunen wir die längste überdachte Brücke der Welt. Sofort erinnere ich mich an den Film &quot;Brücken am Fluss&quot; mit Meryl Streep und Clint Eastwood. Hach ja! Die Brücke hier ist 391 Meter lang und geht über den St. John River. Und an eben diesem Fluss liegt unser nächster Campground. Am nächsten Tag lassen wir uns ins 19. Jahrhundert zurückversetzen. Wir sind in King‘s Landing, einem historischen Dorf. Ein so genanntes Heritage. Dort kann man die Häuser besichtigen, dem Dorfschmied über die Schulter schauen und sich mit der Dorflehrerin unterhalten. Bevor sich Lucy auf die Schulbank setzen darf, muss sie der Lehrerin ihre Hände vorzeigen. Sind sie auch sauber? Die Bewohner schlendern in historischen Gewändern durch das Dorf. Wir wohnen sogar einer Gerichtsverhandlung bei. In einem Krämerladen erklärt uns ein Herr der damaligen Zeit, mit welchen Waren er handelt. Da ich den Eindruck habe, dass er auf Sätze, die wir drei unter­einander austauschen, reagiert, frage ich, ob er deutsch spricht. Tut er. Und gebürtig kommt er aus Nürnberg. Hey, da wohnen wir! Jetzt gibt es kein Halten mehr und er wird mit Fragen bestürmt. Zum ersten Mal verstehen wir mühelos, was uns erklärt wird. So klein ist die Welt.&lt;br /&gt;Auf der Weiterfahrt am nächsten Tag machen wir Halt in Halifax in Nova Scotia. In der Altstadt spazieren wir am Wasser entlang und essen erst einmal eine ordentliche Portion Fish &amp; Chips. Heute ist es sehr warm. Zum Glück weht ab und an ein leichtes Lüftchen. Hier in Halifax gibt es das Maritime Museum of the Atlantic, welches die Entwicklung der Segel- und Dampfschifffahrt zeigt. Eine besondere Attraktion des Museums ist die Titanic-Abteilung. Viele der Ertrunkenen wurden damals in Halifax beigesetzt. Wir schlendern weiter durch die Stadt und kommen an der Old Town Clock vorbei. Der Turm ist ein Geschenk von Prince Edward, Vater von Queen Victoria, an die Stadt Halifax. Das war 1803. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vor den Toren von Halifax erreichen wir den letzten Stellplatz unserer Wohnmobilreise. Am Folgetag sehen wir uns noch den Küstenort Lunenburg an. Und tags darauf geben wir dann das Wohnmobil nach über 3000 gefahrenen Kilometern in Halifax ab. Die Rückgabe verläuft reibungslos. Wir müssen zwar den Außenspiegel erst einmal bezahlen, werden das Geld dann aber später in Deutschland problemlos von der Versicherung erstattet bekommen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Von Halifax fliegen wir nach St. John&#039;s, Neufundland. Dort angekommnen, übernehmen wir unseren gebuchten Jeep. Das ist vielleicht ein schnittiges Ding. Noch richtig neu. Und der hat so ein tolles Rot. Die Fahrzeugübernahme verläuft kurz und schmerzlos. Wir haben noch nicht viel von der Insel gesehen, sind aber schon jetzt hin und weg. Allein die Unterkunft hier in St. John&#039;s ist so schnuckelig. Wir sind im Cantwell House B&amp;B. Und die Leute hier sind total nett. Wir haben schon wieder jede Menge interessante Gespräche geführt. Im Cantwell House gibt es einen Aufenthaltsraum mit Balkon und fantastischem Blick auf den Hafen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Yeah, das ist Neufundland, wie ich es mir vorgestellt habe: zerklüftet, rau, stürmisch. Ganz viel Wasser und Wald, bunte Häuser, wilde Buchten. Natur pur. Wir sind in Twillingate. Und auch hier sind die Menschen sehr hilfsbereit und freundlich. Heute sind es nur sieben Grad Außentemperatur! Und es hat den halben Tag lang geregnet. Böse Zungen behaupten, auf Neufundland regnet es 14 Monate im Jahr. Man könnte meinen, das Wetter wechselt stündlich. Und tatsächlich erleben wir Sonnenschein, Regen, dann wieder Sonne, dann Gewitter. Und das alles an einem einzigen Tag. Heute kommt noch ein unglaublich starker Wind dazu. Am Leuchtturm in Twillingate, direkt am Wasser, hat es uns bald umgeweht. Dabei haben diese Rauheit, die Natur, die Brandung und die Felsen einen unglaublichen Charme, eine tolle Atmosphäre. Das ist nicht jedermanns Sache. Aber da wir drei keine Sonnentypen sind und Hitze nicht so gut vertragen, sind wir hier genau richtig. Wir steigen auf den Leuchtturm, lauschen den Erklärungen des Wärters und dem Heulen des Windes, hören den Regen an die Fenster prasseln und genießen den Blick von oben. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Und plötzlich: &lt;br /&gt;Elchalarm!