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                <title>SK Touristik - Kanada. Leidenschaftlich./Kanada Reise/Reiseberichte/Kanadafieber 5Artikel</title>
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        <description>Artikel aus der Kategorie Kanadafieber 5</description>
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                <title>Nova Scotia Roadtrip 0,00 €</title>
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                <pubDate>Tue, 29 Oct 2019 10:38:01 +0100</pubDate>
                <description>&lt;img src=&#039;https://www.kanadafieber.de/out/pictures/generated/product/1/700_490_75/1_hennifranzi_peggyscove.jpg&#039; border=0 align=&#039;left&#039; hspace=5&gt;&lt;i&gt;Auf eigene Faust Nova Scotia erkunden? Das lassen wir uns nicht zweimal sagen! Im Mai 2018 entführen uns Leuchttürme, Traumstrände und bunte Holzhäuschen in die stimmungsvolle Welt Atlantik-Kanadas.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;i&gt;Text:&lt;/i&gt; &lt;b&gt;Franziska Middrup und Henrike Baum&lt;/b&gt; &lt;i&gt;Fotos:&lt;/i&gt; &lt;b&gt;Henrike Baum, Franziska Middrup und Tom Reissmann&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schon im Kanadafieber-Büro können wir uns das Grinsen nicht verkneifen, als sich herausstellt, dass wir Rainer und Markus auf die größte &quot;Tourismus-Messe&quot; Kanadas begleiten dürfen. Im Mai 2018 werden wir in Halifax auf unsere kanadischen Partner treffen, mit den verschiedenen Provinzvertretern ins Gespräch kommen und neue Partner und ihre Angebote kennenlernen. Als wäre das nicht schon spannend genug, dürfen wir uns rund um die Messe in Halifax eine Mietwagenreise zusammenschnüren. &quot;Nova-Scotia-Roadtrip&quot; - Henrike und Franzi unterwegs in der Atlantikprovinz. Wenn das nicht vielversprechend klingt!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;[Henrike] Endlich geht es los! Endlich wieder Kanada! Um 13 Uhr soll unser Flugzeug in Münster abheben. Eben noch schnell die letzten Sachen in den Koffer geworfen und schon mache ich mich auf den Weg zum SK-Blockhaus. Dort wartet auch schon Franzi auf mich. Gemeinsam geht es zum Flughafen Münster-Osnabrück, gemeinsam werden wir den bevorstehenden Road­trip durch Nova Scotia erleben. Und ich bin mir sicher: das wird super! Von Münster geht es über München und Montréal nach Halifax. Das heißt zwar zweimal umsteigen, aber jeder Stopp bringt Franzi und mich unserem Ziel ein Stückchen näher. Erst um Mitternacht landen wir in Halifax. Ein Glück, dass das Hotel direkt am Airport liegt. Ich bin unendlich müde, aber das &quot;Endlich-wieder-Kanada-Gefühl&quot; überwiegt und ich freue mich unheimlich auf die kommenden 10 Tage!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;[Franzi] Der Morgen startet mit den typischen Sekunden der Orientierungslosigkeit: &quot;Wo bin ich?&quot;. Dann schießt das Adrenalin durch meinen Körper. Ich bin in Kanada! Was für ein großartiges Gefühl. Beim Blick aus dem Fenster erhält die freudige Stimmung allerdings einen kleinen Dämpfer. Ich schaue vor eine dichte weiße Nebelwand. Moment mal - das haben Henrike und ich so aber nicht bestellt. Nun ja, dann bleibt wohl nichts weiter übrig, als optimi­s­­tisch zu denken und erst einmal ausgiebig zu früh­stücken. Während wir das Frühstücksbuffet des Alt Hotels plündern, kehrt unser Wetterglück zurück. Der Nebel löst sich auf und macht den Weg frei für die ersten Sonnenstrahlen des Tages. Damit ist der Startschuss gefallen. Henrike und ich sind uns einig: Sachen packen, Mietwagen aufnehmen und ab auf den Highway. Unser Nova-Scotia-Roadtrip beginnt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Henrike übernimmt das Steuer unseres schnieken SUV. Auf zu unserem ersten Ziel: Peggy&#039;s Cove. Das kleine Fischerdorf liegt eine knappe Stunde südwestlich von Halifax, direkt an der malerischen Atlantikküste Nova Scotias. Sein berühmter Leuchtturm bei nun strahlend blauem Himmel, kaum Menschen - das perfekte Fotomotiv. Und dazu frische Seeluft! Ich könnte stundenlang über die Felsen spazieren und mir den Wind um die Nase wehen lassen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zurück im Mietwagen studieren wir kurz die Straßenkarte. Die Entscheidung fällt nicht schwer - anstelle des Highways folgen wir weiterhin der schöneren Streck­­en­option: der Lighthouse Route. Die Straße schlängelt sich direkt an der Küste entlang und schenkt uns eine abwechslungsreiche Fahrt. Zu unserer Linken der Atlantik und zur Rechten bunte kanadische Holzhäuschen. Immer wieder überkommt mich das Bedürfnis, die Bilderbuchlandschaft mit der Kamera festzuhalten. Super-Sache - Henrike sieht das ganz genau so. Im Örtchen Lunenburg ist meine Speicherkarte also bereits voll mit Fotos von kleinen Buchten, schnuckeligen Fischerorten, zahlreichen Sandstränden. Postkartenmotive en masse.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Während wir Lunenburg erkunden, beschleicht mich das Gefühl, dass die schöne Ortschaft wohl noch nicht ganz aus dem Winterschlaf erwacht ist. Das Fischereimuseum ist noch geschlossen, die Blue Nose II versteckt sich zur Zeit in der Werft und dem ansonsten ja so farbenfrohen Küstenstädtchen fehlt es ein wenig an Lebendigkeit. Aber man spürt trotzdem, dass man sich hier in Lunenburg so langsam auf die trubeligen Sommermonate vorbereitet. Doch egal zu welcher Zeit: Ein Besuch der charmanten Hafenstadt sollte auf keiner Reise durch Nova Scotia fehlen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und weiter geht es auf der Lighthouse Route. Bei East La Have entdeckt Henrike eine besonders praktische Abkürzung. Anstatt der Straße entlang der ausgedehnten Bucht zu folgen, setzen wir mit der Fähre nach La Have über. Eine gelungene Abwechslung - Daumen hoch! Das dritte Tagesziel fest im Blick, müssen wir uns leider ab dem Örtchen Liverpool von der Küstenstraße verabschieden und kehren dem Atlantik vorerst den Rücken zu. Etwa 70 Kilometer im Landesinneren wartet der Kejimkujik-Nationalpark auf uns. Zwar startet auch hier erst Ende Mai die Sommersaison, aber die Tore sind dennoch geöffnet. Wir nutzen die letzten Sonnenstrahlen unseres ersten Roadtrip-Tages für eine kleine Erkundungstour durch den Park. Und siehe da, auch ein Reh begegnet uns auf dem abendlichen Ausflug. Zum Sonnenuntergang suchen Henrike und ich uns ein gemütliches Plätzchen. Für einen Moment sind wir beide ganz still. Ich schließe die Augen und lausche dem großen Grillenkonzert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In der Dämmerung erreichen wir unsere heutige Unterkunft: das Whitman Inn. Ruhig und inmitten der Natur liegt es nur etwa zwei Kilometer vom Kejimkujik-Nationalpark entfernt. Die liebevoll von einem deutschsprachigen Paar geführte Unterkunft ist also der ideale Ausgangspunkt, um den nahen Nationalpark zur Sommerzeit mit dem Fahrrad oder in Wanderschuhen zu erkunden. Auch per Kanu über die verschnörkelten Wasserwege zu paddeln ist sicherlich ein tolles Erlebnis. Beim Anblick der schnuckeligen Zimmer des Whitman Inn schaltet mein Gehirn fast automatisch auf Schlafmodus. Na dann mal gute Nacht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;[Henrike] Der nächste Tag beginnt früh. Dank des strahlend blauen Himmels und der morgendlichen Sonne brauche ich nicht einmal die Snooze-Funktion meines Handys - ich bin direkt hellwach. Das Frühstück verschieben Franzi und ich auf später. Wir sitzen schon gegen 9 Uhr wieder in unserem Mietwagen. Auf zum Kejimkujik-Nationalpark. Gut, dass es vom Whitmann Inn nur knapp 10 Minuten bis zum Parkeingang sind. Auf den Straßen ist noch niemand unterwegs und auch im Park kann ich nur ein paar Angler entdecken. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass hier im Sommer einiges mehr los ist. Wären wir nicht Anfang Mai, sondern im Sommer hier, würde ich vielleicht sogar spontan einen &quot;morning swim&quot; in einem der Seen hier in Erwägung ziehen. Beim nächsten Besuch dann! Also, weiter geht&#039;s - unser heutiges Hauptziel ist Brier Island.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auf dem Weg dorthin muss natürlich noch ein Frühstücks-Stopp eingelegt werden. Let&#039;s keep it Canadian - auf zu Tim Hortons in Digby. Frische Bagels und leckerer Kaffee bilden heute die Grundlage für unsere Weiterfahrt. Bevor wir ganz im Westen der Landzunge ankommen, stehen uns zwei Fährfahrten bevor. Von Digby setzen Franzi und ich erst einmal nach Long Island über. Kurze Zeit später dann mit einer weiteren Fähre hinüber nach Brier Island. Die Fähren sind so angepasst, dass man die 20 Kilometer auf Long Island zeitlich gut schafft. Wir überlegen uns also zweimal, ob wir für Fotostopps anhalten. Denn eine weitere Stunde auf die nächste Fähre warten wollen wir dann auch nicht. Die Überfahrten kosten jeweils sieben Dollar und dauern nur wenige Minuten, aber den Fahrtwind und die frische Luft genieße ich jedes Mal sehr. Augen zu und Nase in den Wind - genau so muss man Nova Scotia erleben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gefühlt treffen wir auf Brier Island mehr Leuchttürme als Menschen. Das eine oder andere Fischerbötchen tuckert vorbei, aber sonst wirkt die kleine Insel etwas verschlafen. Trotzdem: Ich finde, der kleine Fährausflug lohnt sich allemal!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zurück in Digby gebe ich das letzte Ziel für den heutigen Tag in unser Navi ein: Annapolis Royal an der Bay of Fundy. Das kleine Örtchen überrascht Franzi und mich mit charmanten Lädchen, einer schönen Waterfront und toller Fotokulisse am Fort Anne. Dank des lila-pinken Sonnenuntergangs entstehen super Fotos für unsere Kanadafieber-Facebookseite. Entlang der Küste sind in den Örtchen die für Kanada typischen &quot;Red Chairs&quot; aufgestellt - damit ist dann wohl das letzte Fotomotiv für heute gefunden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mit dem Bauch voll Seafood steuern wir satt und happy das Annapolis Royal Inn an - unsere Unterkunft für die heutige Nacht. Die Besitzerin ist sehr freundlich und teilt uns frisch renovierte Zimmer zu. Bis zum Sommer sollen alle Zimmer erneuert sein. Die Räume sind groß und sauber, mein Bett mega-gemütlich. Noch schnell die besten Schnappschüsse des Tages mit Franzi austauschen - dann heißt es für mich: Ab ins Land der Träume.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;[Franzi] Zwar muss mich mein Wecker heute Morgen aus dem Schlaf reißen, dafür fühle ich mich nach der warmen Dusche aber fit und erholt. Zum Frühstück gönnen wir uns Waffeln mit Ahornsirup. Tasty! Nach einem so gelungenen Start in den Tag ist die Stimmung super. Beste Voraussetzungen also für die bevorstehende Fahrt. Unsere Route sieht vor, dass wir durch das Annapolis Valley und entlang der Bay of Fundy bis zum Burntcoat Head Park fahren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Immer an der langgezogenen Bay of Fundy entlang sind wir unterwegs in Richtung Nordosten. Am Park angekommen, erkunden Henrike und ich die Umgebung rund um den vorgelagerten Felsen. Von hier aus soll man die Gezeitenunterschiede der Bay of Fundy ganz besonders gut beobachten können. Bei Ebbe sei sogar die vorgelagerte Felsformation zu Fuß über den Meeresboden erreichbar. Um ehrlich zu sein, kann ich mir das geschilderte Szenario noch nicht so wirklich vorstellen. Henrike winkt mich zu einer Infotafel mit zwei Fotos herüber - die eine zeigt den Fels bei Ebbe und die andere bei Flut. Okay, ich nehme alles zurück. Das ist krass - der Unterschied ist enorm. So gerne würde ich mir das Naturphänomen live ansehen. Aber ein Blick auf die Uhr verrät, dass wir damit bei der gerade einsetzenden Flut wohl unseren Zeitplan sprengen würden. Aber wie heißt es so schön? Es gibt immer ein nächstes Mal!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die nächsten Tage verbringen wir in Halifax. Drei Tage Business - die Pflicht kommt für uns mitten in der Kür. Mit unseren Chefs Rainer und Markus nehmen wir am &quot;Rendezvous Canada&quot; teil, der größten Tourismus-Messe Kanadas. Wir treffen wir auf viele bekannte Gesichter unserer Partner und knüpfen ebenso viele neue Kontakte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dann ist die Pflicht geschafft und Henrike und ich dürfen uns wieder der Kür widmen. Unser Flieger geht erst in ein paar Tagen zurück nach Deutschland und bis dahin bereisen wir nun auch noch den Norden von Nova Scotia. Die Route führt uns in den nächsten drei Tagen über das felsige und zerklüftete Cape Breton. Im Vorfeld der Reise habe ich mich mit meinen Kollegen und Kolleginnen im Büro unterhalten und bereits so viel Positives gehört. Ich bin unglaublich gespannt auf die raue Atlantikküste, und natürlich den weltbekannten Cabot Trail, eine der landschaftlich schönsten Küstenstraßen der Welt. Na dann mal nichts wie los - Cape Breton, wir kommen!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unsere heutige Etappe erfordert zunächst einmal gutes Sitzfleisch. Von Halifax bis zu unserem ersten Stopp am Bras d&#039;Or Lake sind es gut vier Stunden Fahrt. Da ist es ganz gut zu verkraften, dass das Wetter sich am Morgen noch eher verhalten zeigt. Passend für den Besuch der Eskasoni First Nations hört es zum Glück auf zu regnen. Die Eskasoni sind heute im Osten Cape Breton Islands angesiedelt und gehören zum Stamm der Mi&#039;kmaq. Auf einem gut zwei Kilometer langen Weg über die kleine Insel Goat Island nehmen die Eskasoni First Nations Interessierte mit auf eine kulturelle Reise durch ihre Traditionen und die Geschichte ihrer Vorfahren. Wir nehmen an einer Smudging Ceremony teil, lernen einen traditionellen Tanz und backen ein Stockbrot. Außerdem bringt uns der sympathische Tourguide die Jagdtechniken seiner Vorfahren näher, bevor wir zum Abschluss der Tour traditionelle Speisen wie Fischfrikadellen und Kuchen mit Melasse kosten dürfen. Ein rundum gelungener Besuch.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Next Stop: Louisbourg. Am späten Nachmittag erreichen wir die Point of View Suites. Der Name ist Programm. Mit direktem Blick auf das Meer mache ich es mir in meinem geräumigen Zimmer gemütlich. In der Ferne ist sogar das Fortress of Louisbourg zu erkennen. Für uns heißt es aber jetzt erst einmal Abendessen fassen. Lecker-schmecker - ich entscheide mich für den fangfrischen Heilbutt mit Kartoffelpüree und Gemüse. Sehr empfehlenswert. Gesättigt und rundum glücklich verziehe ich mich in mein Zimmer und kuschle mich in das bequeme Bett. Gute Nacht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;[Henrike] Ich habe die Augen noch nicht ganz geöffnet und doch kann ich den noch leicht verschlafenen Blick auf den Atlantik werfen - vom Bett aus - geht&#039;s denn besser? Stünde heute nicht einiges auf dem Programm, würde ich wohl einfach erst einmal liegenbleiben und die Hummerfischer in ihren kleinen bunten Bötchen beobachten. Aber Franzi und ich haben noch viel vor!