Thomas in Neufundland und Labrador
Wie bereits vor einigen Tagen von Rainer angekündigt melde ich mich nun von meinem Trip nach Neufundland und Labrador zurück. Leider hat es von unterwegs nicht geklappt Bilder zu schicken, das werde ich aber in den kommenden Tagen nachholen. Eines sei vorweg gesagt, es war ein ganz außergewöhnlicher und erlebnisreicher Trip. Wie oft bin ich schon auf dem Weg in die USA und nach Kanada über Neufundland und Labrador geflogen. Ich habe mich immer gewundert, wie es dort wohl aussieht und was für Menschen in dieser abgeschiedenen Gegend wohnen. Nun habe ich Antworten, die ich gern über die nächsten Tage weitergeben werde - mit Reiseberichten und Bildern.
Die Reise, organisiert von der Canadian Tourism Commission (CTC) startete offiziell in Frankfurt am Flughafen. Dort wartete Nina Brauckmann von der CTC Deutschland bereits mit Alexandra Kolar von der Air Canada Deutschland. Mit Air Canada ging es über Toronto nach Deer Lake auf Neufundland. Schon das mir bestens vertraute Leitwerk mit dem roten Ahornblatt steigerte meine Vorfreude. Irgendwie habe ich bei Air Canada, mit Boarding der Maschine immer das Gefühl bereits in Deutschland den Schritt über den großen Teich nach Kanada gemacht zu haben. Toll! Der Langstreckenflug war mit einer Boeing 777-300. Mit 196cm bin ich nicht gerade klein, doch selbst in der Economy war die Beinfreiheit überdurchschnittlich gut - ein sehr angenehmer Flug. Das Entertainment System war ebenfalls sehr ordentlich, leider nur mit wenigen Filmen in deutscher Sprache.
Interessant wurde es beim Landeanflug auf Deer Lake. Bereits kurz unter der Wolkendecke war zu erkennen, Neufundland ist "Moose Country". Die Landschaft ist super abwechslungsreich, gebirgig mit sich windenden Flussläufen und unzähligen Seen. Als alter Angler juckte es mir natürlich sofort in den Fingern. Uu dumm nur, dass meine Angelrute zu Hause geblieben war. Die Hoffnung eine Angelrute zu leihen war aber sehr schnell geboren.
Müde und erschlagen fiel ich abends ins Bett, wohlwissend, dass am kommenden Tag bereits das erste Highlight der Tour warten würde - die Tablelands im Gros-Morne-Nationalpark.
Früh ging es aus den Federn und unsere Gruppe machte sich auf den Weg zum ca. 2 Stunden entfernt liegenden Nationalpark. Das Wetter zeigte sich bereits recht wohlwollend und die Sonne liess ab und zu die Hügellandschaft der Insel im Morgenlicht erstrahlen. Während der Strecke zeigte sich die Natur als erstaunlich ursprünglich und der Verkehr war absolut rekordverdächtig ruhig. Es sei vorweg genommen,ich habe in 9 Tagen nur 2 (!!!) Mietwohnmobile gesehen und eines davon in Labrador. Unglaublich, dass diese faszinierende Insel so wenig von Touristen erschlossen wurde, es ist hier noch richtig ursprünglich und wild. Für mich war direkt klar, das ist Neuland und für jeden Individualtouristen, der sich gern abseits der Touristenpfade bewegt ein Traum.
Nach gut 1,5 Stunden deutete sich dann langsam an, was auf uns zukommen sollte. In der Ferne ließen sich bereits die Tablelands erkennen, recht unwirklich, fast wie eine Mondlandschaft inmitten vor Leben strotzender Natur.
Vor Ort hatten wir das Glück mit einer Rangerin von Parcs Canada die Tablelands genauer unter die Lupe nehmen zu können. Sehr interessante Fakten und Informationen wurden uns weitergegeben. Das hatte ich so nicht erwartet und war sehr dankbar für die Tour. Immer wieder musste ich mich dabei ertappen etwas abseits der Gruppe zu laufen, immer nach Tieren, besonderen Pflanzen und bizarrenSteinformationen Ausschau haltend.
Ich hoffe die Bilder geben ein wenig die Schönheit der Insel wieder. In den kommenden Tagen dann mehr von meinem Trip auf "meinen weissen Flecken" auf der kanadischen Landkarte.
Die Tablelands im Rücken ging es für uns weiter durch die Wildnis Neufundlands, in Richtung Küste. Entlang mächtiger Fjorde fuhren wir zum Western Brook Pond, wo uns eine einzigartige Bootstour erwarten sollte. Am Parkplatz angekommen erwartete uns eine ca. 3km lange Wanderung durch eine vielfältige Marschlandschaft des vom Meer abgeschnittenen Altarms des Atlantiks. Das Salzwasser ist nach hunderttausenden von Jahren mittlerweile Süßwasser gewichen und dank seiner Tiefe mit 3-5 Grad sehr frisch.