&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Unterkünfte hier sind klasse und zum Frühstück werden wir von allen Gastgebern verwöhnt. Kaffee, Tee, Saft, Obst, Müsli, Hot Chocolate, Eier in sämtlichen Varianten, hausgemachte Marmelade. Gestern erst gab es Blaubeerpfannkuchen und Bratwürste. Wir werden schneckefett nach Hause kommen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir verlassen Twillingate und fahren weiter zum Gros Morne Nationalpark. Und plötzlich: Elchalarm! Kurz vor uns ist eine Elchkuh über die Autobahn gelaufen. Und das am helllichten Tag. Zum Glück konnte Sven rechtzeitig bremsen und am Straßenrand anhalten. Da sehen wir dann auch, dass die Elchkuh ein Junges im Schlepptau hat. Dieses zögert allerdings und bleibt zurück. Wir warten noch eine Weile und hören das Junge nach der Mutter rufen und suchen. Auch die Mutter lässt sich auf der anderen Seite noch ein paar Mal blicken. Aber der Verkehr ist zu dicht. Wir vermuten, dass die Elchkuh später zu ihrem Jungen zurücklaufen wird. Und wir hoffen sehr, dass sie es schafft. In Gesprächen mit den Einheimischen hier wurde uns immer wieder von Unfällen mit Elchen erzählt. Auch Schilder am Straßenrand listen auf, wie viele Kollisionen es mit Elchen in diesem Jahr auf einem bestimmten Straßenabschnitt bisher gegeben hat. Die höchste Zahl, die wir gelesen haben, lautete 660! &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am nächsten Tag scheint die Sonne und wir fahren zum Western Brook Pond, einem Fjord im Gros Morne Nationalpark, ganz im Westen von Neufundland. Man kann mit einem Boot in den Fjord hineinfahren. Um zur Bootsanlegestelle zu gelangen, laufen wir drei Kilometer über Holzstege, die über Sümpfe führen. Man ist von Wasser, Wald und den Bergen umgeben. Ein unglaubliches Panorama. Wir fahren ans Wasser. Am Strand hält Lucy begeistert nach schönen Steinen und Muscheln Ausschau und findet sogar ein paar Korallen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zum Essen gehen wir in ein Restaurant in Rocky Harbor. Ich traue mich kaum zu sagen, was wir gegessen haben. Ich hatte einen deftigen Eintopf mit Kartoffeln, Karotten und Elchfleisch. Sven hatte Elchpizza. Es hat echt gut geschmeckt. Etwas herb, Wild halt. Zum Nachtisch habe ich mir noch ein Softeis gegönnt. Pfeif auf schneckefett! Das Bestellen ist für uns nicht so ganz einfach. Die Kellnerin stellt zu viele Fragen: Wie wollt ihr die Eier? Hart oder weich, Rührei oder Spiegeleier? Die Spiegeleier von einer Seite gebraten oder von zwei? Und wollt ihr Würstchen, Schinken oder Bohnen dazu? Vielleicht noch Käse und Tomaten? Soll Butter auf das Toastbrot oder wollt ihr lieber Bagels? Mit Körnern, Zimt oder einfach pur? Wollt ihr Marmelade dazu? Blaubeere, Erdbeere oder lieber Apfel? Soll auf den Burger Ketchup? Salat dazu? Oder lieber Pommes oder Kartoffelbrei? Und alles auf Englisch. Also, allein der Bestellvorgang ist ein Erlebnis. Wir haben echt jedes Mal das Wörterbuch neben der Speisekarte liegen. Aber bis jetzt hat es immer gut geklappt.&lt;br /&gt;Der Kreis schließt sich langsam. Morgen fahren wir nach St. John&#039;s zurück. Dort besuchen wir noch den Signal Hill. Der Signal Hill ist ein Hügel an der Nordseite der Hafeneinfahrt von St. John&#039;s. Wenige Kilometer südlich befindet sich der östlichste Punkt Nordamerikas, Cape Spear. Der Signal Hill ist mit einer Gedenkstätte, einem Besucherzentrum und den Wanderwegen eine der Attraktionen von St. John&#039;s. Wenn nicht gar die Attraktion. Aufgrund seiner strategisch wichtigen Lage gab es hier bereits in der Mitte des 17. Jahrhunderts Befestigungsanlagen. Der letzte Kampf des Siebenjährigen Krieges auf nordamerikanischem Boden wurde hier auf dem Hügel ausgetragen. Die bis dahin als &quot;The Lookout&quot; bezeichnete Anhöhe wurde vom britischen Oberst William Amherst in &quot;Signal Hill&quot; umbenannt, da von hier aus von einem Flaggenmast Signale für einlaufende Schiffe und in die Stadt gesendet wurden. Wir betreten also historischen Boden. Die Sonne scheint, aber es ist sehr windig. Der Atlantik leuchtet in wunderschönem Blau und wir haben von hier oben einen fantastischen Blick über die Stadt und den Hafen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Abends sitzen wir im Flieger nach Hause. Wir haben fünf Provinzen durchquert, drei Zeitzonen überschritten und knapp 5000 Kilometer zurückgelegt. Eine wunderschöne Reise mit vielen Erlebnissen, netten Menschen, schönen Städten, wilden Tieren (Robben, Wale, Elche, Weißkopfseeadler) und ganz viel Natur ist nun zu Ende. Auf der einen Seite ist es schade, dass der Urlaub vorbei ist. Auf der anderen Seite freuen wir uns aber auch wieder auf zu Hause, auf die Familie und unsere Freunde. Und ich sehne mich nach einer großen Scheibe frischem Roggenbrot. Oder Dinkelbrot. Nur kein Weißbrot.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unsere Freundin Anna empfängt uns daheim mit einem leckeren Essen. Wir sollen ihr unbedingt sofort von unseren Erlebnissen berichten. Und schon höre ich wieder das Tosen der Niagarafälle, sehe uns mit Gudrun und Grant am Lagerfeuer sitzen, fahre mit Dave über den Talon Lake, bestaune die Bibliothek im Parlamentsgebäude von Ottawa, sehe die Mink-Wale im St. Lorenzstrom, steige auf den Leuchtturm von Twillingate und spüre den starken Wind, der auf Neufundland weht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;i&gt;Von Kanadafieber gekürzter Text. Originaltext von Ivonne Keitel-Köhler und mehr Bilder: &lt;br /&gt;Suchwort Keitel-Köhler auf www.sktouristik.de&lt;/i&gt;</description>
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