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unser erster Stopp: das Fortress of Louisbourg. Parks Canada gibt uns eine echt spannende Führung! In den Sommermonaten sind zahlreiche Schauspieler auf dem Gelände unterwegs und bringen das Fortress zum Leben. Die früher von den Franzosen als Militärstützpunkt erbaute Festung versetzt mich für ein paar Stunden zurück ins 18. Jahrhundert. Von Kanonen über Festungsmauern bis hin zu Werkzeugen und Kochutensilien - die detailreiche Aufmachung macht den Besuch zum besonderen Erlebnis. Wir speisen sogar wie die Festungsbewohner von damals: Ein einzelner Löffel für Suppe, Fisch und Kaffee - Challenge accepted! &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mit kurzen Zwischenstopps in Sydney - klar, ein Foto mit der größten Geigen-Statue der Welt darf natürlich nicht fehlen - und am Gaelic College in Englishtown folgen wir dem Cabot Trail entlang der rauen Atlantikküste gen Norden. Auf in die Cape Breton Highlands! Die Straße führt uns in Serpentinen höher hinauf und schenkt uns  immer wieder traumhafte Ausblicke auf das Meer. Der Atlantik schimmert dunkelblau - wunderschön! Ja, man sollte sich sicherlich mehr Zeit für Cape Breton nehmen als wir auf diesem Trip, aber die Fahrt ist unglaublich beeindruckend und ich genieße jede Minute.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bei einmal mehr strahlend blauem Himmel erreichen wir unsere heutige Unterkunft. Schon von außen wird mir klar, dass die Keltic Lodge etwas ganz besonderes ist. Beim Betreten der Zimmer fehlen mir dann doch kurz die Worte. Geräumig, gemütlich und ein grandioser Ausblick. Die Lodge liegt direkt an der Steilküste und aus dem Zimmer haben wir die freie Sicht auf das tiefblaue Meer. Traumhaft schön! Ein kurzes Handyvideo wird direkt an die Liebsten zuhause geschickt - so etwas Beeindruckendes muss ich einfach sofort teilen. Bei einem Glas Wein, gutem Essen und dem Sonnenuntergang beschließen wir den Tag. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;[Franzi] Es gibt die Morgende, an denen das Aufstehen schwer fällt. Und die, an denen man beim Aufwachen sofort motiviert und hellwach ist. Heute gilt für mich Letzteres. Noch eingekuschelt im Bett habe ich wohl den besten Blick auf die Küste Cape Bretons und das endlose Meer. Ich möchte die Zeit anhalten und noch ein paar Tage in der Keltic Lodge verbringen. Ein bisschen widerwillig packe ich meinen Koffer, wobei ich mich zugegebenermaßen recht häufig von den Fischerbooten auf Lobsterfang ablenken lasse. Aber es wird langsam Zeit, denn der Tag hat noch einiges zu bieten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nach einem ausgiebigen Frühstück in der Lodge starten wir in Richtung Skyline Trail. Vom Start der Wanderung bis zu einem der höchsten Aussichtspunkte der Cape Breton Highlands sind es gut drei Kilometer. Der Weg führt durch den Wald und weiter auf einem Holzsteg bis hin zur Plattform hoch über dem Ozean. Besonders reizvoll: Die Region ist ausgewiesenes Elch-Territorium. Gespannt halte ich die Augen offen und wandere aufmerksam über den Trail. Immer in Erwartung, eventuell einen Elch erspähen zu können. Begleitet werden wir auf der Wanderung durch einen Guide von Parks Canada. Er erzählt uns, dass er hier bereits auf etliche Elche getroffen ist - aber für uns gilt heute leider: Kein Elch in Sicht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Apropos Sicht: Die Aussicht vom Skyline Trail ist phänomenal! Zur Linken schlängelt sich in der Ferne der Cabot Trail entlang der Küste. Und dann die unendliche Weite des Atlantiks! Es ist an der Zeit, für einen Moment die Augen zu schließen, tief einzuatmen und das Hier und Jetzt innerlich aufzusaugen. It can&#039;t get much better than this! Mit einem Haufen Fotos im Gepäck treten wir den Rückweg an. Allerdings erweist uns kein Elch die Ehre. Henrike und ich sehen es positiv - ein weiterer guter Grund, um wiederzukommen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wandern macht hungrig. Der Lunch-Stop bei Le Gabriel in Chéticamp ist der richtige Ort, um die Batterien wieder aufzuladen. Und schon geht es weiter nach Baddeck zum Inverary Resort. Am Westufer des Bras D&#039;Or Lake gelegen, verteilen sich die verschiedenen Unterkünfte des Resorts über ein weitläufiges Gelände. Am Nachmittag schmieden wir Pläne für unseren letzten Roadtrip-Tag.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;[Henrike] Der letzte Tag ist angebrochen. Beim Blick in die grauen Regenwolken weiß ich wirklich zu schätzen, wie viel Glück wir in den letzten Tagen mit dem Wetter hatten. Ich packe meinen Koffer und verlasse das Inverary Resort. Wir machen uns auf den Weg zur Alexander Graham Bell National Historic Site. Die von Parks Canada durchgeführte Tour bringt uns nicht nur Bells erfinderische Seite, sondern - wie sollte es für einen Erfinder auch anders sein - seine liebevolle chaotische Seite nahe. Er scheint ein besonders sympathischer Charakter gewesen zu sein, der gemeinsam mit seiner Familie viele Jahre in Nova Scotia gelebt hat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;[Franzi und Henrike] Auf der Rückreise nach Halifax haben wir Zeit, das Erlebte und die Highlights unseres Nova Scotia Roadtrips Revue passieren zu lassen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Atlantikkanada ist auf seine eigene Art ganz besonders. Ein tiefblauer Atlantik, malerische Häfen, bunte Holzhäuschen, abwechslungsreiche Natur und zahlreiche Leuchttürme. Jede unserer Unterkünfte hat uns gefallen. Wie die Geschichten der Menschen, auf die wir während unseres Roadtrips treffen. Eine rundum gelungene Reise und ein unvergessliches Erlebnis für uns.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zurück in Halifax scheint Kanada uns nur schweren Herzens gehen lassen zu wollen - es regnet noch immer. Nicht traurig sein Kanada, wir kommen bald wieder. See you soon!</description>
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                <title>Forestry Trunk Road II 0,00 €</title>
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                <pubDate>Wed, 11 Sep 2019 13:06:48 +0200</pubDate>
                <description>&lt;img src=&#039;https://www.kanadafieber.de/out/pictures/generated/product/1/700_490_75/1_ftr-rsf-cargravel-quer(1).jpg&#039; border=0 align=&#039;left&#039; hspace=5&gt;&lt;i&gt;Hier ist kein Mensch. Obwohl es so schön ist. Obwohl ich hier direkt auf die Rocky Mountains blicke. Immer tiefer dringe ich in die Einsamkeit der Foothills ein. Die Straße ist nun eher eine Dirt Road. Es bleibt dabei: Man muss schon etwas abenteuerlustiger und risikofreudiger sein, um nicht verkehrt zu sein auf diesem Teil der Forestry Trunk Road in Alberta.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;i&gt;Text und Fotos:&lt;/i&gt; &lt;b&gt;Rainer Schoof&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ankunft in Hinton, Alberta. Die Berge, auf die ich blicke, sind dieselben, die man auch von Jasper aus bewundert. Mich überrascht die Infrastruktur des kleinen Örtchens: Jede Menge gute Hotels, einige vielversprechende Restaurants - und nichts los. So, wie ich es liebe. Ja, warum eigentlich nicht auf einer Mietwagenrundreise hier absteigen und Ausflüge in die Nationalparks unternehmen? Eine Überlegung am Rande - für Insider. Denn das ist auf diesem Scouting-Trip nicht mein Ziel. Ich möchte die Forestry Trunk Road unter die Räder nehmen - endlich! Um viel Neuland zu entdecken, vor allem Camper-Neuland. Und zwar auf dem Teilstück der Route 40, das ich noch nicht kenne: Von Hinton bis zur Einmündung auf die Route 11, die den Icefields Parkway in den Rockies mit der Ortschaft Rocky Mountain House verbindet. Lange schon wollte ich mich hier auf die Suche nach neuen Camp-Alternativen für die etwas abenteuerlustigeren Wohnmobilkunden von SK Touristik machen. Gut, zugegeben, auch für mich selbst. Und jetzt ist es soweit!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zunächst lockeres Anrollen auf der Route 40, die noch ein gutes Stück in Südrichtung asphaltiert ist. Aber schon jetzt bin ich völlig allein. Überhaupt kein Problem, irgendwo das Auto einfach mitten auf der Straße stehen zu lassen, um ein paar Aufnahmen zu machen. Es kommt ja einfach keiner! Und spätestens, wenn der erste Schotter unter den Reifen abrollt, fühlt man sich wie mitten in der Wildnis! Zu meiner Rechten immer die thronende Silhouette der Rocky Mountains. Ja, der Hauptkamm der Rockies liegt direkt neben mir. Einmal über die vor uns liegenden Gipfel rübergesprungen und ich würde schon fast hinunter auf den Icefields Parkway purzeln. Dorthin, wo man sich inzwischen im Sommer genau überlegen muss, wann man am Campground ankommt - und diesen am besten auch schon vorreserviert hat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tja, und hier ist kein Mensch. Und das, obwohl es so schön ist. Obwohl ich hier direkt auf die Rocky Mountains blicke. Und wenn dann eine Herde Wapitis die Straße quert, dann wird das für mich zum echten Erlebnis! Ganz anders, als wenn ich die Hirsche so häufig auf dem Whistlers-Campground in Jasper sehe. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Immer tiefer dringe ich in die Einsamkeit der Rocky Mountain Foothills ein. Die Straße ist nun eher eine Dirt Road als eine Gravel Road. Wahrscheinlich aber auch aufgrund des nicht ganz so guten Wetters in den Vortagen. Es bleibt dabei, man muss schon etwas abenteuerlustiger sein, um nicht verkehrt auf dieser Straße zu sein. Heute ist sie aber echt gut zu befahren. Ich erwische meine Tachonadel einmal fast auf der 100 - ok, das ist zu schnell, auch für den SUV mit Allrad. Das muss nicht sein. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rechts und links fallen mir an Bächen, Flüssen und Seen unzählige Möglichkeiten zum Wildcampen auf. Häufig sind sogar schon Feuerstellen aus Steinen zusammengetragen. Und ja, selbst wenn man nur ein paar Meter von der Straße entfernt campen würde - macht doch nichts. Hier kommt doch eh keiner vorbei! Es ist wieder einer dieser Momente, in denen ich hier und jetzt und ohne zu zögern meinen SUV gegen ein Wohnmobil eintauschen würde.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Um einfach irgendwo hier stehenzubleiben, am Fluss ein bisschen zu angeln, das Feuer anzuzünden und einfach nur die Einsamkeit zu genießen. Tja, nicht heute. Aber bald, das verspreche ich mir!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neben ungezählten Plätzen zum wilden Campen gibt es auf diesem Stück der Route 40 aber auch richtig schöne und &quot;offizielle&quot; Campingplätze. Hier, außerhalb von National- bzw. Provinzparks, nennt Alberta sie &quot;Provincial Recreation Areas&quot;. Etwas wildere Campgrounds, wenn man so will. Aber man hat seinen eigenen, klar definierten und einplanierten Stellplatz, seinen Picknick-Tisch, eine Feuerstelle und es gibt Feuerholz, Toiletten und bärensichere Mülltonnen. Also, alles da, was man so braucht. Insgesamt sechs dieser Provincial Recreation Areas nehme ich unter die Lupe auf den etwa 175 Streckenkilometer zwischen Hinton und der kleinen Ortschaft Nordegg an der Route 11. Und am Ende bin ich mir sicher, dass man auf diesen &quot;nur&quot; 175 Kilometern problemlos eine ganze Woche verbringen kann. Oder mehr! Immer mal wieder ein paar Kilometer weiterfahren und wieder verweilen. Zum Angeln, Wandern oder Relaxen in der Einsamkeit. Ein wahrer Weg in die Wildnis, dieser Teil der Route 40!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und allein die Provincial Recreation Areas bieten schon jede Menge Abwechslung. Die am Lovett River hat Stellplätze auf einer Art Can­yon-Anhöhe. Die am Brown Creek liegt mitten neben einem kleinen Bergbach. Die am Pembina River hat einen ernstzunehmenden Fluss in direkter Nachbarschaft und die am Fairfax Lake liegt sehr schön angelegt am Uferhang eines großen Sees. Besonders gefällt mir der kleine Campground am Brazeau River. Vor allem, weil der Fluss mächtig viel Silt transportiert und daher so herrlich türkis-blau schillert. Genau wie der Athabasca River am Icefields Parkway. Nur, dass man diesen Fluss ganz für sich allein hat! Unter der Straßenbrücke kann man durchfahren (Vorsicht Wohnmobilhöhe!) und gelangt zu weiteren wilden Stellplätzen am Fluss. Ein Traum! Aber ich muss ja weiter. Leider. Ich habe ja kein Camping-Equipment dabei.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was mich wirklich überrascht, ist die vorhandene Infrastruktur auf diesem Teilstück der Forestry Trunk Road. Nicht nur, dass die mehrheitlichen Schotteranteile der Straße in einem durchweg guten Zustand sind. Nein, die Menge der Campgrounds hat mich überrascht. Sechs offizielle Provincial Recreation Areas direkt an der Route 40 - und jede einzelne komplett leer. Genau wie die Straße selbst. Und das jetzt, Ende August, also noch mitten in der Hauptreisezeit. Zählt man nun noch die Recreation Areas hinzu, zu denen man von der Route abzweigen und noch einmal einige Kilometer extra fahren muss (übrigens alles ausgeschildert), bekommt man eine Idee von den Möglichkeiten in diesem touristisch eigentlich ja noch völlig unbekannten Areal östlich des Rocky-Mountain-Hauptkamms. Ich selbst kann es kaum erwarten, mit einem Wohnmobil und viel Zeit wieder herzukommen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am Abend erreiche ich die Einmündung auf die Route 11 und mache mich auf die letzten schnellen 90 Asphaltkilometer nach Rocky Mountain House. Witzig eigentlich - das ist ja noch einmal die Hälfte meiner auf der Forestry Trunk Road zurückgelegten Strecke. Und trotzdem geht es so viel schneller. Asphalt und überhaupt kein Verkehr. Die untergehende Sonne in meinem Rücken taucht die einsame Landschaft in ein so herrlich warmes, wunderschönes Licht. Ist eigentlich auch eine Traumstraße, diese Route 11. Aber das ist eine neue Geschichte. Von einem anderen Weg in die Wildnis.</description>
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                <title>Churchill im Arktissommer 0,00 €</title>
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                <pubDate>Tue, 02 Aug 2022 11:09:56 +0200</pubDate>