In den Sommermonaten strotzt die Natur im Westen Neufundlands nur so vor Leben, besonders der vielfältige Blumenbewuchs am Rande des Wanderweges fiel mir auf. Zudem sind Elche besonders in dieser Gegend in außergewöhnlich hoher Anzahl vorhanden und so dauerte es auch nicht lange, bis wir die ersten Tiere sichten konnten, sogar eine Elchkuh mit Jungtier. Vom Fähranleger aus ging es für uns tief hinein in die wilde Fjordlandschaft des Western Brook Pond. Massive Felsformationen, Steilwände und hohe Abbruchkanten bildeten eine unglaubliche Kulisse und verschlugen uns die Sprache, teilweise war nur das leise Klicken der Kameras zu hören. Bei der Bootstour waren wir die einzigen "Touristen" aus Europa, einige Kanadier und Amerikaner waren noch mit an Bord, ansonsten war es mehr oder weniger eine Exklusivtour. Herrlich entspannt, man hatte wirklich das Gefühl etwas ganz Besonderes, abseits jeglicher Touristenpfade zu erleben.
In den kommenden Tagen wurde es dann "wild", Labrador wartete auf uns. Die Berichte und Bilder dann in den kommenden Tagen.
Nachdem wir den Western Brook Pond verlassen und in unserem Hotel eingecheckt hatten, lag der Fokus direkt wieder auf den kommenden Tagen. Kein Wunder, es sollte für uns nach Labrador gehen, einer Provinz, die wohl nur wirkliche Canadaholics live zu Gesicht bekommen. Es ging sehr früh aus den Federn, denn bis zum Fährhafen in St. Barbe waren es noch etwa 2 Stunden Fahrt. Bei den vielen Elchen ist eine Fahrt in den frühen Morgenstunden schon nicht ungefährlich, deshalb planten wir auch etwas mehr Zeit ein, einfach um nicht so schnell fahren zu müssen und das "Elchrisiko" zu minimieren.
Die Fähre von St. Barbe nach Blanc Sablon war schon etwas älter, um genau zu sein von 1969. Ich muss ehrlich sagen, dass mir etwas unwohl war, machte dieses rüstige Schiff russischer Bauart eher den Eindruck, als würde es nur von Farbe und etwas Rost zusammengehalten. Auf meine Nachfrage bestätigte man mir aber die Zuverlässigkeit und den Plan in Kürze ein neues Schiff auf dieser Verbindung auf die Reise zu schicken. Bei bestem Wetter setzten wir nach Blanc Sablon über und die anfänglichen Zweifel über die Seetüchtigkeit der Fähre waren schnell verflogen. Mit ca. 1:30 Std. war die Überfahrt recht kurz. Da Blanc Sablon noch in Quebec liegt, mussten wir noch die Provinzgrenze nach Labrador überfahren, diese liegt allerdings nur 5 Minuten von Fähranleger entfernt. Am "Welcome to the big land" Schild wurde natürlich ein Fotostop eingelegt, denn dieser ist hier obligatorisch.
Weiter ging es am Mittag in Richtung Red Bay, wo die historische Red Bay Basque Whaling Station, ein UNESCO Weltkulturerbe, auf dem Programm stand. Erst zweifelte ich etwas, war dann aber sehr positiv überrascht! Ein tolles Museum und ein wirklich uriges, kleines Fischerdörfchen empfingen uns bei herrlichstem Sonnenschein. Auf der Rückfahrt genossen wir die teilweise atemberaubenden Ausblicke über die Küste und das dahinter liegende Gebirge.
Morgen geht es weiter nach Battle Harbour, einem National Historic District und wirklichen Highlight der Tour. Das hatte ich abermals nicht so auf dem Schirm, mehr aber morgen.
Bei herrlichem Sonnenschein ging es auf den Trans Labrador Highway, welcher mittlerweile fast komplett asphaltiert wurde. Wir mussten allerdings bis Mary´s Harbour eines der letzten Teilstücke Schotterpiste befahren. Dieses Stück wird aber momentan zum asphaltieren vorbereitet und ist in sehr gutem Zustand.