                <description>&lt;img src=&#039;https://www.kanadafieber.de/out/pictures/generated/product/1/700_490_75/1_churchill-rsf-polarbearrests.jpg&#039; border=0 align=&#039;left&#039; hspace=5&gt;&lt;i&gt;Mann, endlich Arktis! So sehr hat es mich hierher an Manitobas Hudson Bay ge­­zogen. Und zwar genau jetzt – im Sommer! Wenn die Natur explodiert. Wenn alles grün ist und die Blaubeeren reifen. Wenn man die großen, weißen Bären schon von weitem sieht und die Belugas in Massen in die Bucht bei Churchill schwimmen. Wenn sich Erde, Fels und Ozean unter der Mitternachtssonne erwärmen und die Nächte unter dem Polarlicht magisch werden.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;i&gt;Text und Fotos:&lt;/i&gt; &lt;b&gt;Rainer Schoof&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Anflug auf das kleine Örtchen Churchill an der Hudson Bay ist spektakulär. Einige we­nige Straßen und Häuser werden von endloser Natur in die Zange genommen, von der weitläufigen Ozeanbucht im Norden und dem mächtigen Churchill River im Süden und Südwesten. Debbie und Gerald, unsere Driver­Guides von der Lazy Bear Lodge, erwarten uns schon in der kleinen Wellblechhalle, die sich &quot;Churchill Airport&quot; nennt. Und der kleine Bus parkt direkt vor dem Ausgang. Mit dem geht es direkt auf Orientierungsfahrt durch den Ort. Und ja, Churchill ist eine richtige kleine Gemeinde. Nicht wirklich vergleichbar mit anderen First-Nations-Siedlungen im hohen Norden Kanadas. Die Infrastruktur ist deutlich besser. Es gibt eine ansehnliche Schule, ein großes Gemeindezentrum, in dem es sogar ein Hallenbad geben soll. Ein Krankenhaus, mehrere Hotels und Bars, einen Supermarkt, ein Post Office, in dem man sich kostenlos einen Polarbären­stempel in seinen Reisepass stempeln lassen kann und nebenan einen Liquor Store. Nein, Churchill ist keine &quot;Dry Community&quot;, freue ich mich zugegebenermaßen. Dann darf&#039;s auch mal ein Weinchen oder Bierchen sein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Endlich Arktis! Subarktis, so muss man die Gegend um Churchill wohl eigentlich nennen. Zwar ist man in der Tundra, der vegetationsbezogenen Grenze der Arktis, doch die sogenannte Juli-10-Grad-Isotherme, also die imaginäre Linie, nördlich derer die Temperatur auch im Juli im Mehrjahresmittel 10 Grad nicht übersteigt, liegt noch ein Stück weiter im Norden. Und diese Linie wird gemeinhin als Beginn der Arktis angesehen. 15 Grad sind es heute, als ich zum ersten Mal einen Fuß in die Tundra der Hudson Bay setze. Also, gut: Subarktis.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In unserem Bus verlassen wir nun Churchill und fahren über eine holprige Schotterstraße hinaus zum Cape Merry, zur Mündung des Churchill River in die Hudson Bay. Ein spektakulärer Ort. 1749 wurde hier von den Briten ein Kanonen- und Schwarzpulver-Stützpunkt errichtet zum Schutz des Prince of Wales Forts, einer mächtigen Steinkonstruktion auf der gegenüberliegenden Flussseite. Genauer gesagt ist dieser Stützpunkt im Jahr 1749 an seine jetzige Stelle &quot;umgezogen&quot;, nachdem man bemerkt hatte, dass der einige Jahre zuvor und einige Meter weiter nördlich erbaute ursprüngliche Stützpunkt strategisch ungünstig war. Zu leicht hätten die Kanonen erobert und zum feindlichen Angriff auf das Fort genutzt werden können. Für den Umbau des ursprünglich im Jahr 1717 erbauten Holz-Forts hat man fast 40 Jahre benötigt - von 1731-1771. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Mündung des mächtigen Churchill River in die Bucht, die felsige Tundralandschaft, die endlose Weite in alle Richtungen und dann dieses Zwielicht - das Wetter kann sich nicht entscheiden, ob die Sonne scheinen oder es gleich einen ordentlichen Guss geben soll - die Szenerie wirkt fast mystisch. Und begeistert mich. Aber so richtig aus dem Häuschen bin ich, als ich begreife, dass die vermeintlichen Schaumkronen der Wellenkämme auf dem Churchill River in Wirklichkeit Belugas sind. Das gibt es doch gar nicht! So viele! Das Auge muss sie nicht suchen. Man muss nur auf eine Stelle gucken und binnen Sekunden tauchen dort einige Weißwale auf und wieder ab. Hammer! Na, das fängt doch super an! &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weiter geht es im Bus entlang an der wunderschönen und völlig einsamen Küstenlinie. Die Wege hier außerhalb des Ortskerns sind nur aufgeschottert. Alles andere macht angesichts der zu erwartenden Frostschäden keinen Sinn. Next Stop: &quot;Polar Bear Holding Facility&quot; - besser bekannt als &quot;Polarbärengefängnis&quot;. Bären, die den Menschen von Churchill gefährlich nahegekommen sind, werden eingefangen und hierhergebracht, um sie über 2-4 Wochen auszuhungern. &quot;Hier keine Nahrung&quot; soll die Botschaft sein. Angeblich hatte das Programm in den Anfangsjahren, als die gefangenen Bären hier noch gefüttert wurden, weitaus weniger Erfolg. &quot;Nachdem Sie mit dem Füttern angefangen hatten&quot;, erklärt und Guide Gerald grinsend, &quot;hatten sie im nächsten Jahr hier vor dem Gefängnis eine Polarbären-Warteschlange!&quot;. Nun, ich bin solchen Einrichtungen gegenüber eher skeptisch. Ich verstehe aber, dass die Menschen, wenn sie nun einmal hier sind, vor den Bären geschützt werden müssen. Und natürlich lache ich mit Gerald. Der langhaarige und teils ergraute Guide gehört der ethnischen Gruppe der Métis an, Nachfahren der frühen Pelzhändler und indianischer Frauen. Ich bin kein Freund des Wortes &quot;authentisch&quot;, aber bei Gerald würde ich eine Ausnahme machen. Als ich dann noch erfahre, dass dies hier nur eine Nebenbeschäftigung im Sommer für ihn ist und dass er eigentlich einen großen Kennel mit Schlittenhunden hat, passt alles ins Bild. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sein &quot;Sidekick&quot; (O-Ton Gerald) Debbie ist das krasse Gegenteil. Ein zartes Persönchen, die so gar nicht in den rauen Norden zu passen scheint und bei der das geschulterte Gewehr ganz und gar nicht so selbstverständlich wie bei Gerald wirken will. Aber Debbie scheint zu lieben, was sie tut. Und sie hat Ahnung von der Flora und Fauna der Subarktis - das merkt man. Bei jedem Stopp auf unserer Orientierungstour steht sie für Fragen zur Verfügung und sichert zugleich zusammen mit Gerald unaufdringlich das Gelände.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dann unsere Ankunft an der Lazy Bear Lodge. Schön, gemütlich. Einzigartig für eine Unterkunft im hohen Norden. Schon im Eingangs- und Rezeptionsraum fühlt man sich wie in einer urgemütlichen, kanadischen Berglodge. Nach links schließt sich die Lounge an, die genauso aussieht, wie sie aussehen muss: Gemütliche Sofas, warmes Licht vor heimeligem Holzambiente. Im Ofen knistert das Feuer und auf einer rustikalen Anrichte kann man sich einen leckeren Kaffee zapfen. An die Lounge schließt sich der zweigeschossige Trakt mit den Gästezimmern an. Langgezogener Gang, rechts und links die Zimmertüren. Wände und Decken mit raugesägten Holzbrettern überlappend verkleidet. Baumscheiben mit eingebrannten Nummern an den Zimmertüren. In dem warmen Holz-Ambiente reicht dann ein schlichtes braunes Ledersofa in der Mitte des Ganges, um auch einen rustikalen Lodgeflur wirken zu lassen. Und mir gefällt, dass sich dieser Stil auch in den Zimmern fortsetzt - bis hin zu dem aus einem Baumstamm geschnittenen Nachttisch. Der Lazy Bear Lodge gelingt es, die karge Schlichtheit des Nordens, die man ja erwartet und auch haben will, mit der Gemütlichkeit einer modernen Blockhaus-Lodge zu vereinen.&lt;br /&gt;Auch das &quot;Lazy Bear Café&quot; der Lodge ist ein echter Wohlfühlfaktor. Auf dem Namensschild lese ich am nächsten Morgen: &quot;Where hungry bears find good food!&quot; Stimmt: Das Frühstück wird als Buffet gereicht und es gibt alles, was man braucht. Vom Rührei mit Speck bis hin zu frischen Früchten, Quark und Müsli. Und an insgesamt fünf Abenden habe ich hier keine schlechte Mahlzeit serviert bekommen. Im Gegenteil, alles war ausgezeichnet! Natürlich isst das Auge auch mit und das herrlich gemütliche Ambiente der handgeschnitzten Möbel rund um den beeindruckenden offenen Steinkamin sind dem kulinarischen Erlebnis absolut zuträglich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als richtige Exkursionsbasis ist die Lazy Bear Lodge natürlich auch der Manager unserer Exkursionen. Der Informationspool, in dem die wechselnden Wind- und Wettervorhersagen, die Infos der Guides draußen und die Einschätzung der Bootsführer zusammenfließen. Alle Mitarbeiter draußen sind per Funk mit der Lodge-Rezeption verbunden - und der Funkverkehr ist rege. Hier erfahren wir, ob unsere jeweilig geplante Exkursion starten kann oder ob sie verschoben wird oder gar ausfallen muss. Und geplante Exkursionen gibt es so einige. Ganz grob kann man sie wohl in Exkursionen zu Land und zu Wasser einteilen. Zu sehen gibt es immer viel, aber die Stars dieser Natur- und Wildlife-Show sind natürlich die weißen Wale und die großen weißen Bären. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die &quot;Wassertrips&quot; stellen die Belugas in den Mittelpunkt. Beim Whalewatching im Zodiac verbunden mit der Fahrt hinüber zur anderen Seite des Churchill River, um das alte Fort Wales zu besichtigen. Oder im Kajak in den leichten Wellen der Bucht. Beeindruckend auch die lange Exkursion in der Hochseeyacht entlang der Küste der Bucht. Wally Daudrich, Inhaber der Lazy Bear Lodge, ist der stolze Captain dieses Bootes. Bei gutem Wetter fährt er bis hinauf zur Mündung des Seal River. Wir selbst sehen unglaublich viele Belugas! Vor allem die Muttertiere, die mit ihren eher gräulich gefärbten Kälbern immer wieder so synchron in den Wellen auf- und abtauchen, dass man meinen könnte sie wären miteinander verwachsen, haben es mir angetan. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Neugier der Belugas und der Wille zur Interaktion scheint allgegenwärtig. Das ist &lt;br /&gt;etwas Neues für mich. Das ist anders als bei den Orcas, wo mit etwas Glück auch Aktivität, aber letztlich kaum Interesse an den menschlichen Besuchern zu beobachten ist. Es berührt mich, wie sehr man offenbar von diesen weißen Walen wahrgenommen wird. Und wir hören sie. Mit einem Unterwassermikrofon lauschen wir live dem Mischmasch aus Pfeif- und Klicktönen. Die &quot;Kanarienvögel der Meere&quot; werden sie ja auch genannt. Jetzt weiß ich wieso.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nun aber auf zu den Polarbären. Auf zur Exkursion in die Küstentundra an Bord eines dieser mit Riesenreifen versehenen Spezialfahrzeuge. &quot;Arctic Crawler&quot; nennt die Lazy Bear Lodge ihre eigenen Fahrzeuge dieser Art. Mit dem Bus geht es zunächst hinaus aus Churchill, zur sogenannten &quot;Launch-Station&quot;. Eine Art Rampe, an der die großen Fahrzeuge rückwärts andocken und über die man mittels Treppe und Steg einfach in die ja so mächtig höhergelegten Gefährte gelangt. Und dann geht&#039;s los, gefühlt tatsächlich im &quot;Kriechtempo&quot; - der Name &quot;Craw­ler&quot; passt also. Aber die langsame Fahrt durch die Tundra ist beeindruckend, die Küstenlinie einfach ein Traum. Guide Gerald sitzt auch hier hinter dem Steuer. Auf die Frage, ob er hierfür einen besonderen Führerschein machen musste, schmunzelt er: &quot;Hmm, ich hab&#039;s halt einfach gelernt.&quot; So einfach ist das hier im Norden! Gerald bringt uns mit dem Crawler tief hinein in die Tundra, während Guide Deb uns mit allerhand biologischem und geographischem Wissen über das, was wir draußen sehen, versorgt. &lt;br /&gt;Das Highlight ist für mich, als Gerald den Motor abstellt, Deb die Klapptreppe am Heck hinablässt und wir alle mitten in der Tundra aussteigen dürfen! Ein bisschen dauert es, bis Deb das entscheidende &quot;OK!&quot; signalisiert. Vorher macht sich Gerald mit seinem Gewehr auf den Weg, klettert in die Felsen und sichert einen etwa 150 Meter großen Radius rund um unseren Crawler. Er selbst bleibt auf dem höchsten Felsen stehen und lässt den Blick permanent im Rund schweifen. Nein, hier beim Spaziergang durch die Tundra wollen wir wirklich nicht von einem Polarbären überrascht werden. Aber es ist schon ein komisches und zugleich bewegendes Gefühl, hier nun so völlig ohne Gräben und Zäune eigene Schritte im Reich des großen Polarbären tun zu können. Und dann entdecken wir auch prompt ein untrügliches Zeichen seiner Anwesenheit: frische Polarbärenlosung. Ähnlich wie beim Grizzly: voller Beeren. Klar, die Blaubeeren sind gerade reif und stehen bei den Polarbären ganz oben auf dem Speiseplan. Gefolgt von Karibu - die Überreste eines Kadavers haben wir schon auf der Hinfahrt erspäht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Sonne kommt heraus. Ihre SpätaugustStrahlen haben noch richtig Kraft und ich muss meine Jacke ausziehen. Wir genießen das leckere Sandwich, das bereits in der Lodge für uns zubereitet wurde. Auf dem Weg zurück lasse ich noch einmal das Küstenpanorama auf mich wirken - hinten im &quot;Cabrio-Stehbereich&quot; des Arctic Crawler. Wunderschön. Diese Einsamkeit - und man hat sie für sich ganz allein! &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Plötzlich große Aufregung! Gerald hat den Bus gestoppt. Er hat tatsächlich einen der weißen Riesen in den Felsen am Wegesrand erspäht. Eine Mutter mit Jungtier. Unsere ersten Polarbären aus der Nähe. Ganz friedlich liegen sie da. Das Kleine spielt zufrieden um seine Mutter herum. Nochmal für mich selbst zur Erinnerung: Das sind Polarbären! Das größte Land­raubtier der Erde! Einfach nur großartig!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zurück an der Lodge erfahren wir, dass unsere Bootstour am Nachmittag aufgrund des Wellengangs auf den nächsten Morgen verschoben wurde. Gut, aber was machen wir jetzt? Es ist doch noch viel zu schön draußen. Es windet zwar auf, aber die Sonne scheint noch zwischen den Wolken durch und taucht alles in ein stimmungsvolles Licht. Gibt es in Churchill nicht einen Taxi-Service? Eigentlich erwarte ich auf diese Frage an der Rezeption schallendes Gelächter, aber der junge Mitarbeiter grinst mich an - und nickt! Ja, gibt es und die Taxifahrer wären auch darauf vorbereitet, Rundfahrten rund um Churchill anzubieten und durchzuführen. Super, her mit dem Taxi! Ob es in 10 Minuten passt? Natürlich! Schnell springe ich hoch ins Zimmer und schnappe mir die Kamera.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unverhofft kommt oft: Die vermeintliche Notlösung entwickelt sich zum Glücksfall! Pünktlich fährt Leonore mit ihrem Taxi vor. Sie ist über 70 und ihr roter SUV ist sicher nicht das letzte Modell, scheint aber fahrtüchtig. Leonore ist ein echtes Churchill-Original! &quot;Yessir, born and raised in Churchill, Manitoba&quot;, beantwortet sie nicht ohne Stolz meine Frage. Und ja, sie fährt auch raus aus Churchill. Mit dem Taxi durch die Tundra. Viel abgefahrener geht es nicht.&lt;br /&gt;Und los geht die Fahrt - ja, hier vorn habe sich vor ein paar Tagen noch ein Polarbär mitten im Dorf gesonnt. Aber dann fahren wir hinaus in die Tundra, über die Schotterpisten. Leonore zeigt uns, wie die Leute außerhalb des Ortes leben und wo zuletzt ein Polarbär eingebrochen ist. Sie erzählt uns, wie ein kleines Schweinezucht-Experiment von den Polarbären beendet wurde und dass es keinen Sinn macht, im Winter auf der Veranda Vögel zu füttern, da irgendwann neben den gefiederten Freunden auch die mit dem weißen Fell auftauchen.  Eine Geschichte folgt der nächsten. Ich hänge an Leonores Lippen und lasse gleichzeitig den Blick in diese herrlich einsame, endlos weite und jetzt im Sommer durchaus farbenfrohe Tundralandschaft schweifen. Leonore zeigt uns die weit außerhalb vom Ort gelegene Marina, wo Wasserflugzeuge parken und es sogar einen recht neuen Aussichtsturm gibt, der mich einen tollen Blick über die weite Marschlandschaft des Churchill River genießen lässt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Für eine Stunde habe ich Leonore gebucht, aber schon nach einer guten halben Stunde frage ich, ob wir verlängern können. &quot;No problem at all&quot;, lächelt Leonore. Super. Und nebenbei bemerkt, diese Exkursion außer der Reihe ist absolut erschwinglich: 60 Dollar verlangt Leonore pro Stunde - dafür bekomme ich bei mir zuhause im Münsterland nicht einmal für eine halbe Stunde ein Taxi, geschweige denn eine geführte Tour durch Ort und Landschaft!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sonne, Tundra, Küste - und, ja, noch einmal zum Cape Merry, zur Mündung des Churchill River in die Hudson Bay. Ein Traum! Wir sind ganz allein an den herrlichen Strand- und Felsenküsten und Leonore kennt natürlich viele durchaus unwegsame Abzweige, die uns direkt ans Wasser bringen. Na klar, der Taxi-SUV hat eh schon &#039;ne Menge &quot;Tundra-Macken&quot; - da ist man nicht mehr so pingelig. Super für uns. Wir genießen die Panoramen und die einmalige Stimmung aus dem Zusammenspiel von Sonne, Wolken und dem stärker werdenden Wind, der die Wellen mit Schaumkronen gegen die Küste treibt. Wie das i-Tüpfelchen im Gesamtbild, das Finish eines Gemäldes. Am Cape Merry wird die Stimmung durch die sinkende Sonne noch intensiver. Es ist einfach nur wunderschön. Ein letzter Blick auf den Fluss und die auf- und abtauchenden Belugas. Was für ein Erlebnis. Was für eine tolle Landschaft. Und was für spannende und humorvolle Geschichten! Ich habe das Gefühl, Churchill nun richtig gut zu kennen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der letzte Morgen in Churchill - nur noch wenige Stunden, bis der Flieger zurück nach Winnipeg abhebt. Der Bus bringt uns zum Airport. Bye, bye, Churchill. Aber halt! Was ist das da Weißes am Wegesrand? Natürlich, ein Polarbär! So nah! Das ist der Norden. Er haut Dich um, wenn Du es am wenigsten erwartest! Einen langen, köstlichen Augenblick verweilen wir bei dem majestätischen Tier. Und der Bär macht das, was fast alle Polarbären gemacht haben, die ich hier gesehen habe: Nichts! Er liegt einfach da. Das Heben des Kopfes wird zum Highlight der Foto-Session. Klingt geschrieben wie Ironie, aber ich bin wirklich hellauf begeistert, so einen mächtigen Polarbären einmal so unglaublich nah vor mir zu sehen. Was für ein magischer Moment. Auge in Auge mit dem großen Raubtier des Nordens. Ein besonderer Augenblick für mich. Ein Polarbär zum Geleit auf dem Weg zum Airport - wie einzigartig!</description>
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                <title>Portrait: Andy Schwaiger 0,00 €</title>
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                <pubDate>Fri, 06 Jan 2023 12:23:46 +0100</pubDate>
                <description>&lt;img src=&#039;https://www.kanadafieber.de/out/pictures/generated/product/1/700_490_75/1_rsf_andy_moosecreek_lodge2(1).jpg&#039; border=0 align=&#039;left&#039; hspace=5&gt;&lt;strong&gt;Mr. Outdoor&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Andy Schwaiger ist ein Bär von einem Mann, mit einer Vorliebe für Jeans und karierte Baumwollhemden. Dazu kommen (vermutlich) unkämmbare Haare, buschige Brauen, Fünf-Tage-Bart: Alles schreit Outdoor an dem gebürtigen Tiroler.&lt;br /&gt;
Text: Ole Helmhausen  Fotos: Rainer Schoof&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Kein Wunder, dass das Smartphone, das er hin und wieder stirnrunzelnd aus der Tasche fischt, in diesem Ensemble wirkt wie ein Fremdkörper. Doch während Bären manchmal ganz schön furchteinflößend sein können, ist Schwaiger alles andere: &quot;I bin der größte Canadaholic, wo gibt&quot;, strahlt er im besten Tirolerisch. Plötzlich geht die Sonne auf. Und man will nichts anderes, als diesem Kerl in sein Biotop zu folgen, um mit ihm zu wandern, zu paddeln und zu zelten. Und um in der Wildnis alle Fünfe gerade sein zu lassen. Dieser Mann ist einer, der seine Mitte gefunden hat. In Kanada nennt man so jemanden einen Happy Camper. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;In einem Büro kann man sich Schwaiger nicht recht vorstellen. Doch er ist nicht nur Guide für Wander-, Ski-, Paddel- und Hundeschlittentouren. Als studierter Betriebswissenschaftler ist er auch Besitzer und Leiter eines in Clearwater (BC) angesiedelten Veranstalters für Abenteuerreisen innerhalb Westkanadas. Dabei hat er die für ihn ideale Kombination von Arbeit und Vergnügen gefunden - jene gesunde Balance, die er jedem empfiehlt, der ernsthaft ans Auswandern denkt. &quot;Viele Leute kommen aus den falschen Gründen hierher. Sie sind frustriert. Sie sagen, zuhause widert mich alles an, das habe ich schon hunderttausend Mal gehört. Die wollen hierher, weil sie Kanada als Tourist erleben. Dann ist natürlich alles rosig. Aber wie hart der Alltag hier ist, davon haben sie keine Ahnung!&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Ganz einfach ist es allerdings nicht zu erfahren, wie Schwaiger in Kanada sein Glück gefunden hat. Nicht, weil er nicht darüber sprechen will. Bei Fragen nach seinem schönsten Naturerlebnis oder seinem Lieblingsort seufzt er erstmal tief - und überlegt. Lange. Nicht weil er nicht darüber sprechen mag. Sondern weil es, ganz einfach viel zu viel zu erzählen gäbe. Man schaltet also um und fragt, wie das eigentlich anfing mit Kanada. Und dann grinst Schwaiger und sagt: &quot;Ich hatte eine Stamm­kneipe in Innsbruck ...&quot; Und was sich anfangs anhört, wie der berühmte erste Satz in Karen Blixens Buch &quot;Jenseits von Afrika&quot;, wird tatsächlich eine tolle Geschichte über Leidenschaft und regulierte Kompromisslosigkeit. Denn so ganz ohne Netz und doppelten Boden stürzte sich Schwaiger nicht in große Abenteuer. &quot;Der Besitzer der Kneipe war kanadaverrückt, hatte gerade seine Einwanderung als Reiseveranstalter beantragt und bat mich, einen Geschäftsplan für ihn zu schreiben.&quot; Gesagt, getan. Im Gegenzug erhielt Schwaiger über ihn ein Arbeitsvisum. Und so kam der BWL-Student 1989 zum ersten Mal nach Kanada. Was folgte, war ein Intensivstkurs in Tourismus. Der offizielle Guide des neu gegründeten Reiseveranstalters lief bald weg - und Schwaiger musste einspringen. Bereits die erste Tour führte ihn ins Chilcotin, damals noch touristische Terra incognita. &quot;Wir kamen bis zum Tatla Lake und haben da gefischt und dann im Chilko Lake Forellen gefangen, das war unser Ding.&quot; Im September machte die kleine Firma jedoch schon wieder dicht. Mit einem Freund kaufte sich Schwaiger einen alten Kombi, einen Station-Wagon, &quot;den mit den Holzseiten, gepennt haben wir hinten drin&quot;, und dann haben sie British Columbia von unten bis oben erkundet. Zwischendurch seien sie immer wieder nach Vancouver gefahren, um Gäste zu rekrutieren. Da habe er Blut geleckt, schmunzelt Schwaiger. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Nach diesem Sommer ist er wieder nach Europa, hat Geld als Nachtwächter verdient und ist im Sommer darauf in einer &quot;neuen&quot; alten Karre durch Westkanada gezuckelt. &quot;Mein Bruder und ich haben fast alle Mehrtageswanderungen in den Rockies gemacht und mit einem Kanu die Bowron Lakes!&quot; Zum Schluss wären sie am liebsten gar nicht mehr zurück in die Zivilisation gefahren. &quot;Nach Jasper rein, das war schon fast eine Plage&quot;, erinnert er sich schmunzelnd, und dann sagt er den Satz, der seine Leidenschaft für dieses Land auf den Punkt bringt. &quot;Mein Kanada ist nicht auf der Straße. Mein Kanada ist da draußen, irgendwo in der Pampa.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;In jenem Jahr wurde Schwaiger kanadasüchtig. Und doch kehrte er nach Europa zurück - &quot;irgendwann musst du ja seriös werden in deinem Beruf&quot; - und half als Unternehmensberater bei der Treuhand in Berlin, die alten VDBs in marktwirtschaftliche Betriebe umzuwandeln. Das Geld während der nächsten drei Jahre war gut, aber in den Ferien gab es nur ein Ziel: Kanada! Auf einem dieser Trips ist Schwaiger dann auf der Wells Gray Guest Ranch hängengeblieben. Er lernte den Besitzer kennen, und eines Tages bat dieser ihn, das Tourengeschäft für ihn zu übernehmen. &quot;Du musst Dir vorstellen, das waren die goldenen neunziger Jahre. Das Business wuchs extrem schnell, auf einmal wollte jeder nach Kanada kommen.&quot; Schwaiger schmunzelt wieder. &quot;Ich bat mir ein paar Tage Bedenkzeit aus, hab ihn aber schon nach fünf Minuten zurückgerufen und gesagt, ich komme. Hab alles hingeschmissen und bin rüber. Dann war ich plötzlich in Kanada - and I never looked back!&quot; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;In diese Zeit fällt auch das erste Teffen mit Rainer Schoof von SK Touristik. In Münster, im Büro der Kanadspezialisten, warb Schwaiger für sich und seine Firma als neuer Partner für Abenteuertrips in Westkanada. Und so ist es dann auch gekommen und bis heute geblieben. Inzwischen verbindet Schwaiger und Schoof eine langjährige Freundschaft - beide treffen sich wenigstens einmal im Jahr zum gemeinsamen &quot;Scouten&quot; in Kanada.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Im Jahr 2000 schließlich kaufte Schwaiger die Firma und wurde sein eigener Boss. Zuvor hatte er bereits seine Frau Daniela auf einer Inforeise für deutsche Reiseveranstalter kennengelernt. Daniela arbeitete als Produkt-Managerin, und auf dieser Tour ist man sich näher gekommen. &quot;Kann schon sein&quot;, grinst Schwaiger, der als Guide mit dabei war, &quot;dass ich die Guide Regel Nr. 1 gebrochen habe! Aber wir haben es sizilianisch gelöst: Wir haben geheiratet!&quot;  Die Zwillingstöchter Tiffany und Sarah kamen im Jahr der ersten Selbstständigkeit auf die Welt, kurz darauf wurde ein Haus gekauft und das Büro eröffnet. &quot;In dem Jahr ist extrem viel passiert&quot;, lacht der Tiroler. Er kramt sein Handy aus der Tasche, tippt mit spitzem Zeigefinger auf dem Display herum und zeigt stolz ein Bild seiner Töchter. Kanada, sagt er, haben die beiden im Blut. &quot;Wenn ich früher den Van für eine Tour packte, standen die beiden sofort auf der Matte und fragten, Papa, wann geht&#039;s los. Die haben den Busch in den Genen. Egal, was sie später machen, was sie hier in jungen Jahren erlebt haben, kann man nicht toppen.&quot; Andy Schwaiger hat sich warm geredet, der Zeitpunkt scheint gekommen, ihn noch einmal nach seinen Lieblingsorten in Kanada zu fragen. Und ja, es gibt viele Orte, an denen sein Herz hängt. Vor allem diese: Clearwater, wo er wohnt und wo er mit dem Geschäft groß geworden ist, dann der Clearwater Lake im Wells Gray Park selbst und die Sandstrände dort. Und dann die Tsusiat Falls am Westcoast Trail auf Vancouver Island. &quot;Da fällt das Wasser direkt auf den Strand und bildet einen riesigen Pool, in dem du schwimmen kannst, während draußen im Meer die Grauwale Fontänen blasen.&quot; Und überhaupt, Vancouver Island, das ist sein Stichwort. Dort liegt sein heiß geliebtes Orca Camp, und zwar direkt an der Grenze zum wegen seiner Orcas berühmten &quot;Robson Bight Ecological Reserve&quot; südlich von Port McNeill. Er redet nun schneller, man merkt, es ist ihm wichtig, die Stelle liegt ihm am Herzen. &quot;Das Orca Camp liegt in einem nie abgeholzten Urwald mit bis zu 700 Jahre alten Bäumen. Wir haben da einen halbmondförmigen Strand, keinen Sandstrand, sondern ganz feinen Kiesel, tja, und da schlagen wir drei Monate unser Camp auf im Sommer, und von dort starten wir unsere Touren mit dem Seakayak, und wenn wir Glück haben, dann  treffen wir auf die Wale. Direkt im Wasser, in ihrem Element, auf Augenhöhe, und das ist natürlich ein ganz besonderes Erlebnis.&quot;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Und wie ist das, wenn ein mächtiger Orca auf einen zuschwimmt? Dieses Mal überlegt Andy Schwaiger keine Sekunde. &quot;Du kriegst ganz schön Herzflattern, er ist ja viel größer als Du. Du hast zwar gelesen, dass kein einziger Fall bekannt ist, wo Orcas Menschen angegriffen hätten, aber das beruhigt zunächst überhaupt nicht. Aber dann schaust Du einfach, und der Orca schaut zurück. Es gibt eine nonverbale Kommunikation. Du siehst auch die Kühe mit den Kleinen kommunizieren, die bringen sie ganz nahe an das Kayak heran, das ist schon extrem bewegend. Meine Kinder haben das zum ersten Mal mit drei Jahren erlebt. Da saßen sie vorne im Cockpit, und es kamen vier Wale geradewegs auf uns zu. Die Wale tauchten unter uns durch, im klaren Wasser sahst Du ihre wunderschönen schwarz-weißen Körper, und dann kamen sie auf der anderen Seite wieder nach oben. Das war absolut fantastisch!&quot; Es summt. Schwaiger sagt &quot;Sorry&quot;, fischt sein Handy aus der Tasche und sucht eine ruhige Ecke. Mit spitzem Zeigefinger drückt er ein paar Buttons und nimmt das Gespräch an. Eine der Töchter ist dran. Geduldig hört er zu, nickt hin und wieder und sagt am Ende nur &quot;love you, too&quot;. Dann gesellt er sich wieder zur Runde, lächelt und sagt nur &quot;Teenager&quot;. Doch das ist alles andere als bös&#039; gemeint.</description>
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                <title>Zwei Tage Knight Inlet 0,00 €</title>
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                <pubDate>Mon, 09 Sep 2019 09:12:19 +0200</pubDate>
                <description>&lt;img src=&#039;https://www.kanadafieber.de/out/pictures/generated/product/1/700_490_75/1_kil-rsf-watchingfromboat.jpg&#039; border=0 align=&#039;left&#039; hspace=5&gt;&lt;i&gt;Unglaublich. Staunend beobachten wir den mächtigen Grizzly, der friedlich am Ufer das Riedgras aberntet. Wir alle sind aus dem Häuschen! &quot;Schlage vor, wir fahren mal ein Stück weiter&quot;, sagt unser Guide Tobin. Bist Du wahnsinnig, denke ich, lass uns doch bitte noch hier bei dem Grizzly bleiben! Ob meine Gedanken in meinem Gesicht zu lesen sind? Denn Tobin grinst mich an und sagt: &quot;Da kommen noch mehr Bären.&quot; Und wie Recht er hat.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;i&gt;Text und Fotos:&lt;/i&gt; &lt;b&gt;Rainer Schoof&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die ersten Sonnenstrahlen streifen den geschützt und idyllisch im Mündungsbereich des Campbell River gelegenen Landesteg von Vancouver Island Air. Ich blicke den Fluss hinauf und muss daran denken, wie wir uns mit den Kindern vor zwei Jahren in Neoprenanzügen durch diesen kalten Fluss und mitten durch tausende Lachse treiben ließen. Genau hier haben wir damals ausgebootet. Und nun stehe ich wieder hier mit meiner Familie, mit meiner Frau Mirjam und unseren beiden Kindern Anna (11) und Felix (13). Aber diesmal geht es nicht ins Wasser, sondern in die Luft. Der &quot;Waiver&quot; der Knight Inlet Lodge ist schon unterschrieben. Also, hinein ins Wasserflugzeug. Über die Flussmündung starten wir und fliegen an der Painter&#039;s Lodge vorbei in einer Rechtsschleife auf den Pazifik hinaus. Viel offener Ozean ist hier ja nicht in der Meerenge zwischen Vancouver Island und dem Festland. Aber unzählige und unglaublich schöne Inselchen mit Bergen, Wäldern und wilden Felsküsten. Und der Anflug auf die Bucht von Glendale Cove ist spektakulär. Wir gleiten über das Estuary, den Mündungsbereich. Man sieht, wie sich der Fluss durch den dichten Wald in eine sich weit öffnende Marschlandschaft windet. Mit vielen Riedgrasflächen, die jetzt im Mai - nach dem Winterschlaf der Grizzlies - für die Bären die wichtigste Nahrungsquelle darstellen. Man begreift schnell: Das hier ist Grizzly-Land! Und mittendrin die Knight Inlet Lodge.