In Mary´s Harbour wartete bereits unser Boot, die "Iceberg Hunter". Das sollte sich als gutes Omen herausstellen, denn nach ca. 40 Minuten Fahrt tauchte wirklich unser erster Eisberg in der Ferne auf und kurze Zeit später umkurvten wir den großen Klotz aus gut 25-50.000 Jahre altem Süsswasser. Unglaubliche Farben zeigten sich bei dem intensiven Sonnenlicht, leider bekommt man das nur sehr schwer auf die Kamera. In Battle Harbour angekommen, kamen wir mal wieder aus dem Staunen nicht heraus. Ein kleines, liebevoll restauriertes, historisches Fischerörtchen inmitten wilder, zerklüfteter Küstenlandschaft. Alle Zimmer sind SEHR liebevoll restauriert, ohne den Charme vergangener Tage zu verlieren. Nach einer sehr informativen und gut vorgetragenen Führung durch das alte Dorf bekommen wir ein sehr schmackhaftes Mittagessen gereicht und das Haupthaus gezeigt. Hier gibt es sogar eine Bar für gemütliche Abende - perfekt um den Tag ausklingen zu lassen. Ein Spa-Bereich ist in Arbeit und soll bis Ende des Jahres fertig gestellt sein.
Am Abend bekam ich endlich eine Angelrute geliehen, sehr einfach, aber ausreichend. In gut einer Stunde konnte ich 11 gute Dorsche von einer Klippe fangen. Alle sind aber natürlich umgehend wieder in die Freiheit entlassen worden, da wir keine Verwendung hatten - das Abendessen war bereits arrangiert. Sogar zwei jüngere Damen aus unserer Gruppe versuchten sich mit Rute und Blinker und waren auch sehr schnell erfolgreich, der Fischreichtum ist einfach unglaublich.
Wale haben wir leider keine gesehen, es geht nun aber auch nicht wirklich alles. Den Trip nach Battle Harbour kann ich jedem nur wärmstens ans Herz legen! Für mich ein absolutes Highlight der Tour und das nicht nur wegen meinem Angelerfolg.
Am kommenden Tag sollte es wieder nach Neufundland gehen.
Die letzte Etappe unserer Reise führte uns wieder zurück nach Neufundland. An der Nordspitze Neufundlands wartete mit L´Anse aux Meadows die älteste Wikingersiedlung in Nordamerika auf uns. Hier siedelten die Nordmänner bereits 500 Jahre, bevor Columbus sich auf den Weg machte. Liebevoll wurden die Häuser rekonstruiert und Mobiliar detailgetreu nachgebaut. Geschichtsträchtiger Boden inmitten grandioser Natur - eine gute Kombination meiner Meinung nach und deshalb besonders sehenswert. Weiter gen Süden, in St. Anthony, erwartete uns dann ein Wikingerfest, was aber eher auf älteres Publikum ausgelegt war. Wer ein Ritterfest aus Europa kennt, wird wohl eher etwas enttäuscht sein. Super war allerdings, dass man von der vorgelagerten Klippe aus einen massigen Eisberg sehen konnte. Dieser war ca. 30 m hoch und flächenmäßig etwa so groß wie ein Fussballplatz. Bonbon war, dass dieser Eisberg fest hing. Nur ca. 1/7 - 1/9 ragte aus dem Wasser, der Rest war unter Wasser und hing am Grund. Alles in allem war der Eiswerg ca. 200-250 m hoch, allerdings wie gesagt nur gut 30 über dem Meeresspiegel. Da wir am kommenden Tag eine Iceberg Tour geplant hatten, wussten wir bereits, wer da auf uns warten würde. Bei der Bootstour kamen wir dem weissen Riesen per Boot dann sehr nahe und konnten tolle Fotos schießen. Plötzlich brach dann sogar eine große Kante ab und krachte ins Meer. Was ein Schauspiel, leider konnte ich es so schnell nicht mit der Kamera einfangen.
Der Rückflug nach Deutschland sollte dann noch ein tolles Erlebnis für uns bereit halten. In Deer Lake bestiegen wir eine nur 18 Passagieren Platz bietende Beechcraft der Air Canada. Keine Stewardess, nur 2 Piloten waren an Bord. Ein kurzer Fingerzeig auf den Notausgang reichte aus und los ging es. Die Tür zum Cockpit blieb den ganzen Flug über geöffnet und so konnte ich den Piloten von meinem Platz 2A bestens auf die Finger schauen - dass ich dann letztendlich in Frankfurt meinen Flug nach Münster verpasst habe, konnte ich dank der fantastischen Erlebnisse durchaus verschmerzen. Neufundland und Labrador werden mich ganz sicher wieder sehen!!! Das war es dann von mir zu diesem grandiosen Trip und ich denke mein Kollege Markus Knüpp wird sich bald melden, denn er tourt durch den Westen Kanadas und der USA.
Bis bald auf den Kanadatagen, Thomas