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber was ist das? Nein! Nur wenige hundert Meter von der Lodge entfernt steht ein Grizzly auf einer kleinen Landzunge und lässt sich das Gras schmecken. Gibt&#039;s doch gar nicht! So etwas habe ich auch noch nicht erlebt. Eine Bärenführerin der Knight Inlet Lodge, die mit uns im Flieger sitzt, scherzt: &quot;Also, Ihr habt Euren ersten Grizzly schon gesehen - da könnt Ihr ja jetzt direkt wieder nach Hause fliegen&quot;. Nichts da! Jetzt wollen wir erst recht landen und los zu den Bären! Am Landesteg stehen schon die Mitarbeiter zum Vertäuen bereit. Dann geht die Tür auf und wir klettern nacheinander hinaus, um von Lodge-Manager Brian Collen herzlich begrüßt zu werden. Willkommen in der Wildnis! Es ist noch morgens, nicht einmal halb elf. Und gefühlt haben wir heute schon so viele Eindrücke und Abenteuer hinter uns, dass sie eigentlich für mehr als einen Tag reichen könnten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Noch eine gute halbe Stunde, bis unsere erste Bootstour startet. Zeit, unser gemütliches Zimmer zu beziehen. Wir sind in einem der Familienzimmer mit großem Doppelbett und zwei Einzelbetten untergebracht. Alles super - gefällt mir gut. Eine kurze Einweisung in den Material-Trocknungsraum später und wir wissen, wo wir alles finden, was wir brauchen. Von jeglicher Kleidung - natürlich auch Schwimmwesten und Überlebensanzüge - bis hin zu guten Ferngläsern. Alles klar, kann losgehen. Aber halt - noch nicht ganz. &quot;Papa, ich hab&#039; Hunger&quot;, baut sich meine Tochter vor mir auf. Ihr Bruder stimmt ihr sofort zu, was ja nun wirklich selten genug ist. Und auch mir fällt es schwer, meinen knurrenden Magen länger zu ignorieren. Tja, wir sind halt sehr früh losgefahren und haben im Prinzip nicht gefrühstückt. Also wende ich mich an Brian. Es ist mir fast ein bisschen peinlich, schließlich ist es ja auch nur noch eine gute Stunde bis zum Lunch. &quot;No problem at all&quot;, lacht Brian. Wir sollen einfach in den Essensraum gehen. Dort würden wir zu jeder Tageszeit frisches Gebäck und frischen Kaffee und andere Getränke finden - schließlich komme der kleine Hunger hier an der frischen Seeluft öfter mal vorbei. Großartig! Genau, was wir jetzt brauchen. Super-leckere Plätzchen, Muffins und dergleichen - dazu ein heißer Kaffee und der Blick hinaus in die Fjord-Wildnis. Sensationell! So, jetzt kann&#039;s aber wirklich losgehen!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Elf Uhr - Intro-Tour. Eine gute Stunde, denn dann gibt&#039;s Lunch. Ist das überhaupt nötig, eine Einführungstour? Was kann man in so kurzer Zeit schon sehen? Egal. Wir machen das Programm komplett mit. Und wie sich das lohnen soll! Denn für uns wird die &quot;Intro-Tour&quot; zur ersten richtigen Grizzly-Exkursion in der Bucht von Glendale Cove. Noch an der Lodge lernen wir unseren persönlichen Guide kennen. Tobin ist im Moment noch Boots- und Bärenführer, wird aber noch in dieser Saison das Vor-Ort-Management der Lodge übernehmen. Jetzt hilft er uns beim Einsteigen ins Motorboot - und schon tuckern wir los. Gefühlt nur zwei bis drei Minuten, dann müssen wir stoppen. Um den ersten Grizzly zu beobachten! Unglaublich. Staunend beobachten wir das majestätische Tier, das friedlich am der Lodge gegenüberliegenden Ufer das Riedgras aberntet. Die ersten eindrucksvollen Fotos werden geschossen. Wir alle sind aus dem Häuschen! &quot;Schlage vor, wir fahren mal ein Stück weiter&quot;, sagt Tobin. Bist Du wahnsinnig, denke ich, lass uns doch bitte noch hier bei dem Grizzly bleiben! Ob meine Gedanken wohl in meinem Gesicht zu lesen sind? Denn Tobin grinst mich an und sagt: &quot;Da kommen noch mehr Bären.&quot; Und wie Recht er hat. Eine knappe Stunde sind wir unterwegs und beobachten insgesamt sechs oder sieben Grizzlies - in aller Ruhe, völlig ohne Zeitdruck. Eine solche Grizzly-Dichte habe selbst ich als alter Kanadahase und leidenschaftlicher Bärenbeobachter noch nie erlebt. Hammer! &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unterwegs passieren wir ein ankerndes Motorboot, wo ein Lodge-Angestellter gerade die Fangkörbe für die Spot Prawns einholt, die es heute Abend als Dinner-Appetizer geben soll. Yummy! Ich liebe diese großen Pazifik-Shrimps. Meiner Meinung nach die leckersten, die es gibt. Wir beobachten noch einen Grizzly, der zwischen seinen Grashappen auch immer mal wieder Steine am Ufer umdreht auf der Suche nach Muscheln und Steinkrebsen. Ich kann von dem Anblick eines Grizzlies einfach nicht genug bekommen. So viel Kraft, die man bei jeder seiner noch so leichten Bewegung spürt. Und dennoch so friedlich. Im ganzen Gehabe auch irgendwie hündisch. Sie sind ja verwandtschaftlich nicht weit vom Hund entfernt. Einfach großartige Tiere in einer fesselnden Landschaft. Da kann man dann auch nach nur einer knappen Stunde schon wieder Hunger bekommen, stellen wir alle fest und freuen uns während der Rückfahrt schon auf den Lunch. Und der kann was! Ein Super-Buffet, dafür dass uns das als kleine Zwischenmahlzeit angekündigt wurde. Und das Wetter ist immer noch klasse, daher nehmen alle Gäste ihre Teller mit nach draußen auf das Deck, um sich an die Picknicktische zu setzen. Die Guides gesellen sich dazu und schnell sind rege Unterhaltungen im Gange. Gefällt mir gut die Atmosphäre. Klar, wir sind die Neuen, während einige andere schon morgen früh wieder die Lodge verlassen. Daher gehört es sich natürlich, dass wir uns nun erst einmal die Erlebnisgeschichten der anderen anhören. Und das entpuppt sich nicht nur als kurzweilig und informativ zugleich, sondern ist vor allem mächtig beeindruckend. Ganz klar, für uns lässt das den nach dieser ersten Tour ohnehin schon hochgeschnellten Erwartungspegel noch höher steigen!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Super-Essen. Super-Wetter. Super-Stimmung. Wenn sich da nicht leise aber beständig dieser &quot;Namens-Dämpfer&quot; unserer nächsten geplanten Exkursion in mein Hirn schleichen würde. &quot;Inlet Cruise&quot; - was soll ich jetzt mit einer Vergnügungsfahrt durch den Fjord auf einer Yacht? Ich will jetzt meinen Kaffee austrinken und dann wieder rein in eines der kleinen Motorboote und zurück zu den Grizzlies! Aber Tobin kommt schon strahlend auf uns zu. Er hat bereits eine der beiden Yachten klargemacht und verkündet, dass uns seine Guide-Kollegin Erin begleiten wird, für den Fall, dass er hin und wieder mal zu sehr mit dem Bootssteuern beschäftigt ist. Erin steht schon hinter ihm und winkt uns zu. &quot;Na gut - Inlet Cruise it is&quot;, denke ich und steige hinter den anderen auf die kleine, aber imposante Yacht. Auf in den Fjord - schließlich war ich noch nie tiefer im Knight Inlet. Natürlich nicht im überdachten Bereich der Yacht. Da muss Tobin allein rein, weil er steuern muss. Nein, wir setzen uns in den offenen Heckbereich. Im T-Shirt - so schön ist es inzwischen. Gefühlt Hochsommer hier an der Pazifikküste des Great Bear Rainforest - und das mitten im Mai! &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nur wenige Meter mit dem Boot - und dann startet ein Traum! Unglaublich, wie falsch ich mit meiner Erwartungshaltung zur &quot;Inlet Cruise&quot; lag. So falsch, dass es mir schon peinlich ist. Aber der Reihe nach. Um die Lodge herum ist es einsam, wild und wirklich wunderschön. Aber irgendwie ist die Lodge als Quartier für so viele Menschen dann ja doch noch eine Art Außenposten der Zivilisation. Aber wenn man dann mit der Yacht buchstäblich um die nächste Ecke biegt und plötzlich völlig allein mit dieser Natur ist, dann erschlägt sie einen. Sie trifft mitten in einen Hirnbereich, der für tiefe Emotionen verantwortlich ist. Die Landschaft ist unfassbar, jeder Versuch sie zu beschreiben kläglich. Diese grandiose, bizarre Küste. Dieser herrlich wilde und tiefgrüne Wald vor dem Kontrast des blaugrünen Fjordwassers - das könnte man nicht einmal schöner malen! Wenn sich dann noch hier und da ein Weißkopfseeadler von den Uferwipfeln in die Luft schwingt, fragt man sich fast, ob das alles überhaupt noch wahr sein kann.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Natürlich sieht man auf diesem speziellen Ausflug keine Grizzlies. Es ist nie ausgeschlossen, aber das ist hier einfach nicht die liebliche Marschlandschaft, durch die sich ein Lachsfluss schlängelt. Das hier ist der Knight Inlet. Das hier ist ein dramatischer Gletscher-Fjord. Einige Gletscher kann man bei diesem herrlichen Wetter wunderbar sehen. Überall stürzt sich Wasser die Felswände herab und ergießt sich sprühend in den Pazifik. Diese Landschaft bewegt jeden. Und es gibt so viel zu sehen. Manchmal schnabbeln wir alle aufgeregt vor uns hin. Manchmal genießen wir alle schweigend. Ehrfürchtig. Auch die Kinder. Und Tobin und Erin wechseln sich ab mit ihren Geschichten über die Berge, Felsen, Gletscher, Wasserfälle und Buchten rechts und links von uns. Seehunde und Seelöwen beäugen uns neugierig in der ein oder anderen Bucht. Erin erklärt uns, wo die Wanderung durch den Regenwald verläuft, an der wir morgen teilnehmen können. Tobin zeigt uns, wo ein durch einen riesigen Erdrutsch ausgelöster Tsunami vor langer Zeit eine ganze Bucht überflutet und sehr wahrscheinlich mit einem Schlag die gesamte Siedlung eines indigenen Stammes ausgelöscht hat. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Apropos First Nations. Tobin stoppt in einer wieder einmal malerischen Bucht die Motoren, um uns die Geschichte eines indianischen Initiationsrituals zu erzählen. Neben dem Lachs zählten vor allem die großen Schwärme der Kerzenfische zu den wichtigsten Nahrungsquellen der Ureinwohner. Der hohe Fettgehalt dieser zur Familie der Stinte gehörenden Fische diente zudem der Gewinnung von Öl. Und wenn es rausging zum Fischen, dann gab es bei den jungen Männern ein Ritual zur Fürbitte bei den Geistern für einen erfolgreichen Fang - das Schwimmen unter einem Wasserfall im Fjord. Aber diesen letzte Teil der Geschichte lässt Tobin aus und sagt: &quot;Ach, ich zeig&#039;s euch einfach!&quot; Während er noch spricht gibt er Vollgas - die Kinder jubeln - und fährt um das nördliche Ende der Bucht herum. Hier fällt eine riesige Felswand steil ab direkt zum Wasser und Tobin bringt uns so dicht an sie heran, dass wir zunächst nicht wirklich sehen können, was uns vorn erwartet. Doch dann sehen wir es. Anna zuerst - und Felix hat&#039;s eh schon gewusst. Ein riesiger Wasserfall stürzt sich mitten in den Pazifik hinein. Tobin bringt uns sehr nah ran. Gischt und Sprühnebel rauschen uns ins Gesicht und um die Ohren. Alles schreit, juchzt und lacht. Herrlich!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aus trockener Entfernung verweilen wir noch ein bisschen am Wasserfall und dringen dann noch ein Stück tiefer in den Fjord vor. Faszinierend, wie sich die Wasserfarbe ändert. Das von allen Seiten einströmende Gletscherwasser erhöht immer mehr den Siltgehalt und färbt das Wasser immer hellgrüner. Toll. In einer großen Schleife machen wir uns so langsam auf den Rückweg, jetzt auf der anderen Uferseite des Fjords. Und dann sehe ich Rückenflossen schnell auf- und abtauchen. Delfine! Zwei, drei. Nein! Zwanzig, dreißig! Nein! Viel, viel mehr! Tobin meint mindestens 200. Ein grandioses Schauspiel. Teilweise scheint sich diese riesige Delfinschule über einen ganzen Kilometer Länge oder mehr zu erstrecken. Hammer! Schade, dass man so etwas nicht in seiner ganzen Dimension aufs Bild bannen kann. Also, besser kann es ja wohl nicht mehr kommen, oder? Doch! Und zwar nur fünf Minuten später. Schwertwale. Orcas! Sie schwimmen direkt auf uns zu. Und dann gibt es sogar eine Privatshow für uns. Mit Auftauchen und Sprüngen. Vor dieser unglaublichen Wildniskulisse! Wir können unser Glück nicht fassen! Auch Tobin strahlt - klar, so wünscht sich ein Guide seine Tour!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Regelrecht euphorisiert unterhalten wir uns auf dem Rückweg mit Erin. Tobin gibt Vollgas und muss sich aufs Steuern konzentrieren. Die Orcas - waren es Residents oder Transients? Transients, sind Erin und ich uns sicher - also die Schwertwale, die die amerikanische und die kanadische Küste hinauf- und hinabziehen. Die, auf deren Speisekarte auch Säugetiere wie Seehunde und Seelöwen stehen, während sich die Residents ja nur von Fisch, vorwiegend Lachs, ernähren. Habe ich schon häufiger beobachtet, dass die Transients tendenziell etwas verspielter und aktiver sind. Was für eine tolle Exkursion. Ohne Grizzlies, aber die haben uns für den Moment gar nicht gefehlt! Noch immer in Hochstimmung erreichen wir das Dock der Knight Inlet Lodge. Der Klassiker, man hüpft vom Boot auf den Steg und kann einfach dem Drang nicht widerstehen, allen zu erzählen, was man gerade erlebt hat. Aber ich habe ja die Kinder dabei. Die sind schneller als ich. Das Grinsen bleibt uns allen jedenfalls noch lange im Gesicht haften. Und das Beste: Der Tag hat sein Ende noch lange nicht erreicht. Eine Exkursion kommt noch. Noch einmal zu den Grizzlies an der Flussmündung. So als lockerer Tagesabschluss. So als Garnierung. Als veredelndes Finish eines Naturcocktails, der nur hier serviert werden kann! &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auf zum Tagesfinale. Grizzlies im Mündungsbereich des Baches, der in die Bucht von Glendale Cove hineinfließt. Tobin hat eines der kleinen Boote schon fertiggemacht. Wir werfen uns in unsere Schwimmwesten bzw. Überlebensanzüge, greifen die Ferngläser und tuckern los. Diese kleinen Boote sind echt perfekt für diesen Zweck. Denn man muss hier ja - war mir vorher selbst gar nicht klar - überhaupt keine nennenswerten Distanzen überbrücken, um zu den Grizzlies zu gelangen. Das Gebiet für deren Nahrungssuche jetzt im Mai sind die Uferbereiche der zwar großen, aber letztlich dennoch überschaubaren Bucht. Das macht es für Bärenbeobachter natürlich überaus attraktiv. Dennoch übe ich mich beim Losfahren gegenüber meinen Kindern in professionellem Erwartungs-Management: &quot;Naja, so viele Bären wie heute Morgen sehen wir bestimmt nicht. Das war etwas Besonderes.&quot; OK, war es nicht. Auch auf dieser kurzen Tour beobachten wir sieben Grizzlies!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Einer der Grizzlies wird uns in besonderer Erinnerung bleiben. &quot;Stella&quot;, eine Bärin, wird von den Guides der Knight Inlet Lodge schon von weitem erkannt. Unter anderem aufgrund ihrer hellen Fellfärbung. Meine Familie verliebt sich spontan in Stella. Anna ist sicher, dass Stella der allerschönste Grizzly ist, den es gibt. Tobin spürt unsere Begeisterung und gibt alles. Das Wasser ist jetzt zur Ebbe an dieser Stelle zu flach, selbst für den kleinen Motor des Boots. Also, Motor aus dem Wasser geklappt, Wathosen hochgezogen und hinein ins Wasser. Langsam zieht und schiebt er das Boot näher ans Ufer, näher an Stella heran. Wir sind dankbar, denn für uns startet nun die &quot;Stella Show&quot;. Die Bärin scheint regelrecht für uns zu posieren. Tobin selbst ist begeistert, denn es ist in diesem Frühjahr das erste Mal, dass Stella sich ihm zeigt. &quot;Diese kleine, felsige Landspitze ist einer ihrer Lieblingsplätze&quot;, erklärt er uns. Na klar, der Platz ist strategisch gut gewählt. Er ist klein und überschaubar, es gibt etwas Riedgras zum Abernten, aber bei Ebbe auch viele Steine zum Umdrehen. Stella ist umgeben von Baumstämmen oder Felsbrocken. Hindernisse, die ihr Zeit verschaffen würden im Falle einer Attacke eines Artgenossen. Schlaue Stella! Völlig relaxed bummelt sie durch ihr kleines Reich und schaut uns gelegentlich neugierig an. Schöne Fotos, tolle Erinnerungen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nur der Hunger treibt uns schließlich zurück zur Lodge. Kann es denn sein, dass wir schon wieder Hunger haben? Klar, die frische Seeluft. Und außerdem will niemand die Spot-Prawns verpassen. Zurück in unserem gemütlichen Lodge-Zimmer beuge ich mich dem strengen Blick meiner Frau und ziehe mir schnell ein Hemd und eine lange Hose an. Völlig überflüssig im Nachhinein. Hier in der Wildnis gibt es einfach keinen Dress-Code. Und das ist gut so. Auf dem Weg hinüber zum Hauptgebäude der Lodge verweilen wir noch ein wenig auf dem Frontsteg, betrachten die Kolibris, die um die zahlreich aufgehängten roten Feeder-Tränken herumschwirren und lassen den Blick über die Bucht schweifen. Einfach magisch diese Landschaft. Ich gehe hinein und blicke in strahlende Kinderaugen. &quot;Papa! Schau dir die Krabben an!&quot; Prawns, Shrimps, Krabben - egal, ich weiß ja, was gemeint ist, und bin schlagartig von der Begeisterung angesteckt. Das sieht ja sensationell aus. So viele Prawns, so augenscheinlich lecker zubereitet, so schön drapiert. Mein Hirn meldet Überforderung: Soll ich erst zugreifen oder erst fotografieren? &quot;Mach ein Foto!&quot;, raunt mir meine Frau zu. &quot;Mach Deinen Teller voll!&quot;, schreit mein einsetzender Speichelfluss. Zum Glück schaffe ich beides. Mann, sind die lecker! Und so viel! Und das sollen bloß Appetizer sein? Meine Kinder schwören, dass dies die leckersten Shrimps seien, die sie jemals gegessen hätten. Und in Sachen Shrimps sind meine Kinder Experten. Aber ich stimme zu. Unglaublich gut. Ich glaube, die Kinder holen sich drei- oder viermal nach. Meine Warnung hinsichtlich eines möglichen Eiweißschocks interessiert sie nicht. Mich auch nicht. Einfach zu lecker. Aber ich kann es meinen Kindern nicht komplett gleich tun, da mich Manager Brian fragt, ob ich mal eben schnell mit ihm über den morgigen Tag sprechen möchte. Hatte schon beobachtet, dass Brian das genau jetzt zur &quot;Appy Hour&quot; mit allen Gästen macht. Kurz die möglichen Erlebnisse des nächsten Tages durchgehen - und man kann ganz konkret Einfluss auf die bevorstehende Tagesgestaltung nehmen. Das gefällt mir sehr gut. Und es ist auch eine sehr schöne Atmosphäre für so ein kurzes, persönliches Gespräch bei Appies und Drinks - ach ja, die Drinks von der Bar zur &quot;Appy Hour&quot; hätte ich beinahe vergessen. Spot Prawns, einen Gin Tonic auf die Erlebnisse des Tages und der Panoramablick hinaus in die Bucht - überragend! Aber es gibt ja zum Hauptgang auch noch den frischen Heilbutt - auch im Buffet-Stil. Auch superlecker! Zusammen mit einer guten Flasche Okanagan-Wein - ja, es ging mir schon schlechter! Wen wundert&#039;s, dass wir heute erschöpft, satt und unglaublich zufrieden in unsere weichen Betten fallen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Good Morning, Knight Inlet Lodge! Dein Frühstück ist super. Dein morgendliches Buffet ist mehr als ausreichend, erfüllt eigentlich alle Wünsche. Aber dass Du dann auch noch eine Köchin abstellst, um Eier und Omelettes nach den individuellen Wünschen Deiner Gäste zuzubereiten, das hat schon was, so mitten in der Wildnis!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir genießen das Frühstück, einmal mehr mit dem Panoramablick über die Bucht. Das Auge ist inzwischen geschult und wir sind uns sicher, am gegenüberliegenden Ufer wenigstens einen Grizzly zu erspähen - vom Frühstückstisch aus! Der Blick durch eines der auf den Fensterbänken bereitstehenden Ferngläser bringt Gewissheit. Es ist ein Grizzly - und etwa 200 Meter weiter links ist sogar noch ein zweiter. Beeindruckend. Man lebt hier zusammen mit den großen Bären!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Einige Gäste verlassen heute die Lodge, nach einer letzten Exkursion. Dann holt sie das Wasserflugzeug ab und bringt sie zurück nach Campbell River. Was wäre, wenn wir jetzt zu den Rückfliegern gehören würden? Diese Frage stellen wir uns beim Frühstück und haben erstaunlicherweise eine einstimmige Antwort: &quot;Es wäre gar nicht schlimm!&quot; Für mich eine wichtige Erkenntnis. Natürlich, wir bleiben noch bis morgen und sind darüber auch sehr froh. Aber wenn es jetzt anders, kürzer, geplant gewesen wäre, dann wär&#039;s auch echt ok gewesen. Wir haben ja jetzt schon so viele Grizzlies gesehen und wirklich all das erlebt, was wir uns von der Knight Inlet Lodge erwartet hatten. Eigentlich ja sogar viel mehr. Ich hatte vorher immer gedacht, dass vielleicht ein Tag mehr als Puffer - gerade auch für den Fall, dass man am ersten Tag mal keine Bären gesehen hat - gar keine schlechte Idee sei. Aber wenn das im Mai doch immer so zuverlässig klappt mit den Grizzlies, wie mir hier ja alle versichern, dann wäre eine Übernachtung und insgesamt vier Exkursionen doch auch schon ganz schön viel Erlebnis! Und weitergesponnen: Macht man es so wie wir - als Ausflug von Vancouver - was wäre das für ein toller Zweitages-Trip: Frühmorgens in Vancouver mit der Harbour Air los, um 11 Uhr die erste von drei Tagesexkursionen, eine tolle Nacht auf der schwimmenden Lodge und eine Grizzly-Exkursion zum Abschluss, bevor man zum Seafood-Dinner am Abend wieder in Vancouver ist!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gedankenspiele - aber das leckere Frühstück in unseren Mägen ist Realität. Und uns bleibt noch ein wenig Zeit bis zur nächsten Exkursion. Zeit, die ich nutze, um mir die Knight Inlet Lodge als Gesamtkonstrukt mal genauer anzuschauen. Vieles habe ich ja bereits gesehen, wie die 20 gemütlichen Gästezimmer der Lodge, die vom Doppelzimmer bis zum Familienzimmer variieren und alle ein eigenes Bad haben. Auch den imposanten Essensraum kenne ich schon. &quot;Essensraum&quot; ist eigentlich eine schlechte Beschreibung, aber mir fällt kein besseres Wort ein. Natürlich ist es ein Essensraum, aber es ist auch ein Aufenthaltsraum, ein Raum zur Zusammenkunft, mit einer Bar und einer kleinen Sitzecke mit Sesseln und Sofa. Hier werden die Exkursionen des Tages besprochen und hier stehen den ganzen Tag über selbstgemachte Snacks und alkoholfreie Getränke zur freien Verfügung. Vor dem Essensraum gibt es einen großen Deckbereich mit Picknicktischen und Sonnenschirmen. Auch auf dem Weg zum Material- und Trockenraum überquert man eine Art kleinen Innenhof, auf dem sich weitere Tische mit Sonnenschirmen befinden. Auch hier kann man gemütlich und vor allem geschützt sitzen, wenn der Wind bläst. Apropos gemütlich: Es gibt sogar noch einen weiteren Aufenthaltsraum. Er befindet sich in einem eigenen Gebäude und bietet neben Tischen und Stühlen auch eine Bar, Sofaecken und einen Billardtisch. Hier werden die abendlichen Natur- und Tiervorträge der Guides gehalten. Ja, und dann befinden sich auf der gesamten Stegkonstruktion noch eine ganze Reihe anderer Gebäude - alle durchgängig eingeschossig. Vom Lodgebüro über die Guide-Unterkünfte bis hin zu zwei großen Werkstatt­häusern mit Bootseinfahrten zu Wasser. Im Prinzip wie zwei kleine Werften. Klar, alles muss hier gewartet und im Zweifel auch repariert werden. Campbell River auf Vancouver Island ist einfach zu weit weg. Schaut man sich nun das Innenleben dieser beiden Kleinwerften an, all die Werkzeuge und die vielen Maschinen, die alle hier rumstehen und -liegen und auf ihren nächsten Einsatz warten, dann wird langsam klar, was der Lodgebetrieb für einen wahnsinnigen Aufwand darstellt. Es ist schon ein Phänomen, wie hier jedes Flugzeug bis in die letzte Ecke ausgeplant wird. Klar, alles, aber auch wirklich alles, muss geflogen werden. Jede einzelne Flasche Milch. Selbstgefangene Spot Prawns und Crabs natürlich ausgenommen. Der Chefkoch der Lodge hat eine Crabbing-Lizenz und zeigt mir bei meinem Rundgang stolz einen Teil seines heutigen Fangs, auf den wir uns heute Abend zu &quot;Appy Hour&quot; wieder freuen dürfen. Es ist unheimlich gut für mich, das alles mal so zu sehen und zu begreifen. Viel zu oft macht man den Fehler und vergleicht zuhause auf dem Papier ein solch außergewöhnliches Erlebnis mit einer über Straßen erreichbaren Unterkunft. So erliegt man dann schon mal einer mächtigen Fehleinschätzung. Vor ihr gefeit ist wohl nur, wer einmal hier war und alles mit eigenen Augen gesehen hat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;So, ein ganzer Bärentag liegt noch vor uns - grandios! Aber wir haben nun schon so viele Grizzlies gesehen, dass wir wählerisch werden. Ja gut, da ist ein kapitaler Bursche direkt am Ufer. Und ja, 200 Meter weiter sind noch zwei andere. Gut, aber lass uns ruhig mal woanders hinfahren. Tatsächlich, wir mutieren zu Bärenbeobachtern der Dekadenzfraktion! Stella ist die Ausnahme - von der kleinen Bärin mit dem hellen Fell können wir nicht genug bekommen. Vor allem meine Tochter Anna nicht. Ehe ich mich versehe, hat sie sich wieder meine Kamera unter den Nagel gerissen und ihr eigenes kleines Shooting mit Stella gestartet. Und gute Fotos gemacht!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nach dem Lunch warten die Kajaks auf uns. Eigentlich hatten wir die Kajakexkursion schon abgesagt, da das Wetter morgens zwar trocken, aber ansonsten nicht so berauschend gewesen ist. Wie gesagt, man wird satt und wählerisch. Aber jetzt ist es viel heller geworden und ab und zu zeigt sich sogar die Sonne. Also los. Zu den Kajaks. Ruck zuck sind wir alle auf dem Wasser. Unsere junge Kajakführerin muss sich auch ein paar leicht genervte &quot;Yeees. I know!&quot; von den Kindern anhören. Etwas ungerecht, aber sie weiß halt nicht, dass wir schon vor zwei Jahren in dieser Gegend (etwas weiter nördlich im Orca Camp) tagelang mit den Orcas gepaddelt sind. Aber das auf Englisch zu erklären, kommt für beide Kinder gerade auch nicht in Frage. Also ist man lieber still. Auch gut. Denn da ist schon der erste Grizzly! Acht Braunbären beobachten wir auch auf dieser Exkursion. Wir sehen nichts Neues, aber der Kajaktrip ist mein persönliches Highlight. Hätte ich diesen Trip nicht gemacht, wär mir nicht klargeworden, dass die Ausflugsreichweite für die Kajaks jetzt im Mai exakt die gleiche ist wie für die Motorboote. Und dafür ist es dann natürlich eine ganz besondere, wunderbar stille und erhabene Art, sich den großen Bären zu nähern. Buchstäblich auf Augenhöhe.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Noch eine Exkursion im Motorboot - wieder ein wahres &quot;Grizzly-Feuerwerk&quot;. Noch ein opulentes Dinner. Noch eine herrlich stille Nacht auf der Knight Inlet Lodge. Und noch eine Bärenexkursion nach dem erneut viel zu üppigen Frühstück, oder? Denkste! Wie gesagt, man wird satt - nicht nur am Essen. Es kommt, wie es kommen muss: Die Kinder wollen lieber Billard spielen als Bären beobachten. Lodge-Manager Brian grinst mich an. Das sei nicht ungewöhnlich, wenn zwei Tage hintereinander &quot;normal verlaufen&quot; und so viele Grizzlies gesichtet wurden. &quot;Ja, der Mai&quot;, sinniert Brian weiter, &quot;einer der am häufigsten unterschätzten Zeiträume für die Bärenbeobachtung.&quot; Dann ist unser Gespräch zu Ende, denn ich muss Billardspielen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Wasserflugzeug ist gelandet. Neue Gäste steigen aus. Man blickt in große, erwartungsvolle Augen. &quot;Es wird der Hammer hier!&quot;, möchte ich ihnen zurufen. Aber ich halte mich zurück. Bin schließlich Westfale! Freundlich grüßend klettern wir in den Flieger. Felix darf heute den Copiloten geben und ist stolz wie Oskar. Aber was für einen Wildnistraum haben wir da gerade erlebt! Bestimmt brauchen wir noch ein wenig, um alles wirklich zu erfassen. Dass es etwas ganz Besonderes war, das ist uns jetzt schon klar. War es vielleicht ein bisschen zu früh für die Kinder? Kann sein. Aber muss man nicht solche Gelegenheiten nutzen, gemeinsam als Familie so bleibende Erinnerungen zu schaffen? Was für ein Abenteuer!</description>
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                <pubDate>Mon, 09 Sep 2019 12:07:34 +0200</pubDate>
                <description>&lt;img src=&#039;https://www.kanadafieber.de/out/pictures/generated/product/1/700_490_75/1_bild_2_evenkamp_sk-26857_eiffel_lake_trail_alberta.jpg&#039; border=0 align=&#039;left&#039; hspace=5&gt;&lt;em&gt;1867 wurde Kanada gegründet, 1967 kam mein Mann zur Welt. Zwei gute Gründe, um zu feiern. Wir haben uns gedacht, die beiden Anlässe zu verbinden und Thommys 50. Geburtstag mit einer Reise ins 150-jährige Kanada, unserem Traumreiseziel, zu würdigen.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Westkanada intensiv&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Vier Wochen Auszeit wollten wir uns gönnen. Diesmal in den Sommerferien, denn unsere schulpflichtigen Kinder waren mit von der Partie. Herrlich! Ein wahr gewordener Traum, der ein beträchtliches Loch in unser Portemonnaie gerissen, sich aber hundertprozentig gelohnt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Aufgrund des 150-jährigen Geburtstages war in Kanada der Zugang zu allen Nationalparks frei. Gut für uns, aber leider hat der freie Zugang sowohl die Kanadier selbst, die im August ebenfalls Ferien hatten, als auch viele ausländische Touristen in die Parks gelockt. Wir haben aus diesem Grund einige Campgrounds vorreserviert und Ausflüge über SK Touristik vorbuchen lassen, die uns dabei prima beraten haben. Für uns äußerst ungewöhnlich, über die Wegstrecke nicht spontan zu entscheiden, sondern Vieles vorzubestimmen. Wie sich herausstellen sollte aber unbedingt notwendig! Das neben der Auslastung der Parks weitaus größere Problem: Schon im Juli gab es allein in der Provinz British Columbia, unserem Reisegebiet, etwa 240 Waldbrände, in vielen Gebieten in BC wurde ein &quot;Fire Ban&quot;, ein Lagerfeuerverbot, ausgesprochen. Camping ohne Lagerfeuer - auch unvorstellbar. Aber wir hatten uns so auf die Reise gefreut und nahmen uns vor, es als Abenteuer zu sehen. Nicht loszufahren war keine Option. Wir starteten am 29. Juli. Unser vierter gemeinsamer Trip nach Kanada und die mittlerweile dritte Reise mit den Kindern. Wir, das sind Thommy, mein Mann, unsere Jungs Yannick (11) und Noah (9), und ich (Alex). &lt;br /&gt;
Die Anreise nach Vancouver verlief problemlos. Nach dem Abendessen sanken wir im Hotelzimmer in die super gemütlichen Betten und schliefen bis zum nächsten Morgen - um 8.45 Uhr wurden wir abgeholt. Bei Fraserway verlief alles schnell und unkompliziert, alle waren wie immer freundlich und hilfsbereit. Wir kennen &quot;unseren&quot; Truck Camper mit Slide Out schon in- und auswendig und ich musste nicht lange überlegen, wie ich unser Gepäck verstaue. In Tsawassen nahmen wir die letzte Fähre nach Vancouver Island. Die Überfahrt war schön. Bei uns kam eine wohlig bekannte Kanadastimmung auf. Auf Vancouver Island angekommen fuhren wir nach Vi­­­­­­­­c­toria und parkten bei den Eltern unserer Freunde Marcia und Dennis. Die erste Nacht im Wohnmobil war sehr gemütlich, wir fühlten uns direkt wieder zu Hause. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Am nächsten Morgen fuhren wir an einen ganz besonderen Platz, nämlich an die Stelle, an der wir am 27.08.2005 geheiratet haben. Auf Felsen, fast mit den Füßen im Wasser. Nun standen wir an unserem Platz und zeigten den Kindern, wo wir uns das Ja-Wort gegeben hatten. Wir genossen die Stille und Ruhe und schauten uns die Seesterne und Minikrebse im Wasser an. Irgendwann mussten wir uns aber losreißen. Wir waren mit befreundeten Familien am Cowichan Lake verabredet. Wir wählten die Strecke über den West Coast Scenic Drive, denn in Kanada gilt: der Weg ist das Ziel, überall phänomenale Aussichten! Was auf der Karte aber wie ein Katzensprung aussieht, dauerte gute fünf Stunden. Gegen 17.30 Uhr kamen wir am See an. Der Cowichan Lake ist ein ungefähr 30 Kilometer langer, maximal vier Kilometer breiter Süßwasser-See im Süden von Vancouver Island. Der Campground lag abgeschieden, andere Camper waren nicht zu sehen. Nach der langen Autofahrt wollten wir uns im See abkühlen. So wurden die ersten Gespräche im Wasser geführt. Es wurde ein wunderschöner Abend. Wir saßen um ein Gasfeuer herum, was ich im ersten Moment ein bisschen albern und irritierend fand, aber es war erlaubt und ungefährlich und - zugegeben - in der Dunkelheit und zunehmenden nächtlichen Kälte ganz gemütlich. Die Kinder schmorten Marshmallows über dem Feuer. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Nach drei Tagen hieß es Abschied nehmen. Wir fuhren weiter, Richtung Ucluelet, zum Mussel Beach Wilderness Campground. Unterwegs machten wir einen kurzen Zwischenstopp bei Cathedral Grove und bewunderten dort die bis zu 76 Meter hohen Douglastannen, die ältesten von ihnen 800 Jahre alt. Den Rest der Strecke fuhren wir durch. Nach rund sechs Stunden Fahrt erreichten wir den Mussel Beach Wilderness Campground. Die letzten acht Kilometer bestehen aus einer etwas unebenen Gravel Road, nicht dramatisch, aber ziemlich bumpy. Sie hat uns ordentlich zum Schaukeln gebracht und es gab ein paar Verluste bei den langstieligen Weingläsern.  Der Camp­ground hat uns sofort begeistert. Er macht seinem Namen alle Ehre: Muscheln en masse. Wir hatten eine private Waterfront Site reserviert und waren hin und weg von dem wundervollen Ausblick: direkt am Pazifik, nördlich des Barclay Sound, am einsamen Strand, Seesterne, Anemonen und Krebse, die Campsite selbst umgeben von ein paar Bäumen. Beim Einchecken wurde uns mitgeteilt: heute Nachmittag wurde ein Schwarzbär gesichtet, vor einigen Tagen ein Puma - wie aufregend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Morgens ganz früh raus, einen Kaffee in der Hand, auf das Meer blicken und Ausschau halten nach wilden Tieren - so könnte für mich jeder Tag beginnen. Der einzige Mensch am Meer. Die Gezeiten beobachten, zusehen, wie das Wasser in die Wasserarme strömt, diese unglaubliche Stille und Ruhe, nur Natur, sonst gar nichts. Wir hätten ewig hier bleiben können. Aber so war es nicht geplant. Wir mussten wieder zurück an die Ostküste von Vancouver Island und dann ganz rauf bis zum Cluxewe Resort, gelegen auf halber Strecke zwischen Port Hardy und Telegraph Cove. Wer den Reisebericht &quot;Wildes Vancouver Island&quot; von Rainer Schoof gelesen hat, sieht, dass wir uns hinsichtlich unserer Reiseroute und der Aktivitäten sehr von ihm haben inspirieren lassen. Nach dem malerischen Mussel Beach kam mir das Cluxewe Resort etwas riesig vor. Wir hatten zwar eine vorgebuchte Waterfront Site ganz hinten mit Blick auf den Ozean, aber wir kamen erst sehr spät abends an. Der Campingplatz war sehr voll, es war dunkel, das Wetter schmuddelig. Machte aber nichts, denn wir hatten das Resort ohnehin nur als Ausgangspunkt für weitere Touren gebucht. Sehr früh am nächsten Morgen fuhren wir nach Telegraph Cove, wo wir uns um 8 Uhr bei Tide Rip Grizzly Adventures meldeten, um an einer Grizzly Bear Tour teilzunehmen. Wir hatten zwar schon mehrfach Schwarzbären, aber noch nie in unserem Leben einen Grizzly gesehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Mit rund acht weiteren Personen bestiegen wir ein kleines Boot und fuhren raus durch das Knight Inlet, einen Fjord, der 125 Kilometer lang in die Region der Coastal Mountain Range in BC hineinragt. Der anfängliche Nebel lichtete sich und wir bestaunten die phantastische Inselwelt. Nach ca. eineinhalb Stunden Fahrtzeit machten wir einen Zwischenstopp an einem Bootssteg am Anfang der Glendale Cove. Glendale Cove liegt in der südlichen Ecke des &quot;Great-Bear-Regenwaldes&quot; und ist Heimat einer großen Anzahl von Grizzlybären. Wir stiegen an dem Bootssteg auf ein spezielles, sehr flaches Boot um, das keine Kabine, sondern nur eine schmale hochgelegene Aussichtsplattform hat, auf der mehrere Personen Platz hatten. Damit fuhren wir weiter in die Bucht hinein. Wir erreichten ca. 10 Minuten später das Ende des Wasserarmes, machten den Motor aus und ließen uns näher an das Ufer herantreiben. Was wir dann sahen, war wirklich spektakulär: mindestens 20 Grizzlies, vielleicht auch noch mehr, immer wieder poppten im hohen Gras neue Köpfe hoch, Tiere kamen näher oder entfernten sich. Als wir nachmittags wieder in Telegraph Cove ankamen, waren wir geflasht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann kam das Orca Camp. Es liegt an der Johnston Strait auf Vancouver Island gegenüber von Harbledown Island und Crawcroft Island. Das Camp ist nur mit dem Boot erreichbar. Es besteht aus einer großen offenen Küche, zwei neu installierten Toilettenräumen, einem &quot;Bad&quot; aus Zedernholz mit zwei herrlichen Warmwasserduschen (&quot;wobbly bear spa&quot;) und mehreren fest installierten Zelten mit ordentlich gepolsterten Schlafmatten und Schlafsäcken. Diese einzelnen Campbestandteile liegen nicht alle direkt nebeneinander, man muss über einen kleinen Pfad ein paar Schritte durch den Regenwald gehen, um beispielsweise von der Außenküche zu den Zelten zu gelangen, was dem Ganzen einen besonderen Charme verleiht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Wir einigten uns schnell, wer mit wem in einem Zelt schläft, verstauten unsere Reisetaschen und zogen uns um: Neoprenschuhe und &quot;quick dry&quot;-Klamotten. Alles, was aus Baumwolle ist, hat in diesem Camp nichts zu suchen. Nach einer Einweisung fuhren wir zum ersten Mal raus, Thommy mit Noah (9) in einem Kajak, Yannick (11) mit mir. Ich hatte im Vorfeld ein bisschen Bedenken, dass die Kinder Angst bekommen könnten, aber sie hatten riesigen Spaß. Das Wasser fällt direkt hinter dem Ufer steil ab und wird relativ schnell sehr tief, in der Mitte der Strait ist es einige hundert Meter tief. Schon am ersten Nachmittag hatten wir Glück. Wir paddelten links die Strait hoch und sahen eine große Walgruppe an uns vorbeiziehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Die Versorgung mit Essen war wunderbar, es gab immer große Mengen an sehr schmackhaften Gerichten, und morgens standen Kaffee, Tee und Kakao immer schon bereit. Die Nächte in den Zelten waren gut, fast zu gut, denn mehrfach müssen Orcas nachts direkt vor dem Camp ein Riesenspektakel gemacht haben, das wir verschlafen haben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Die Tage im Orca Camp waren der Wahnsinn! Die Guides Ken und Jordan standen immer in Funkkontakt zu den &quot;Whale-Watching-Booten&quot;, so dass sie ungefähr ausmachen konnten, wo und wann Wale vorbeiziehen würden. Neben Orcas sahen wir auch Seelöwen, Seehunde, Schweinswale und Buckelwale. Auch das Kajaken war traumhaft. Bisher bin ich in meinem Leben höchstens Ruderboot oder Kanu gefahren, würde nach dieser Erfahrung aber Kayaking immer vorziehen. Wir glitten schnell und mühelos über das Wasser, und es war nicht schwierig, auch für die Kinder nicht, beim Paddeln einigermaßen den Rhythmus zu halten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Die Tiefe des Wassers war respekteinflößend, vor allem, wenn man sich klar darüber wurde, dass jederzeit riesige Wale unter oder neben einem auftauchen konnten. Es war ein herrlicher Nervenkitzel, über das Wasser zu gleiten und auf den Atemstoß eines Wales zu warten, der meilenweit über die See zu hören war und dann immer näher kam. Wir haben mehrfach Gruppen von Orcas an uns vorbeiziehen sehen, einmal kamen mehrere Gruppen aus verschiedenen Richtungen, wir wussten gar nicht, wo wir zuerst hinschauen sollten. Wir haben sie jagen und spielen sehen. Das Gefühl war unbeschreiblich, etwas wie Ehrfurcht und tiefe Dankbarkeit. Die Tage im Orca Camp waren berauschend, lehrreich, spannend und entspannend, ich könnte noch seitenweise weiterschreiben, würde aber empfehlen, selbst teilzunehmen. Es ist eine einmalige und wundervolle Erfahrung! Eines der besten Erlebnisse meines Lebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Unser nächstes Ziel: Bella Coola. Am nächsten Morgen nahmen wir die Fähre von Port Hardy nach Bella Bella, um dann eine weitere Fähre nach Bella Coola zu nehmen. Die Fährfahrt umfasste 17 Stunden und ist ein Teil der berühmten Inside Passage. Sie ist wunderschön, aber nicht so spektakulär, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Vielleicht aufgrund der unglaublichen Erlebnisse der letzten Tage. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Über den Highway fuhren wir entlang der Orte Tatla Lake und Williams Lake in den Wells Gray Provincial Park. Wir hatten ihn schon zweimal besucht, er hat uns aber nie wirklich vom Hocker gerissen. Diesmal wollten wir es mit einer Kanufahrt versuchen. Wir steuerten den Clearwater Lake Camp­­g­round im Wells Gray Park an. Als wir uns eingerichtet hatten, machten wir nur noch einen kleinen Spaziergang zum nächsten Lookout auf die Stromschnellen und zum Osprey Café (Restaurant und Kanuverleih), um unsere Kanus für den nächsten Tag zu reservieren. Es war verboten, die Wanderwege in die Wälder zu nehmen. Überall standen Schilder mit der Aufschrift &quot;Area closed due to wildfire threat&quot;. Ein bisschen frustrierend. Am nächsten Morgen holten wir uns die Westen und Paddel am Osprey Café ab und fuhren dann weiter bis zum Bootssteg, wo die Kanus lagen. Dort trugen wir zwei Kanus ins Wasser und paddelten los. Ich mache es kurz: Wir waren mehrere Stunden auf dem See, legten eine gute Strecke zurück, machten an einem netten Strand Halt und fuhren dann wieder zurück, aber: Nach unseren Kajaktouren auf dem Meer zwischen Orcas, Seelöwen und Schweinswalen war das hier doch eher mau. Die Enten konnten uns nicht beeindrucken, der Himmel war immerwährend leicht von Rauch überzogen und das Kanufahren war im Gegensatz zum Kayaking so anstrengend, dass unsere Kinder streikten. Fazit: Es war nett, aber der Wells Gray Park ist wirklich nichts für uns. Das war seine letzte Chance!&lt;br /&gt;
Wir nahmen den Highway 5 nach Norden und bogen dann nach Osten Richtung Rockies ab zum Mount Robson Campground. Hier bekamen wir aufgrund unserer relativ frühen Ankunft und wegen der Größe des Platzes noch eine sehr schöne Campsite. Nachdem wir uns kurz eingerichtet hatten, machten wir einen herrlichen Rundgang zum Fluss und zurück und spazierten dann zum Mount Robson Information Centre mit tollem Panoramablick auf den Berg, der sich diesmal zwar nicht vor blauem Himmel, aber fast komplett zeigte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Wir fuhren weiter in den Jasper National Park. Im Ort Jasper kauften wir ein und waren geschockt angesichts der Menschenmassen. Im Visitor Centre versuchten wir uns hinsichtlich unserer Möglichkeiten zu orientieren, aber es war nirgendwo etwas zu machen, alle Camp­grounds entlang des Icefields Parkway in den Rockies waren hoffnungslos überfüllt. Also entschieden wir uns schweren Herzens, durch die Berge in die dahinter gelegenen Gebiete, genauer in den A. Switzer Provincial Park zu fahren und steuerten dort den Gregg Lake Camp­ground an. Es tat mir im Herzen weh, als ich die wilden Rockies im Rückspiegel immer kleiner werden sah, aber es war unter diesen Umständen die richtige Entscheidung: Wir waren sehr erleichtert, als wir sahen, dass der Gregg Lake Campground noch viele Plätze frei hatte.&lt;br /&gt;
Ein Spaziergang am See tat gut, die Jungs liefen zum nächsten Spielplatz und mit einem echten Lagerfeuer (kein Fire Ban in diesem Gebiet) wurde es ein sehr schöner Abend mit haufenweise Squirrels, die unser Essen klauen wollten. Unsere Campnachbarn, die uns in unserem Entschluss, die Rockies zu verlassen, bestärkten und uns erklärten, wie wundervoll es hier im Hinterland sei, erzählten uns von verschiedenen tollen Trips, die man hier machen könne. Wir entschieden uns für den Kettle Trail, ein sehr langer Weg durch Waldgebiete, ohne Aussicht auf irgendeinen See.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Zum Wochenende wechselten wir auf den Cache Lake Campground ganz in der Nähe, fuhren aber, nachdem wir bezahlt hatten, direkt weiter zurück in den Jasper National Park nach Miette Hotsprings (ca. 60 Kilometer vor Jasper) und parkten hier. Von hier aus starteten wir zum Sulphur Skyline Trail, eine wundervolle Wanderung. Auf einer Länge von rund acht Kilometern ging es ca. 700 Höhenmeter hinauf auf den Sulphur Ridge. Bei den heißen Quellen war noch irre viel los, aber als wir die ersten Kilometer hinter uns hatten, mussten wir nur noch sehr selten Leute vorbeilassen. Wir waren auch nicht gerade früh dran, so dass uns einige Wanderer schon wieder entgegen kamen. Der Aufstieg führte uns zuerst durch Wald, dann unter freiem Himmel steil über Geröll zum Grat hinauf, wo wir mit einem gigantischen 360°-Rundumblick belohnt wurden. Während es unten noch recht windstill war, herrschte hier oben ein stürmischer und eisiger Wind. Aber der Ausblick war einfach unglaublich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Mit vielen kleinen und der sehr langen Pause oben am Grat benötigten wir ca. vier Stunden für die komplette Wanderung. Wieder unten am Parkplatz angekommen, zogen wir uns kurz im Wohnwagen um und gingen dann ins Schwimmbad. Die heißen Quellen machten ihrem Namen alle Ehre. Es tat unglaublich gut, unter freiem Himmel mit immer noch wunderschönem Ausblick im heißen Wasser zu dümpeln und sich dort nach der Wanderung zu entspannen. Ein rundum grandioser Tag. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Unser neues Ziel war, da wir in den Nationalparks keinen Fuß auf den Boden bekamen, der Whitehorse Creek Provincial Park. Wir wurden mehrfach gewarnt, dass wir bei Wanderungen mit den Jungs sehr vorsichtig sein sollten, weil man dort überall und ständig Wildlife, vor allem Bären, begegnen würde. Was für eine verlockende Warnung! Wir machten uns auf die Suche nach einer Campsite und fanden einen wunderschönen einsamen Platz auf dem Whitehorse Creek Provincial Park Campground mit Blick auf den Fluss. Auch dieser Abend endete mit einem großen Campfire. Am nächsten Tag fuhren wir etwa fünf Kilometer weiter über eine Gravel Road bis zum Cardinal Divide Viewpoint. Hier wird die Wasserscheide zwischen zwei großen Flusssystemen markiert, das Wasser fließt von hier aus entweder nach Norden entlang des Athabasca River Richtung Arktischer Ozean oder in den North Saskatchewan River Richtung Hudson Bay. Die Aussicht vom Plateau war trotz Rauch und Bewölkung herrlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Wir wollten nur ein kurzes Stück fahren - bis zum Brazeau River Campground. Wir waren aber offensichtlich so vertieft in unsere immerzu während der Fahrten laufenden Karl May Hörspiele, dass wir es geschafft haben, aus Versehen von der 734 auf die Elk River Road Richtung Lodgepole abzubiegen und dort total verblendet ca. 100 Kilometer (Gravel Road!) in der falschen Richtung zurückzulegen. Unfassbar! Wir mussten die komplette Strecke wieder zurückfahren. Der Brazeau River Camp­ground am Fluss war super schön, und wir waren happy, als wir endlich ankamen. Weiter ging es auf dem zentralen Abschnitt der Forestry Trunk Road, die sich über einige Kilometer entlang der Ostseite der Rocky Mountains windet. Über diese gut befahrbare und idyllische Schotterpiste gelangten wir über Nordegg schließlich zum Goldeye Lake Campground, wo wir noch eine sehr schön gelegene große Site unten am See erwischten. Hier war es nicht so überfüllt, später hätten wir aber auch nicht kommen dürfen, sonst wären wir leer ausgegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Den ganzen Tag lang verbrachten wir am See. Wir lasen und dösten in der Sonne, die Kinder &quot;kochten&quot; mit Gräsern, Rinde und Früchten. Gegen Abend beobachteten wir am See Fischadler, die immer wieder ins Wasser stießen, bis sich auch der letzte, der sich etwas schwer tat, mit seiner Beute wieder in den Wald zurückgezogen hatte. Zum Abendessen entzündeten wir noch einmal ein richtig schönes Campfire, das letzte für diesen Urlaub.&lt;br /&gt;
Endlich wieder Rocky Mountains! Das &quot;endlich&quot; kann ich mir leider nicht verkneifen, denn ich bin definitiv ein Fan der hohen Berge und würde diese dem &quot;Hinterland&quot; immer vorziehen. Wir hatten den Platz auf dem Lake Louise Trailer Campground für die letzten Tage schon vor Monaten reserviert, da wir auf Nummer sicher gehen und vor dem Abflug ab Calgary in der Nähe campen wollten. Auf dem Weg nach Lake Louise hatten wir uns einen Zwischenstopp und die Wanderung zum Helen Lake vorgenommen. Leider waren wir erst gegen 14 Uhr am Startpunkt, weil wir bereits auf dem spektakulären Stück des David Thompson Highways bis zum Saskatchewan River Crossing ständig Halt machen &quot;mussten&quot; und bei den Wahnsinnsausblicken aus dem Staunen gar nicht mehr herauskamen. Wir waren geflasht von so viel Schönheit direkt am Straßenrand: Eine Herde Bighorn Sheep vor dem Saskatchewan River, überall Gletscher oder schneebedeckte Berge, hinter jeder Ecke ein neues &quot;Ahhh&quot; und &quot;Ohhh&quot;...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Der Helen Lake Trail startet an einem Parkplatz rund 37 Kilometer nördlich von Lake Louise. Die Wanderung ist ca. zwölf Kilometer lang und führt über 460 Höhenmeter hinauf zum Helen Lake. Laut Wanderführer - und das können wir jetzt bestätigen - eine der schönsten Touren im Banff Nationalpark. Der Trail führte uns durch Waldgebiet, bezaubernde, märchenhafte Wildblumenwiesen und vorbei an Bergseen, über herabrinnende Bäche bis zum wunderschönen Helen Lake. Es ist spektakulär! Wir stiegen weiter auf, rechts am See vorbei auf die nächste Ebene, um über den nächsten Grat zu schauen. Ganz schöne Kletterei am Schluss, aber die Jungs waren tapfer und machten mit. Oben angekommen, tat sich eine neue umwerfende Aussicht auf und links von uns sahen wir ein kleines Schneefeld unterhalb des Berghangs am Cirque Peak. Die Jungs schrien nur &quot;Schnee&quot; und rannten mit neuer Energie über die Ebene zum doch recht weit entfernten Schneefeld. Als wir bemerkten, wie eine Schlechtwetterfront über die benachbarten Berge schwappte, traten wir gemeinsam den Heimweg an. Die nächsten 15 Minuten mussten wir unglücklicherweise durch dichten Hagel marschieren, aber das kann echte Abenteurer natürlich nicht erschüttern. Das Wetter besserte sich nach einer halben Stunde merklich, sodass wir den Rückweg genießen konnten. Abends sanken wir glücklich und erschöpft in unsere Wohnmobilbetten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Für den letzten Urlaubstag fiel die Wahl auf die Wanderung vom Moraine Lake zum Eiffel Lake. Der Weg um den See war noch rappelvoll, aber 99 Prozent aller Touris lässt man hinter sich, wenn man sich einen längeren Trail vornimmt. So lichtete es sich recht schnell. Dann sahen wir kaum noch jemanden. Der Weg wurde immer schöner, als sich der Wald langsam lichtete und wir hin und wieder von weit oben herrliche Ausblicke auf den Moraine Lake hatten, der unter uns in einem fast schon kitschigen Türkiston im Tal lag. Nach einiger Zeit traten wir weiter oben aus dem Wald heraus und kamen auf einen steinigen Weg, der ab hier weitgehend flach verlief, mit unfassbarem Bergpanorama. Man hat während der ganzen restlichen Wanderung einen beeindruckenden Ausblick auf das Valley of the Ten Peaks und den Eiffel Lake. Einfach bombastisch! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Wir waren zwar schon recht spät dran, aber konnten es auch diesmal nicht lassen. Der Blick hoch zum Wenkchemna Pass (2611 Meter) war einfach zu verlockend. Wir gingen weiter - komplett allein. Der Weg windet sich durch das rechte Ende des Tals und lohnt sich definitiv. Vorher geprägt durch immer wieder andersfarbige Seitenmoränen, mal kleine Steine, mal riesige Felsbrocken, wurde das Tal kurz vor dem Anstieg auf den Pass richtig grün und von einem Gletscherbach durchzogen. Die bunten Flechten auf den Felsen und einige wilde Bergblumen vollendeten das farbenprächtige und doch raue Bild. Der Aufstieg auf den Pass war gut machbar, etwas rutschig wurde es nur, als wir unterhalb des Passes ein Schneefeld durchqueren mussten. Dann war es geschafft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Der Pass oben ist sehr breit, man kann hier gut Rast machen. Die Aussicht in das hinter dem Pass liegende Tal ist zwar beeindruckend, kann aber mit dem Blick zurück in das Valley of the Ten Peaks nicht mithalten. Von hier oben ist die Sicht noch grandioser, weil man nicht nur das Tal und die zehn Gipfel auf der rechten Seite überblickt, sondern auch einen einzigartigen Ausblick auf die andere Bergseite hat, vor allem den Mount Temple. Die komplette Wanderung vom Moraine Lake bis zum Wenkchemna Pass umfasst 20-21 Kilometer. Wir haben insgesamt gute sieben Stunden gebraucht. Vor allem das letzte Straßenstück war aber eine echte Tortur für die Kinder, fast wären sie in den Sitzstreik getreten. Der Urlaub war mit dieser Wanderung vorbei. Wir fuhren in unseren Wanderklamotten direkt bis zum vorgebuchten Campground vor Calgary. Etwas anstrengend. Ich bin aber unendlich froh, dass wir diesem Tag noch einmal alles abverlangt hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Die Rückreise verlief reibungslos. Die &quot;Landung&quot; zu Hause fiel uns nicht leicht, die Zeitumstellung in diese Richtung klappte sehr schlecht, es war schwierig, sich wieder einzuleben. Aber eines ist sicher: Wir kommen wieder! Trotz der Brände, der teilweise sehr schlechten Sicht, der Überfüllung vieler Campgrounds und obwohl wir unsere Reiseroute nicht durchziehen konnten wie geplant, würde ich unsere Reise mit folgenden Worten zusammenfassen: Es war wundervoll, vier Wochen Natur,  Abenteuer, Freiheit, Familie, Glück. Der Urlaub hat uns so viel gegeben, was uns keiner mehr nehmen kann. Es war die erste lange Reise, an die sich unsere Kinder in allen Einzelheiten erinnern werden. Kleine Erinnerungsschätze, die wir immer mit uns tragen werden.</description>
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                <title>La Reata Ranch 0,00 €</title>
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                <pubDate>Mon, 09 Sep 2019 13:23:20 +0200</pubDate>
                <description>&lt;img src=&#039;https://www.kanadafieber.de/out/pictures/generated/product/1/700_490_75/1_la-reata-ranch---mit-levi-die-kuhe-beobachten2.jpg&#039; border=0 align=&#039;left&#039; hspace=5&gt;&lt;em&gt;Im Westernsattel durch die Prärie. Über Saskatchewans endlose Weite, Rinderherden und Cowboyhüte.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Text und Fotos:&lt;/em&gt; &lt;strong&gt;Franziska Middrup&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
Rechts und links des Highways riesige Kornfelder und Weideflächen. Durch die Frontscheibe meines Mietwagens sehe ich ein paar Kühe, die genüsslich Grashalme zermahlen. Die Straße zieht sich ganz gerade durch die Provinz und es scheint, als würde sie irgendwo am Horizont verschwinden. Diese Weite hat etwas Besonderes. Sie fasziniert mich. Mein erster Eindruck der Prärieprovinz bestätigt mein bisheriges Denken über Kanada. Das Land ist so unglaublich vielseitig! Jede Facette Kanadas hält neue Eindrücke und Überraschungen bereit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Auf der Zielgeraden zur La Reata Ranch fahre ich über eine Schotterstraße durch das Ranchland. Ganz überraschend öffnet sich die Sicht auf einen großen See, den Lake Diefenbaker. Auf der Ranch empfängt mich Inhaber George Gaber - Cowboy-like gekleidet mit Hut, Stiefeln, Jeans und Karohemd. George - ursprünglich Georg - ist vor über 20 Jahren aus dem Ruhrgebiet nach Kanada ausgewandert und hat sich hier am Ufer des Lake Diefenbaker eine Guest Ranch aufgebaut. Auf seinen rund 2000 Hektar Land heißt George von Mai bis Oktober Besucher willkommen und teilt sein kanadisches Ranchleben mit ihnen. Ausritte durch die Weiten der Prärie gehören hier zum Tagesprogramm. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Gemeinsam mit George besuche ich die gut 20 Pferde, die sich auf dem Gelände frei bewegen können. Wir finden sie oberhalb des &quot;Cook-Shack&quot;, der Kochhütte der Guest Ranch, auf einem Hügel. Die Vierbeiner strahlen vollkommene Gelassenheit aus. Es scheint fast, als würden sie die Aussicht auf den See genießen. Ich kann es kaum erwarten, in den Sattel zu steigen und im Galopp über das Gras zu fliegen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Nach der ersten Nacht in meiner gemütlichen Cabin fühle ich mich fit und erholt für den bevorstehenden Tag. Gestartet wird mit einem reichhaltigen Frühstück. Köchin Grace zaubert mit Unterstützung von Ranchmitarbeiterin Ivy eine Leckerei nach der anderen. Die beiden servieren Spiegeleier, Bacon, Müsli, Früchte, Joghurt, Marmelade und Toast so viel man möchte. Es gibt neben Kaffee etliche Teesorten und eine Auswahl an Säften. Ich habe schon längst den Überblick verloren, da holt Ivy eine Auflaufform mit Bread Pudding aus dem Ofen. Die süße Speise, zubereitet aus hellem Brot, Milch, Eiern und Rosinen, riecht sündhaft verlockend und duftet nach Zimt. Und sie schmeckt wie sie riecht - lecker!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Gut gestärkt begleite ich George gemeinsam mit den reitbegeisterten Gästen zu seinen Pferden. Jetzt heißt es putzen, satteln und trensen, bevor es auf Entdeckungstour geht. George sucht jedem Gast ein passendes Pferd aus. Er kennt seine Vierbeiner in- und auswendig und liegt mit seiner Zuordnung meist goldrichtig. Wenn Pferd und Reiter doch mal nicht zusammenpassen, hat George immer eine Alternative parat. Für mich geht es heute in den Sattel des Falben Levi. Das Wetter ist klar auf unserer Seite und spendiert uns optimale Reitbedingungen. Der wolkenlose Himmel sorgt in Kombination mit strahlendem Sonnenschein bei allen Beteiligten für hervorragende Stimmung. Das Reiten durch Saskatchewans Ranchland ist eine ganz neue Erfahrung für mich. Mit Gras überzogene Hügel erstrecken sich über einen Großteil der Umgebung. Mitten hindurch zieht sich der etwa 200 Kilometer lange Lake Diefenbaker. Platz ohne Ende! George fordert uns dazu auf, unseren eigenen Trail zu suchen und die Gruppenformation zu verlassen. Obwohl George die grobe Richtung vorgibt, ist jeder ganz individuell unterwegs. Nur ich, das Pferd und die endlos weite Prärie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Für George ist das Ausreiten gleichzeitig die Kontrolle seines Viehbestands. Die rund 250 Rinder sind im Sommer auf einer riesigen Weidefläche unterwegs und gar nicht so leicht aufzuspüren. Einen Teil der Kühe entdecken wir unten am Wasser. Gezielt nähern wir uns an und beobachten sie. Die Pferde sind dabei entspannt und warten auf weitere Anweisungen. George erklärt uns, dass er Ausschau nach einer bestimmten Kuh hält. Sie ist verletzt und soll in den kommenden Tagen zum Tierarzt. Es braucht nicht lange, da hat George Sichtkontakt - und schon beginnt die Aufgabe! Auf seinem Quarter-Horse Yuma teilt er die Herde geschickt auf und schafft es in wenigen Minuten, zwei Kühe samt Kälbchen zu separieren. Beeindruckend! Beim nächsten Schritt ist Teamwork gefragt. Gemeinsam als Gruppe treiben wir die verletzte Kuh und die drei weiteren Tiere zur Hauptranch. Ich fühle mich wie ein richtiges Cowgirl!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Nachdem wir die Kühe erfolgreich zur Ranch getrieben haben, gönnen wir uns eine Lunchpause. Das leckere Sandwich habe ich schnell verdrückt. Dann ein Nickerchen im Gras. Mit dem Cowboyhut über meinem Gesicht schließe ich die Augen und döse für eine gute Viertelstunde vor mich hin. Herrlich! Ausgeruht stellen wir uns der nächsten Aufgabe. Neben den Angus-Rindern besitzt George auch eine Gruppe Longhorns. Er beginnt, die Herde mithilfe seines Pferdes in Richtung Ranch zu treiben. Die agilen Paarhufer bringen ihn dabei ganz schön ins Schwitzen. Ich helfe mit, den Kühen den Rückweg zu versperren, während George die Tiere im Galopp umkreist und zur Ranch lotst. Ein beeindruckendes Schauspiel! Es ist ein aufregendes Gefühl, bei der Arbeit eines Ranchers mitzuwirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Nachmittags kehren wir zurück zur Ranch - geschafft, aber glücklich! Nachdem die Pferde versorgt sind, steigt George auf seinen Jetski und hängt einen überdimensionalen Schwimmreifen an das Gefährt. So eine schöne Abkühlung im Lake Diefenbaker lasse ich mir nicht entgehen! Schnell hüpfe ich in meine Badesachen und schnappe mir ein Handtuch. Ich setze mich in den Reifen und suche mir zwei Griffe zum Festhalten. Die wilde Fahrt kann losgehen! George gibt von vorn herein Vollgas und zieht den Reifen von rechts nach links über das Wasser. Ich kann nicht aufhören zu lachen. Wir sind so schnell, dass ich das Gefühl habe, wir heben gleich ab. Meine (Freuden-)Schreie hört man wahrscheinlich bis zum Steg. Was für ein Spaß und eine fantastische Erfrischung noch dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;So ein ereignisreicher Tag macht hungrig. Mein Magen knurrt fordernd, als ich den &quot;Cook-Shack&quot; betrete. Aus der Küche riecht es schon wieder überaus verlockend. Gemeinsam mit allen Gästen und Teammitgliedern der La Reata Ranch machen wir uns über die Mahlzeit her. Yummy! Das saftige Steak schmeckt hervorragend. Dazu Ofenkartoffeln und Grillgemüse - perfekt! Pappsatt und rundum zufrieden verlagern wir das Beisammensein in den Saloon der Ranch. Wir stoßen auf den wunderschönen gemeinsamen Tag im Ranchland Saskatchewan an und lassen den Abend gemütlich bei einem Bier ausklingen. Oder waren es zwei? Cheers!</description>
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